Fettleibige Frau im TV aufgeschnitten

Die BBC zeigt die Auswirkungen von starkem Übergewicht in einer Dokumentation. Kritik und Vorwürfe folgen prompt.

Ging die BBC mit ihrer Dokumentation zu weit? Ein Ausschnitt aus «Obesity: The Post Mortem».

Ging die BBC mit ihrer Dokumentation zu weit? Ein Ausschnitt aus «Obesity: The Post Mortem».

(Bild: Screenshot Youtube/Transpalent)

Bis 2035 werden rund 75 Prozent der britischen Bevölkerung übergewichtig sein. England steht vor einer Fettleibigkeit-Epidemie: Dies besagt eine Studie von Cancer Research UK und UK Health Forum. Vor einer Woche entschied das staatliche Gesundheitssystem Grossbritanniens, der National Health Service (NHS), Personen mit einem Body Mass Index (BMI) von 30 oder mehr Routineoperationen zu verweigern. Das britische Fernsehen versuchte nun, seinen Teil zur Prävention von Fettsucht beizutragen.

In der als Bildungsfernsehen deklarierten BBC3-Sendung «Obesity: The Post Mortem» (dt.: «Fettsucht: Die Obduktion») wird daher nicht um den heissen Brei herumgeredet. Sondern dem Zuschauer vor Augen geführt, welche gesundheitsschädigenden Auswirkungen Fettleibigkeit nach sich ziehen kann. Und wie diese genau aussehen, wie die Macherselber die Sendung beschreiben: «Wir wissen alle, wie Fett von aussen aussieht. Aber wie sieht der Schaden aus, den Fettsucht unter der Haut anrichtet? ‹The Post Mortem› deckt auf, wie gefährlich zu viel Fett ist.» Zur Veranschaulichung dient die einstündige Autopsie einer übergewichtigen, toten Frau.

Das Problem der fetten Frau

Auf die Sendung folgte Kritik über die Art, wie die Thematik von Fettsucht angesprochen wurde. Einerseits wird Unverständnis darüber laut, wieso eine übergewichtige Frau und kein Mann obduziert wurde, sowie jemand aus Übersee und nicht aus England selber.

Während der Sendung wurde zudem nur ein Mann zum Thema interviewt. «Es wird vorausgesetzt, dass Frauen dekorativ sind und so wenig Platz wie nötig in der Welt einnehmen. Fette Frauen brechen beide Regeln», so das Verdikt der englischen Online-Zeitung «The Independent».

Fat-Shaming bis in den Tod

Zusätzlich zur Feminismus-Perspektive stört man sich am «Fat-Shaming», das mit der Dokumentation betrieben wird. «Sogar im Tod ist man nicht sicher vor grausamem Fat-Shaming» empört sich «The Guardian». «Diese Autopsie (...) ist ein Fat-Shaming-Spektakel», so auch das britische Magazin «New Statesman».

Sprüche sollen respektlos sein

Das die Obduktion vollziehende Ärzteteam soll zudem ungenügend Respekt für die vor ihnen liegende tote Frau gezeigt haben. So ruft die Pathologin Carla Valentine beim ersten Schnitt aus: «So viel Fett!» und gleich weiter «Das fühlt sich wie Butter an.» Ihr Kollege Mike Osborn seinerseits vergleicht die Konsistenz der Leber mit einer «Pastete».

Über die Frau wird wenig bekanntgegeben. Sie war in ihren Sechzigern, aus Kalifornien und circa 108 Kilogramm schwer. Ausserdem starb sie an den Folgen einer Herzerkrankung. Es wird betont, dass sie ihren Körper vor ihrem Tod der Medizin vermacht hat. Trotzdem darf angezweifelt werden, dass ihr dabei bewusst war, dass ihrer Autopsie ein Millionenpublikum beiwohnen und ihr Äusseres – respektive ihr Inneres – beurteilt würde.

sep

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