«Das wird die Klimaskeptiker kaum mundtot machen»

Analyse

«Tages-Anzeiger»-Journalist Martin Läubli hat in Stockholm die Präsentation des Weltklimaberichts mitverfolgt. Wie er die neusten Erkenntnisse einschätzt.

«Für den Laien mag dies eine Zahlenspielerei sein»: Martin Läubli im Stockholmer Pressezentrum.

«Für den Laien mag dies eine Zahlenspielerei sein»: Martin Läubli im Stockholmer Pressezentrum.

Martin Läubli@tagesanzeiger

Die Forscher des Weltklimarates IPCC haben eben an einer Medienkonferenz in Stockholm all jene Lügen gestraft, die bereits das Ende des Klimawandels verkündeten: Die Erde wird sich weiter erwärmen, die aktuelle Klimapause ist erklärbar. Es hängt davon ab, wie viel Zeit wir verstreichen lassen, um unser Energiesystem von Kohle, Erdöl und Erdgas auf alternative Energieformen wie Wind, Sonne und Geothermie umzustellen.

Im besten Fall wird sich die Erde wahrscheinlich um 1 Grad Celsius erwärmen, im schlimmsten um knapp 4 Grad. Das politische Ziel ist, eine Erwärmung um mehr als 2 Grad zu verhindern, weil sonst verschiedene Ökosysteme aus dem Gleichgewicht kommen. Nimmt man die heute präsentierten Resultate der neusten Klimamodelle, so müssen die CO2-Emissionen schon bald stabilisiert werden, um dieses Klimaziel mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erreichen.

Nur ein Zwischenhalt

Die Botschaft der Klimaforscher ist im Grunde dieselbe wie beim letzten Bericht 2007. Im Detail sind jedoch die Aussagen stringenter. Für die Erwärmung der Erde der letzten 50 Jahre ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent der Mensch verantwortlich. Diese Gewissheit ist im Vergleich zum letzten Bericht um 5 Prozent angestiegen. Für den Laien mag dies eine Zahlenspielerei sein. Sie zeigt aber, dass die Unsicherheiten geringer werden, je länger die Messperioden und entsprechend grösser der Datenumfang wird.

Die gegenwärtige Stagnation des Temperaturverlaufs auf der Erdoberfläche ist für die Klimaforscher lediglich ein Zwischenhalt. Das Phänomen ist in natürlichen Wetterschwankungen und einer bisher unerwartet höheren Wärmekapazität des Ozeans erklärbar. Diese Erklärung wird jedoch die Skeptiker des Klimawandels kaum mundtot machen, weil die Wissenschaftler derzeit noch nicht exakt beurteilen können, wie gross zum Beispiel der Anteil des Ozeans ist.

Verheerende Sturmflut für Küstenstädte

Die verbesserte Datenlage seit dem letzten Bericht ist auch bei der Beurteilung des Anstiegs des Meeresspiegels ersichtlich. Diesmal wurden die Abschmelzprozesse des Grönlandeises und der Westantarktis in den Computermodellen berücksichtigt. Der IPCC geht davon aus, dass der Meeresspiegel bis 2100 um 0,24 bis 0,63 Meter ansteigt, je nach Erwärmungsszenario. Eine Erhöhung um nur 30 Prozent kann jedoch bei einer Sturmflut für Küstenstädte verheerend sein.

baz.ch/Newsnet

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