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Forscher lösen Rätsel um den Schwarzen Tod

Im Mittelalter raffte die Pest in wenigen Jahren ein Drittel der Menschen Europas dahin. Fachleuten fehlte der eindeutige Beweis für den Erreger der verheerenden Seuche. Bis jetzt.

Der Pest auf der Spur: Das Pestbakterium Yersinia pestis unter dem Mikroskop.
Der Pest auf der Spur: Das Pestbakterium Yersinia pestis unter dem Mikroskop.

Endlich konnten Forscher genetisch zeigen: Es gab ein Pest-Bakterium. Das Bakterium Yersinia pestis sei zweifelsfrei für die Seuche verantwortlich, berichten Forscher um den Tübinger Archäologen Johannes Krause im Fachmagazin «PNAS». Der Schwarze Tod sei somit eine Pest-Epidemie gewesen und nicht wie zuletzt angenommen ein Ebola-ähnliches Fieber.

Der Seuche waren vor rund 650 Jahren etwa 25 Millionen Menschen und damit ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer gefallen. Auf die Spur des Bakteriums kamen die Forscher, als sie das Erbgut von 109 Skeletten aus dem 14. Jahrhundert auf einem Londoner Friedhof untersuchten.

Studien auf einem Friedhof

Dabei sei ein wichtiger Teil der DNA von Yersinia pestis entziffert worden. Weil der Friedhof nur genutzt wurde, während der Schwarze Tod in Europa wütete, sei das Pest-Bakterium somit eindeutig als Auslöser der Epidemie identifiziert worden. An der Studie waren auch Wissenschaftler aus den USA, Kanada und Grossbritannien beteiligt.

Der Schwarze Tod gibt den Forschern seit Jahren Rätsel auf. Lange waren Experten davon ausgegangen, dass es sich um eine Epidemie der sogenannten Beulenpest handelte. Dabei kann es zu starken inneren Blutungen kommen, die als schwarze Flecken unter der Haut zu sehen sind – daher der Name Schwarzer Tod.

Einige Fachleute bezweifelten jedoch den Pest-Ursprung der Epidemie. Vor zehn Jahren veröffentlichten britische Forscher eine Studie, gemäss der eine Virusinfektion wie etwa Ebola den Schwarzen Tod ausgelöst haben soll. Allerdings verwiesen sie lediglich auf Beobachtungen zum Krankheitsverlauf.

Heutige Formen sind milder

Zwar wurde das Pest-Bakterium in den vergangenen Jahren schon mehrmals in mittelalterlichen Skeletten nachgewiesen. Allerdings konnten die Forscher nie belegen, dass die DNA tatsächlich von einem mittelalterlichen Pest-Bakterium stammt. Nun ist dieser Nachweis erstmals gelungen.

Die Forscher untersuchten nämlich die DNA auf Beschädigungen, die nur bei sehr altem Erbgut vorkommen. «Damit ist zweifelsfrei bewiesen, dass der heute bekannte Pesterreger Y. pestis auch Auslöser der Pest im Mittelalter war», sagte Krause.

Das mittelalterliche Pest-Bakterium sei in weiten Teilen identisch mit heutigen Pesterregern, die nach wie vor jedes Jahr weltweit rund 2000 Menschen an der Beulenpest erkranken lassen. Bislang sei allerdings noch unklar, weshalb sich die Pest im Mittelalter so rasend schnell verbreitet habe, während sich der Erreger heute – selbst ohne medizinische Behandlung – deutlich langsamer ausbreite.

SDA/bru

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