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Lieber 0 und 5 statt 2, 4, 6, 8

Zürcher Forscher haben herausgefunden, dass Westschweizer und Tessiner häufiger auf andere Ziffern auf- und abrunden als Deutschschweizer.

Matthias Bopp und David Faeh vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich analysierten die Körpergrössen, die rund 47'000 Personen bei drei nationalen Gesundheitsbefragungen angegeben hatten. Diese Zahlen verglichen sie mit Messungen an 10'000 Personen.

Wie sich zeigte, waren bei den selbst angegebenen Körperlängen einige Endziffern deutlich häufiger vertreten als bei den gemessenen Zahlen. Nicht weniger als 33 Prozent gaben eine Grösse mit den Endziffern 0 oder 5 an. Gemessen wurden jedoch, wie statistisch zu erwarten, rund 20 Prozent. Mindestens 13 Prozent der befragten Personen gaben ihre Körpergrösse demnach nicht korrekt an.

Kulturelle Differenzen bestätigt

Überraschenderweise fanden die Forscher aber auch kulturelle Rundungsunterschiede. Befragte aus der Westschweiz und dem Tessin nannten die Endziffern 0 und 5 deutlich häufiger als Deutschschweizer. 2, 4, 6 und 8 hingegen sind in der Deutschschweiz populärer.

«Uns hat vor allem erstaunt, wie gross und konsistent die Unterschiede waren», sagt Bopp. Die selben Rundungspräferenzen zeigten sich nämlich in jeder der drei Befragungen. Und die Unterschiede zwischen in der Schweiz lebenden Deutschen, Franzosen und Italienern ähnelten jenen zwischen den Schweizer Sprachgruppen sehr.

In Übereinstimmung mit dem Klischee

Die Resultate legten nahe, dass Kultur und Mentalität für die Unterschiede verantwortlich seien, sagt Bopp. Die Wohnregion spielt hingegen wohl keine Rolle: In der Deutschschweiz lebende Italiener rundeten ihre Körpergrösse genau gleich wie Tessinerinnen und Tessiner.

Wie Bopp und Faeh in einem kürzlich im Fachblatt «BMC Public Health» publizierten Artikel schrieben, könnte häufiges Runden auf 0 oder 5 als Ungenauigkeit oder Nachlässigkeit interpretiert werden. «Das würde sich decken mit dem Klischee, Deutschschweizer seien pingeliger und genauer als Romands und Tessiner», sagt Bopp.

Eher einige Zentimeter zu viel

Allerdings kann die Studie nicht nachweisen, welche Personen und Gruppen falsche Körpergrössen angaben. Unklar ist auch, ob sich die Befragten grösser oder kleiner machten. «Frühere Studien zeigten aber, dass die Leute eher den einen oder anderen Zentimeter zu viel angeben», sagt Bopp. Bekannt sei das Beispiel alter Männer, die immer noch die im Dienstbüchlein der Armee angegebene Grösse nennen würden.

Die Studie zeigt laut Bopp auch die Grenzen von Befragungen auf. Selbst gemachte Angaben müssten immer mit Vorsicht genossen werden. Die gerundeten Blutdruck-Werte etwa würden oft für Behandlungsrichtlinien herangezogen. «Hier sollte man aufpassen, dass nicht zu starre Grenzwerte festgelegt werden.»

SDA/raa

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