«Die Region Zürich hat wesentlich zum Anstieg beigetragen»

Die Organspende-Organisation Swisstransplant meldet für 2015 einen Allzeitrekord an Spenden. Direktor Franz Immer glaubt an eine nachhaltige Entwicklung.

Sichtbarer Gesinnungswandel: Bei einer Umfrage 2015 wurde die Organspende von 80 Prozent der Befragten befürwortet.

Sichtbarer Gesinnungswandel: Bei einer Umfrage 2015 wurde die Organspende von 80 Prozent der Befragten befürwortet.

(Bild: Keystone Gaetan Bally)

Felix Straumann@fstraum

Swisstransplant meldet für 2015 fast ein Viertel mehr Spender als im Vorjahr, ein Rekordwert. Wie erklären Sie sich diesen Sprung?
Es hat im vergangenen Jahr ein Gesinnungswandel stattgefunden, der diese erfreuliche Entwicklung möglich gemacht hat. Vor allem auf der Stufe der Spitäler, aber wohl auch in der Bevölkerung. Vor acht Jahren hatten wir noch 80 Spender, heute sind wir bei 143. Für die Patienten auf der Warteliste ist es ein ganz wichtiges Zeichen, dass es aufwärtsgeht.

Inwiefern hat ein Gesinnungswandel stattgefunden?
Wir arbeiten seit fünf bis sechs Jahren eng mit Intensiv- und Notfallmedizinern zusammen. In letzter Zeit merken wir, dass dies Früchte trägt. Immer mehr Spitäler fragen uns nach möglichen Organspendern. Es sind aber auch neue Spitäler hinzugekommen, die Spender melden. Zudem haben wir im vergangenen Jahr eine Umfrage machen lassen, in der überraschende 80 Prozent der Befragten die Organspende grundsätzlich befürworteten. Für die Spitäler war es wichtig zu sehen, dass die grosse Mehrheit der Bevölkerung dem Thema gegenüber positiv eingestellt ist.

2015 konnte auch der Anstieg bei der Warteliste gestoppt werden. Gab es das schon mal?
Es ist das erste Mal, seit im Jahr 2007 diese nationale Warteliste geschaffen wurde. Bislang war der Anstieg annähernd exponentiell. Wir haben uns vor zwei Jahren mit einem Aktionsplan das Ziel gesetzt, bis 2018 170 Spender jährlich zu haben. Damit könnten wir die Warteliste langfristig stabilisieren, wenn nicht abbauen.

Denken Sie, dass die aktuelle Entwicklung nachhaltig ist – oder sind Sie einfach zweckoptimistisch?
Organspende ist grundsätzlich ein seltenes Ereignis und von sehr vielen Faktoren abhängig. Deshalb sind Prognosen schwierig. Mit dem beobachteten Gesinnungswandel und der besseren Einbindung der Spitäler glaube ich jedoch ganz klar an eine Trendwende. Ob zu Recht, werden uns die nächsten Monate zeigen.

War der Anstieg der Spender bei allen Zentren in der Schweiz vergleichbar?
Vor allem die Region Zürich hat wesentlich zum schweizweiten Anstieg beigetragen. Hier wurden in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, die sich jetzt in den Zahlen niederschlagen. So haben viele Zürcher Spitäler vergangenes Jahr erstmals Spender gemeldet. Doch das Niveau von Bern, der Romandie oder dem Tessin wurde noch nicht erreicht.

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt