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«Er war buchstäblich ein Mann ohne Gesicht»

Dank einer Spende hat ein Amerikaner, der eine Starkstromleitung berührt hat, ein neues Gesicht erhalten. Eine Lasagne war das Erste, das der Mann nach der Operation wieder riechen konnte.

Freut sich über sein neues Gesicht: Dallas Wiens.
Freut sich über sein neues Gesicht: Dallas Wiens.
Reuters

Der erste US-Patient mit einem vollständig transplantierten Gesicht hat sich heute Montag (Ortszeit) in Boston beim Operationsteam bedankt. Er sei völlig überwältigt und glücklich. «Für mich fühlt sich das neue Gesicht ganz natürlich an, es fühlt sich an wie mein eigenes», sagte Dallas Wiens sichtlich bewegt. Seine Tochter habe ihn «attraktiv» genannt. Wiens bedankte sich auch bei der Spenderfamilie, die anonym bleiben wollte. Er werde auf ewig in ihrer Schuld stehen.

Wiens hatte eine Starkstromleitung berührt und dabei das linke Auge verloren und kann mit seinem rechten Auge Licht und Schatten kaum noch unterscheiden. Er erschien bei seinem ersten öffentlichen Auftritt mit Sonnenbrille und dunklem Bart. Seine rechte Gesichtshälfte war noch geschwollen, und beim Reden hatte er Schwierigkeiten.

Köstliche Lasagne

Dagegen versicherte er, dass sein Geruchssinn langsam wieder zurückkehre. «Das erste, was ich deutlich riechen konnte, war die Lasagne aus der Krankenhausküche», erzählte er. «Das kann sich niemand vorstellen, aber es roch einfach köstlich.»

Der junge Texaner war während seiner Arbeit auf einer Hebebühne mit der Starkstromleitung in Berührung gekommen. Er erlitt schwerste Gesichtsverbrennungen, Nase und Lippen wurden zerstört. In einer 15-stündigen Operation ersetzte ein 30-köpfiges Team des Brigham and Women's Hospital in Boston Nase, Lippen, Haut, Gesichtsmuskeln und - nerven.

«Er war buchstäblich ein Mann ohne Gesicht», sagte der Leiter des OP-Teams, Bohdan Pomahac. Einer der mitwirkenden Ärzte, Jeffrey Janis vom Parkland-Krankenhaus, sprach von einer neuen Entwicklungsstufe in der plastischen Chirurgie.

Nerven und Muskeln

In der rekonstruktiven Chirurgie sei mit der Transplantation eines ganzen Gesichts die Grenze dessen überschritten worden, was bisher machbar gewesen sei. «Das öffnet viele neue Türen und bedeutet viel Hoffnung, wo vorher vielleicht keine war.»

Nach Angaben des Chefs der Plastischen Chirurgie, Elof Eriksson, hat Wiens die drei ersten entscheidenden Phasen der Transplantation gut überstanden. Nun müssten noch die Nerven und Muskeln wieder vollständig funktionieren.

Weltpremiere in Barcelona

Vor zwei Jahren hatten Ärzte desselben Krankenhauses dem Patienten Jim Maki ein teilweise neues Gesicht eingesetzt. Maki mache laufend Fortschritte, sagte Eriksson. Die eingepflanzten Hautteile hätten beinahe wieder ein normales Empfinden.

Die erste vollständige Gesichtstransplantation der Welt wurde im spanischen Barcelona an einem als Oscar vorgestellten Patienten vorgenommen. Das Ergebnis wurde erstmals im Juli 2010 der Öffentlichkeit gezeigt. Die erste teilweise Gesichtstransplantation fand 2005 in Frankreich statt.

SDA/miw

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