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Ehec: Arzt hält kriminellen Akt für möglich

Der Ursprung der Ehec-Infektionswelle ist immer noch unbekannt. Die deutsche Regierung hat keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Ein Arzt will ein kriminelles Szenario nicht ausschliessen.

In Hamburg ermittelte die Polizei der «Bild»-Zeitung zufolge gegen zwei Grosshändler und einen Gastronomen im Zusammenhang mit der Suche nach der Ursache für die Erkrankungen. Die Zahl der vom Robert-Koch-Institut registrierten Ehec-Fälle stieg weiter: Bis am Nachmittag registrierte das RKI 1213 Fälle, 520 Patienten litten am Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS).

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Jens Teschke, erklärte in Berlin, es gebe kein Hinweise auf bioterroristische Aktivitäten. Einen kriminellen Hintergrund hält der Chefarzt für Hygiene an den Vivantes-Kliniken in Berlin, Klaus-Dieter Zastrow, für möglich. Er sagte im DAPD-Interview: «Es kann durchaus sein, dass ein Schwachkopf unterwegs ist und denkt, ich bringe mal ein paar Leute um oder verpasse 10'000 Leuten Durchfälle. Das aus dem Blickfeld zu nehmen, halte ich für einen Fehler und geradezu fahrlässig.» Einen Terroranschlag halte er allerdings für unwahrscheinlich: «Dafür wären die typischen Bekennerschreiben typisch – und die gibt es ja nicht.»

Ehec-Erreger grassiert weiter

Die Ermittlungen in Hamburg werden laut «Bild» von der Wasserschutzpolizei geführt, die für Lebensmitteldelikte zuständig ist. «Wir ermitteln wegen des Verdachts des Inverkehrbringens von gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln im Zusammenhang mit den kontaminierten Gurken», wird ein Polizeisprecher zitiert.

Der Ehec-Erreger grassiert vor allem in Norddeutschland. Besonders viele der inzwischen bundesweit rund 1500 Erkrankungsfälle sind in Hamburg, Niedersachsen und inzwischen in Nordrhein-Westfalen aufgetreten.

Ursache der Aggressivität wird untersucht

Die Bundesregierung erhielt die Warnung aufrecht, dass keine Tomaten, Gurken und Blattsalate in Norddeutschland verzehrt werden sollten. Auch die Hygiene-Empfehlungen sollten weiterhin eingehalten werden. Sprecher der Ministerien für Gesundheit und Verbraucherschutz verwiesen mehrfach darauf, dass die Verzehrempfehlung vom RKI stamme und auf eingehenden Befragungen von Erkrankten beruhe. Die Suche verschiedener Behörden nach der Quelle für die Erkrankungen laufe auf Hochtouren.

Wissenschaftler haben inzwischen das Erbgut des Erregers entschlüsselt – ein wichtiger Schritt, um Therapiemöglichkeiten zu finden. «Wir erhoffen uns im Laufe der nächsten Woche Hinweise zur Verhinderung weiterer Infektionen», sagte Dag Harmsen vom Universitätsklinikum Münster in HR-Info. Zunächst müsse geklärt werden, was den Ehec-Keim so aggressiv mache. Dazu liefen derzeit verschiedene Untersuchungen. «Wir rechnen damit, dass wir bald genügend Daten haben, um Hinweise auf die Ursache der Aggressivität dieses Klons geben zu können», sagte Harmsen.

Sorgen der Bevölkerung

Bundeskanzlerin Angela Merkel verstehe die Sorgen in der Bevölkerung sehr gut, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Sie danke allen Wissenschaftlern, Ärzten und Pflegekräften, die mit grossem persönlichen Einsatz arbeiteten.

Seibert verwies auf das Telefonat der Kanzlerin mit dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, in dem es unter anderem um die Nöte der spanischen Gemüseproduzenten gegangen sei. Beide seien sich darin einig gewesen, dass Hilfen für die Geschädigten auf der europäischen Ebene geregelt werden müssten. Die Regierung in Madrid teilte auf ihrer Webseite mit, dass Merkel bei dem Telefongespräch ihr Bedauern über den angerichteten Schaden ausgedrückt habe.

Die Hamburger Behörden, die spanische Gurken als mögliche Ursache für die Infektionen durch den Darmerreger genannt hatten, hätten allerdings in Einklang mit deutschem Recht gehandelt.

Blutvorräte im Norden knapp

Wegen der hohen Zahl der Erkrankungen am HUS werden in Norddeutschland Blutvorräte knapp. Der Blutspendedienst Nord des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) erhält inzwischen Blutplasma aus Süddeutschland, wie Sprecher Jens Lichte in Lütjensee sagte. Einen Engpass gibt es aber nicht, bundesweit sind zurzeit noch genug Vorräte vorhanden.

Die Krankenhäuser brauchen für die HUS-Patienten Blutplasma. Bei ihnen wird das mit Toxinen und Entzündungsstoffen belastete Plasma durch Spenderplasma oder Plasmaersatzmittel ausgetauscht. Versagen die Nieren dennoch, ist zusätzlich eine Dialyse nötig. Pro Plasma-Austausch wird Blutplasma von bis zu zehn Spendern benötigt, abhängig von Grösse und Gewicht des Patienten.

dapd/bru

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