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«Die Traditionelle Chinesische Medizin ist in Wirklichkeit ein Kunstprodukt»

Sinologe Paul Unschuld über Klischees und Missverständnisse, die China nutzt, um die Heilkunde im Westen zu vermarkten.

Felix Straumann
Traditionelle Medizin: Um Verspannungen im Nacken zu lösen, hängt dieser Mann seinen Kopf in einer Klinik in Shenyang im Nordosten Chinas in diese Konstruktion.
Traditionelle Medizin: Um Verspannungen im Nacken zu lösen, hängt dieser Mann seinen Kopf in einer Klinik in Shenyang im Nordosten Chinas in diese Konstruktion.
Keystone

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahrzehnten mit Originalliteratur der antiken und modernen chinesischen Medizin und gelten als profunder Kenner. Gleichzeitig kritisieren Sie die Art und Weise, mit der chinesische Institutionen versuchen, ihre Heilkunde im Westen zu verbreiten. Warum? Als Wissenschaftler kritisiere ich das nicht, ich stelle nur fest, dass die Chinesen viel Geld in die weltweite Vermarktung der sogenannten Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) investieren. Diese ist in Wirklichkeit ein Kunstprodukt, das die Kommunisten in den 50er- und 60er-Jahren kreiert haben. Damals, nach der Gründung der Volksrepublik, fragten sie sich, was sie mit dem sehr heterogenen heilkundlichen Erbe anfangen sollen. Neben einigem Interessantem und Wertvollem enthielt dieses auch viel Unsinniges, das nicht zu einer aufgeklärten sozialistischen Gesellschaft passte, die den Naturwissenschaften verpflichtet ist.

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