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Nikotin als Hilfe gegen Schizophrenie

Mediziner in den USA haben untersucht, warum Patienten, die an Schizophrenie leiden, häufiger rauchen als Gesunde. In Tierversuchen fanden sie einen biochemischen Hinweis.

Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, völlig veränderte Verhaltensweisen, Gedanken und Sprache: Schizophrenie ist eine der schwersten psychischen Erkrankungen, die Wissenschaftlern noch immer Rätsel aufgibt – wie die Tatsache, dass schizophrene Menschen auch häufiger und stärker rauchen als gesunde Menschen. Schon im Jahr 2005 untersuchten Wissenschaftler dieses Phänomen. Skandinavische Forscher kamen zu dem Schluss, dass das Rauchen für die Patienten helfe, die negativen Symptome besser zu verarbeiten. Und Schweizer Mediziner stellten fest, dass Nikotin den Betroffenen zu einer besseren Aufmerksamkeit verhilft – und sogar das Gedächtnis verbessern kann.

Der Neurowissenschaftler Alessandro Guidotti von der University of Illinois in Chicago nahm diesen Faden auf und untersuchte, ob es sich beim Rauchen tatsächlich um eine Form von «Selbstmedikation» handelt – im biochemischen Stoffwechsel des Gehirns. Dort sorgen so genannte Neurotransmitter dafür, dass die Impulse von Nervenzellen ohne Störungen an die richtigen Zellen weitergeleitet werden. Die Gamma-Aminobuttersäure – kurz: GABA – ist bei schizophrenen Patienten in geringerer Menge vorhanden als bei gesunden Menschen. Sie haben eine hemmende Wirkung im Stoffwechsel hat, glauben Neurologen, dass die Signale der Nervenzellen allzu schnell gesendet werden und einander schliesslich überlappen könnten – ein Wirrwarr, dass Symptome wie Halluzinationen oder Angstzustände auslösen könnte.

Ausgleichende Wirkung von Nikotin bei Mäusen

Bereits in frühen Untersuchungen hatte man auf Zellen, die GABA produzieren, Rezeptoren für Nikotin gefunden: ein Hinweis, dem Guidotti nun mit Tierversuchen nachging. Mit seinen Mitarbeitern injizierte er Mäusen in Gruppen zu je sechs Tieren eine Nikotinmenge, die im Rauch von 20 bis 30 Zigaretten enthalten ist. Manche Gruppen erhielten diese Ration in konstanten Zeitintervallen, um den Effekt von starkem und regelmässigen Rauchen nachzubilden, während andere Mäuse das Nikotin in einem Dosis erhielten.

Wie sich zeigte, produzierten die Mäuse mit der stärksten Nikotinzufuhr fast 40 Prozent weniger von einem Protein mit der Bezeichnung DNMT1 – und diese massive Veränderung löste einen starken Zuwachs der Menge einer anderen Verbindung aus, die GABA produziert – also genau jenen Neurotransmitter, an dem es Schizophrenen mangelt. Guidotti und sein Team berichteten deshalb auf der Webseite des Magazins «Proceedings of the National Academiy of Sciences», dass der Zigarettenkonsum der betroffenen Menschen der Versuch sein könnte, den Stoffwechsel im Gehirn wieder in Balance zu bringen. Mit weiteren Studien wollen die Forscher nun Details dieser Vorgänge enthüllen.

Lob für nützliche Grundlagenforschung

Bei manchen Kollegen wecken diese Resultate bereits Hoffnungen auf zukünftige Behandlungsmöglichkeiten. Die Psychiatrin Francine Benes beispielsweise, die an einem Spital der Harvard University arbeitet, glaubt, dass Guidottis Studie ein wichtiger Schritt bei der Erforschung der Schizophrenie sein dürften. Verstehe man erst die molekularen Mechanismuen bei der GABA-Synthese, so die Expertin, könne man zuletzt vielleicht sogar neue und effizientere Therapien entwickeln – auf der Basis der berüchtigten Nikotin.

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