Das Geschwätz von den Null-CO2-Emissionen

Bei einer Fokussierung auf einen einzelnen Einflussfaktor sind Kollateralschäden vorprogrammiert und bei einer «Null-CO2-Emissionen»-Forderung sogar garantiert.

Dass sieben Milliarden Menschen die Welt bevölkern und dass es nur noch kriegsbedingte Hungersnöte gibt, ist auf die Hilfe von Verbrennungsmaschinen zurückzuführen.

Dass sieben Milliarden Menschen die Welt bevölkern und dass es nur noch kriegsbedingte Hungersnöte gibt, ist auf die Hilfe von Verbrennungsmaschinen zurückzuführen.

(Bild: Keystone)

Markus Häring

Netto-Null-CO2-Emissionen bis 2050, so lautet die Forderung des Weltklimarates IPCC, wenn die Klimaerwärmung bis 2100 auf 1,5° Celsius beschränkt bleiben soll. Eine solch absolute Aussage muss man analysieren. Erstens, wie sie zustande kommt, und zweitens, was sie bedeutet.

Zum Ersten. Die Klimaerwärmung sei nur mit Null-Emissionen zu stoppen, ist eine Aussage, die zwar physikalisch nachvollziehbar ist, jedoch fern von jeglicher Realität bleibt. Modellvorstellungen sind keine Fakten. Numerische Modelle sind in der Wissenschaft unverzichtbare Werkzeuge, um sich mithilfe unzähliger Iterationen, mit vielen Korrekturen, Anpassungen und Verbesserungen dem Verständnis natürlicher Abläufe anzunähern, bis man glaubt, sie begriffen zu haben. Solange das Resultat mit den Beobachtungen nicht übereinstimmt, ist es falsch. Dann geht man zurück und denkt nach, woran der Fehler liegen könnte, was man übersehen haben könnte. Dann füttert man das Rechenmodell mit neuen Angaben und prüft erneut den Ausgang. Auf diese Weise gewinnt man über endlos viele Schritte ein immer besseres Verständnis. Das ist Wissenschaft.

Datensätze sind nie vollständig

Rechenmodelle sind nur so gut wie die Daten, die man «füttert». Informationen, die man nicht eingibt, können auch nicht verarbeitet werden. Und da Datensätze nie vollständig sind und dies auch gar nicht sein können, können auch die besten Supercomputer der Welt natürliche Prozesse nie vollständig nachvollziehen. Es würde ja bedeuten, dass wir alle Prozesse, die sich auf unserem Planeten abspielen, bereits kennen.

Gute Wissenschaftler geben zu, wie viel sie noch nicht wissen. Es ist eine unerhörte Selbstüberschätzung, wenn Klimaforscher behaupten, sie hätten sämtliche Daten zur Verfügung und in ihren Modellen alles korrekt verarbeitet. Überhaupt nicht geeignet sind Modelle, um Prognosen zu stellen, vor allem nicht in hochkomplexen Systemen. Man darf ihnen so viel Glauben schenken wie den Prognosen von Finanzanalysten. Zum Zweiten. Die Belastung der Umwelt durch menschliche Emissionen ist ein sehr ernst zu nehmendes Thema, doch ist es verfehlt, das nur auf CO2-Emissionen zu reduzieren. Bei einer derartigen Fokussierung auf einen einzelnen Einflussfaktor sind Kollateralschäden vorprogrammiert und bei einer «Null-CO2-Emissionen»-Forderung sogar garantiert. Wenn das Schadenpotenzial einer unsorgfältigen Dekarbonisierung grösser wird als die Nachteile einer möglichen Klimaerwärmung, läuft etwas falsch.

Ohne mechanische Hilfe gar nicht denkbar

Dass sieben Milliarden Menschen die Welt bevölkern, dass es nur noch kriegsbedingte Hungersnöte gibt und dass es immer grösseren Gemeinschaften gelingt, Wohlstand zu teilen, ist auf die Hilfe von Verbrennungsmaschinen zurückzuführen. Maschinen, die die Grenze der menschlichen und tierischen Muskelkraft überwunden haben. Eine Welt, wie wir sie kennen, ist ohne mechanische Hilfe gar nicht denkbar. Heute werden auf der Welt 85 Prozent der Maschinen mit fossilen Brennstoffen betrieben.

Volle Dekarbonisierung bedeutet weltweit alle mechanischen Hilfen wie Gasturbinen, Traktoren, Schiffe, Flugzeuge, Frachtwagen, Personenwagen etc. durch verbrennungsfreie Antriebe zu ersetzen. Elektromotoren sollen das alles leisten? Stahl- und Zementproduktion, thermische Industrieprozesse wären auch nicht mehr möglich. Es genügt, sich nur schon einmal die Grössenordnung der Forderung vor Augen zu führen. Wer einfach stereotyp «Wir müssen auf Null-Emissionen!» hinausposaunt, ist kein Problemlöser, sondern ein Schwätzer.

Markus Häring ist Geologe, Vize-Präsident des Carnot-Cournot-Netzwerks, Think-Tank für Politberatung in Technik und Wirtschaft, Autor des Buches «Sündenbock CO?».

Basler Zeitung

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