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Report: 90 Prozent der neuen Medikamente bringen keine Verbesserung

Nur 2 von 23 untersuchten Medikamenten bieten einen «relevanten therapeutischen Fortschritt» gegenüber existierenden Therapien. Das ist das Resultat einer Untersuchung in Deutschland.

Die meisten neuen Medikamente sind teurer als ältere: Ein Roboter holt im Berner Inselspital Medikamente für eine Bestellung aus den Regalen. (2. Mai 2013)
Die meisten neuen Medikamente sind teurer als ältere: Ein Roboter holt im Berner Inselspital Medikamente für eine Bestellung aus den Regalen. (2. Mai 2013)
Keystone

Nicht jedes neue Arzneimittel bedeutet einen echten medizinischen Fortschritt zum Nutzen der Patienten. Zu diesem Ergebnis kommt der von dem Bremer Gesundheitsexperten Gerd Glaeske erstellte Innovationsreport, den die Techniker Krankenkasse (TK) in Berlin vorstellte. Nur zwei von insgesamt 23 untersuchten Medikamenten, die 2010 und 2011 in Deutschland neu auf den Markt kamen, stellen demnach einen «relevanten therapeutischen Fortschritt» dar.

«Die meisten dieser neu zugelassenen Arzneimittel haben keinen zusätzlichen Nutzen für die Patienten», erklärte TK-Chef Jens Baas. Profitiert hätten lediglich die Hersteller dieser Medikamente. Die Experten untersuchten, ob für die neuen Medikamente bereits alternative Therapien zur Verfügung stehen, ob die Arzneimittel einen Zusatznutzen für die Patienten haben und wie hoch die Kosten im Vergleich zu den verfügbaren Arzneimitteln sind.

Bedeutende Mehrkosten

«Drei von vier Medikamenten, die wir unter die Lupe genommen haben, waren teurer als die bereits auf dem Markt befindlichen Präparate», erklärte Glaeske. In den allermeisten Fälle sei aber überhaupt kein zusätzlicher Nutzen für die Patienten nachgewiesen worden.

Mit dem sogenannten Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) wurde inzwischen allerdings ein Instrument zur Nutzenbewertung von Arzneimitteln geschaffen. Die in dem Report untersuchten Medikamente wurden alle im Jahr vor oder kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes zugelassen.

Strenge Zulassung in Deutschland

Neue Arzneimittel müssen seitdem auf ihren Zusatznutzen untersucht werden. Der Gemeinsame deutsche Ausschuss von Ärzten, Kassen und Krankenhäusern unterzieht das Medikament einer Nutzenbewertung. Wird ein Zusatznutzen festgestellt, verhandeln Hersteller und Kassen anschliessend über einen Rabatt auf den ursprünglich vom Hersteller festgelegten Preis. Gibt es keinen Zusatznutzen, wird das Arzneimittel in eine Festbetragsgruppe eingeordnet oder aber der Kassen-Spitzenverband handelt mit dem Hersteller einen sogenannten Erstattungsbetrag aus.

Ziel ist es, die Ausgaben der gesetzlichen Kassen für Medikamente dauerhaft zu reduzieren. Bislang wurden ausschliesslich neue Arzneimittel auf ihren Zusatznutzen untersucht. Nun sollen auch Wirkstoffe, die schon vor Inkrafttreten des Gesetzes auf dem Markt waren, in grösserem Umfang einer solchen Nutzenbewertung unterzogen werden.

AFP/rub

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