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«Der Körper holt sich den Schlaf nicht automatisch»

Der Zürcher Schlafforscher Christian Baumann erklärt, wie man gesund schläft und wieso ein guter Schlaf so wichtig ist.

Herr Baumann, schlafen die Schweizer genug?

Eine gute Frage. Wahrscheinlich schlafen wir im Durchschnitt eher zu wenig, wobei das natürlich nicht nur die Schweiz betrifft. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass beispielsweise junge Erwachsene um die 9 Stunden Schlaf benötigen würden für eine volle Leistungsfähigkeit, während jüngere Erhebungen in der Schweiz zeigen, dass diese Altersgruppe um die 7,5 Stunden schläft. Interessanterweise kommen einige Menschen mit diesem Mangel an Schlaf dennoch gut zurecht, während andere wiederum Folgen des Schlafmangels wie Müdigkeit oder Schläfrigkeit aufweisen.

Wann empfiehlt es sich, zu Bett zu gehen, wann soll man aufstehen?

Grundsätzlich sollte man dann ins Bett gehen, wenn man müde ist, und bestenfalls aufstehen ohne Wecker. Wenn man am Wochenende länger schläft als unter der Woche, weist dies auf einen Schlafmangel hin. Der Schlafbedarf ist von Person zu Person unterschiedlich. Längere Ferien können Hinweise auf das eigene Schlafbedürfnis geben. Es ist ausserdem darauf zu achten, dass die Bettzeiten regelmässig sind, ausserdem sollte auf die eigene innere Uhr gehört werden, wenn das möglich ist. Dieser individuelle Taktgeber kann frühere oder spätere Bettzeiten bevorzugen.

Holt sich der Körper nicht sowieso so viel Schlaf, wie er braucht?

Nein, gucken Sie sich doch mal frühmorgens im Tram um. Wenn sich Körper und Gehirn in diesem Sinne durchsetzen würden, sähen wir weniger müde Gesichter. Wir sehen in unserer Sprechstunde häufig die Tendenz, dass sich die beruflichen Herausforderungen, die sozialen Angebote und andere Interessen wie Rund-um-die-Uhr-Beschäftigungen mit Smartphones und anderen Geräten gegen das eigentliche Schlafbedürfnis durchsetzen.

Wieso ist ein gesunder Schlaf so wichtig?

Weil der Schlaf viele wichtige Funktionen hat, die wir im Übrigen noch nicht ausreichend gut verstehen. Im Schlaf werden beispielsweise Verbindungen zwischen Nervenzellen neu geordnet, Abbauprodukte aus dem Gehirn entfernt, und tagsüber Erlerntes wird verarbeitet und abgespeichert. Ohne Schlaf kein Überleben, und zu wenig Schlaf oder gestörter Schlaf führt zu verminderter Lebensqualität, verändertem Leistungsverhalten und stellt ein Risiko für verschiedene Erkrankungen dar.

Wieso schlafen Frauen mehr als Männer?

Es gibt tatsächlich Studien, die solche Unterschiede aufzeigen. Wieweit dies auf verschiedene berufliche Karrieremodelle, anderweitige soziale Verpflichtungen, hormonelle Unterschiede oder grundsätzlich verschiedene Lebenskonzepte zurückzuführen ist, muss hier offenbleiben.

Christian Baumann ist Professor für Neurologie und Leiter der Parkinson- und Schlafforschung an der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich.
Christian Baumann ist Professor für Neurologie und Leiter der Parkinson- und Schlafforschung an der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich.

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