Männliche Bienen anfälliger auf Parasiten

Ein Berner Forschungsteam untersuchte, wie Bienen auf einen weit verbreiteten Krankheitserreger reagieren – mit erstaunlichem Ergebnis.

Drohnen sterben viel früher als die weiblichen Bienen: Eine Biene sitzt im deutschen Hannover auf einer Blüte. (Archivbild)

Drohnen sterben viel früher als die weiblichen Bienen: Eine Biene sitzt im deutschen Hannover auf einer Blüte. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Männliche Honigbienen sind wesentlich anfälliger auf einen weit verbreiteten Parasiten als ihre weiblichen Artgenossen. Das wirkt sich auf die Vermehrung der Bienenvölker aus, wie Berner Bienenforscher im Fachblatt «PLOS ONE» berichtet.

Das Forschungsteam der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern untersuchte Bienen, die vom Darmparasiten Nosema ceranae befallen waren, wie die Universität Bern mitteilte. Dabei fanden die Forscher heraus, dass infizierte männliche Honigbienen - die Drohnen - viel früher sterben und in einer schlechteren körperlichen Verfassung sind als die infizierten weiblichen Bienen, die so genannten Arbeiterinnen.

Hauptursache für Völkerverluste

Dieser Befund ist laut dem Berner Forschungsteam um Geoffrey Williams und Peter Neumann besorgniserregend. Ohne starke und rüstige Drohnen könnte die erfolgreiche Begattung von Königinnnen erheblich beeinträchtigt sein, wird Doktorandin Gina Retschnig im Communiqué zitiert.

Qualitativ und quantitativ ungenügende, von den Drohnen übertragene Spermien könnten gemäss den Forschern ein möglicher Grund für verfrühtes Ableben von Königinnen sein. Schlechte Leistungen und Beeinträchtigungen der Königinnen würden in aktuelle Studien als einer der Hauptursachen für Völkerverluste bezeichnet, heisst es im Communiqué.

Einfacher Chromosomensatz macht Drohnen anfälliger

Dass Drohnen Parasiten gegenüber anfälliger sind, führen die Forscher darauf zurück, dass sie haploid sind - sie haben also nur einen einfachen Chromosomensatz. Die beiden weiblichen Kasten, Arbeiterinnen und Königinnen sind hingegen diploid: Sie enthalten jeweils zwei Kopien von jedem Chromosom.

Die so genannte «Haploid Susceptibility«-Hypothese besagt, dass haploide Männchen aufgrund dieses Unterschiedes anfälliger auf Krankheiten reagieren als ihre weiblichen Artgenossen, da dominante Gene auf einer Chromosomenkopie mutierte Gene auf der zweiten Kopie bei diploiden Organismen überdecken könnten.

Asiatischer Parasit breitet sich aus

Der Darmparasit Nosema ceranae stammt ursprünglich aus Asien, hat sich aber in den vergangenen Jahren weltweit stark ausgebreitet. Er könnte eine Rolle bei den hohen Völkerverlusten spielen, welche momentan in vielen Regionen beobachtet werden, heisst es im Communiqué.

Derzeit sei eine ganze Reihe von Wissenschaftlern damit beschäftigt, diesen Parasiten genauer zu erforschen und besser zu verstehen. Die Studie des Berner Forschungsteams war Bestandteil eines internationalen Projektes der EU. Sie entstand in Zusammenarbeit von Forschern des Institutes für Bienengesundheit der Universität Bern, dem Zentrum für Bienenforschung der Forschungsanstalt Agroscope, Schweiz, sowie dem Ökologischen Institut (Schwedische Universität für Agrarwissenschaften).

ajk/sda

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