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Scharfe Kritik an Arthrose-Behandlungen

Obwohl Behandlungen der Volkskrankheit Arthrose viel Geld kosten, ist ihre Wirksamkeit laut Fachleuten umstritten: Manche Therapien sind sogar gefährlich.

Diese Ergebnisse einer gross angelegten Studie stellten die Düsseldorfer Ärzte Carsten Moser und Peter Wehling heute auf dem grössten deutschen Orthopädenkongress, dem Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie, in Berlin vor. Wie die «Stiftung Molekulare Medizin im Internet» heute mitteilte, beschäftigten sich die Mediziner zunächst mit der Frage, bei welcher Therapie gegen Knie-Arthrose ein wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit vorliegt.

«Die Ergebnisse der systematischen Auswertung der Weltliteratur zu diesen Themen waren leider ernüchternd», sagte Peter Wehling, der als Fachmann für die Stiftung tätig ist, «vor allem zeigte sich für die bei Arthrose sehr häufig verabreichten Antirheumatika eine sehr niedrige Wirksamkeit bei überraschend hohen Nebenwirkungen.» Co-Autor Carsten Moser ergänzte, die Auswertung mache deutlich, dass es bei Arthrose keine Standardtherapie gebe. Vielmehr sei ein Behandlungskonzept gefragt, dass individuell auf den Patienten abgestimmt sei.

Sämtliche Informationen analysiert

Im Rahmen ihrer so genannten Meta-Analyse untersuchten und bewerteten Wehling und Moser die weltweit vorhandene Literatur in Form von Leitlinien, Übersichtsarbeiten und mehreren hundert klinischen Studien. Dabei schnitten Therapien mit Gewichtsminderung, Muskelkräftigung und die Behandlung mit Injektionen vergleichsweise gut ab. Dagegen schnitten Medikamente und Gelenkspiegelungen überraschend schlecht ab. Insbesondere bei der medikamentösen Therapie fiel die hohe Zahl von Nebenwirkungen auf, zu denen unter anderem Magengeschwüre und ein erhöhtes Herzinfarktrisiko zählen.

Schon im April 2007 hatte eine Studie von Medizinern der Universität Bern gezeigt, dass ein häufig verschriebener Wirkstoff namens Chondroitin bei fortgeschrittenen Arthrosen keinen klinischen relevanten Heilungseffekt hat – obwohl er den Knorpel in den Gelenken wieder aufbauen und zugleich die Schmerzen lindern soll. Stattdessen empfahlen die Fachleute vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin vor allem für Patienten mit Problemen in den Knien Physiotherapien, um die Muskulatur zu stärken.

Schmerzhaft und weit verbreitet

Arthrose ist eine häufige Erkrankung des Bewegungsapparates; sie führt im Lauf der Zeit zu massiven Veränderungen im Knochengerüst. Nach Angaben der Universität Bern sind in der Schweiz schätzungsweise 900'000 Menschen von der schmerzhaften Abnutzung der Knorpelschicht in den Knie-, Hüft- und anderen Gelenken betroffen. In Deutschland leiden rund fünf Millionen Menschen an der Knie-Arthrose, die meist mit nicht-steroidalen Antirheumatika behandelt wird. Solche Medikamente können starke Nebenwirkungen haben, darunter auch Blutungen im Magen-Darm-Trakt.

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