Die Entdeckung von Pluto war eine «todlangweilige» Aufgabe

Die US-Stadt Flagstaff feiert in diesem Jahr die Entdeckung von Pluto besonders ausgiebig. Sie verdankt sowohl dem Entdecker als auch dem Himmelskörper einiges.

Hochburg der Pluto-Forschung: Kevin Schindler vom Lowell-Observatorium steht neben dem Pluto-Teleskop in Flagstaff. (17. März 2015)

Hochburg der Pluto-Forschung: Kevin Schindler vom Lowell-Observatorium steht neben dem Pluto-Teleskop in Flagstaff. (17. März 2015)

(Bild: Keystone)

In einem Sushi-Restaurant im Zentrum von Flagstaff gibt es eine Pluto Roll auf der Speisekarte, das ganze Jahr über wird in einer Ausstellung das Werk jenes Hobby-Astronomen gewürdigt, der den Pluto 1930 entdeckte, und eine Besichtigungstour führt zu dem Kino und Restaurant, in dem Clyde Tombaugh den Abend seines grossen Fundes verbrachte.

Seit Tombaugh vom örtlichen Lowell-Observatorium aus den mittlerweile zum Zwergplaneten heruntergestuften Pluto entdeckte, sind die Bewohner der Kleinstadt in Arizona fasziniert von der eisigen Welt am Rande unseres Sonnensystems. Tombaughs Verdienst war es schliesslich auch, dass Flagstaff plötzlich mehr war als eine Bahnstation auf dem Weg zum Grand Canyon, an der Viehbauern und Holzarbeiter leben. 85 Jahre nach seiner Entdeckung wird der Pluto aber in Flagstaff besonders zelebriert.

Nasa-Raumschiff erreicht Pluto

Denn der Pluto dürfte in diesem Jahr auch weltweit mehr Aufmerksamkeit erfahren, wenn das Nasa-Raumschiff «New Horizon» nach neunjähriger Reise im Juli den Zwergplaneten erreicht und neue Fotos zur Erde schickt. Auch im Observatorium werden diese Bilder ganz genau studiert werden. Die dortige Ausstellung «Das Jahr Plutos» ist aber vor allem dem Leben Tombaughs gewidmet.

Der junge und astronomiebegeisterte Mann kam in den 1920er Jahren ans Lowell-Observatorium, von wo aus er den Nachthimmel auf der Suche nach einem mysteriösen Planeten X abfotografierte. Auf die Spur hatte ihn der bereits 1916 verstorbene Gründer der Sternwarte, Percival Lowell, gebracht.

Hochburg der Pluto-Forscher

Die Aufgabe war wenig glamourös, sie war sogar «todlangweilig», schrieb der Historiker Kevin Schindler. Tombaugh analysierte 35x43 cm grosse Fotos mit 300'000 Sternen und verglich mehrere Tage auseinander liegende Aufnahmen, um auch nur die kleinste Bewegung festzustellen. Am 18. Februar 1930 entdeckte der damals 24-Jährige Tombaugh schliesslich eine winzige Veränderung in der Position eines Objekts. Dieses wurde später als Pluto bekannt.

Das Lowell-Observatorium wurde in den Folgejahren zu so etwas wie einer Hochburg der Pluto-Forscher. Unter anderem wurden von dort aus die Atmosphäre und drei der bisher bekannten fünf Monde des Pluto entdeckt.

Entdecker erlebte Herabstufung nicht mehr

Jedes Jahr besuchen rund 80'000 Menschen die Sternwarte. Für die neue Ausstellung wurden Tombaughs Tagebücher, Briefe, die originalen Berechnungen und eine der Fotoplatten von damals gesammelt. Auch ein Telegramm eines englischen Mädchens ist zu sehen, die den Namen Pluto für den vermeintlich neunten Planeten unseres Sonnensystems vorschlug.

Tombaugh starb 1997 und erlebte nicht mehr, dass seine Entdeckung 2006 zum Zwergplaneten heruntergestuft wurde. Viele in Flagstaff wollen davon nichts wissen und verteidigen ihren Planeten, wie Kuratorin Samantha Thompson sagt. Die Ausstellung, die im März eröffnet wurde, stellt zu Anfang die Frage: «Ist Pluto ein Planet?». Die Antwort überlässt sie dem Besucher.

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