Zum Hauptinhalt springen

Noch nie haben sich so viele Europäer mit HIV infiziert

Trotz zahlreicher Präventionskampagnen registrieren Experten bei immer mehr Menschen den Aids-Erreger. Die Zahl der neuen HIV-Diagnosen hat ein Rekordhoch erreicht.

Rekordhoch in Europa, aber weniger Fälle in der Schweiz: Ein Mediziner untersucht Blutproben auf das HI-Virus. (8. Juli 2015)
Rekordhoch in Europa, aber weniger Fälle in der Schweiz: Ein Mediziner untersucht Blutproben auf das HI-Virus. (8. Juli 2015)
Gaetan Bally, Keystone

Die Anzahl Menschen, die sich mit dem HI-Virus infiziert haben, ist in Europa gestiegen. Trotz zahlreicher Präventionskampagnen registrieren Experten bei immer mehr Menschen den Aids-Erreger. Vor allem im Osten steigen die Zahlen dramatisch.

Die Zahl der neuen HIV-Diagnosen hat 2014 in Europa ein Rekordhoch erreicht. Nach einem Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sind im vergangenen Jahr 142'197 neue Ansteckungen registriert worden. 2013 waren es 136'235 Erstdiagnosen. Weltweit macht der Kampf gegen Aids dagegen Fortschritte.

Heterosexuelle Kontakte und Drogenbesteck

«Wir rufen die europäischen Länder auf, mutige Massnahmen zu ergreifen und die HIV-Epidemie ein für alle Mal zu stoppen», sagte Zsuzsanna Jakab, die Leiterin des Regionalbüros Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Bericht am Donnerstag veröffentlichte. Vor allem in den östlichen Ländern der Europäischen Region sei ein enormer Anstieg zu verzeichnen. Allein Russland meldete 85'252 neue Infektionen. In Bulgarien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei hätten sich die pro Jahr diagnostizierten Infektionen seit 2005 verdoppelt. Übertragen werde das Virus hier vor allem durch heterosexuelle Kontakte oder verunreinigtes Drogenbesteck.

In der Europäischen Union (EU) hingegen werde das Virus überwiegend bei Geschlechtskontakten unter Männern weitergegeben. «HIV-Diagnosen bei Männern, die Sex mit Männern haben, sind in einem alarmierenden Tempo gestiegen», hiess es in dem Bericht. Von 30 Prozent der Infektionen im Jahr 2005 auf 42 Prozent im Jahr 2014.

Weniger Fälle in der Schweiz

In der Schweiz meldeten im Jahr 2014 die Labors mit 519 HIV-Infektionen 10 Prozent weniger Fälle als im Vorjahr. Laut dem Bundesamt für Gesundheit gab es noch nie so wenige neue HIV-Diagnosen wie 2014. Die Zahl liegt deutlich unter dem bisherigen Tiefststand von knapp 600 Fällen im Jahr 1999. Insgesamt leben in der Schweiz zwischen 15'000 und 25'000 Menschen mit HIV und Aids.

In Deutschland wurde das Aids-Virus 2014 dem ECDC-Bericht zufolge bei 3525 Menschen festgestellt. Das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr. In Österreich, Estland, Frankreich, den Niederlanden und in Grossbritannien sind die Diagnosen in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 25 Prozent zurückgegangen.

HIV-Tests für Flüchtlinge

Obwohl die Zahl der infizierten Migranten rückläufig ist, warnt die WHO, diese Gruppe zu vernachlässigen. «Wir bei der WHO fordern alle Länder in Europa auf, HIV-Tests, Präventions- und Behandlungsangebote für alle Flüchtlinge und Migranten bereitzustellen, unabhängig von ihrem rechtlichen Status. Das ist auch der sicherste Weg, die eigene Bevölkerung vor einer HIV-Infektion zu schützen.»

Nach einem Bericht der Vereinten Nationen haben sich 2014 weltweit 2 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Diese Zahl geht jedoch stark zurück: Die Neuansteckungen sind seit 2000 um 35 Prozent gesunken. 36,9 Millionen Menschen tragen das Virus in sich. 1,2 Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an Krankheiten im Zusammenhang mit Aids.

SDA/afo

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch