Schweizer Forscher auf der Jagd nach dem tödlichen Parasiten

Zwei Schweizer Forscher wurden von einer amerikanischen Stiftung beauftragt, eine gefährliche Tropenkrankheit zu eliminieren. Dafür erhalten sie eine Million Dollar. Ihr Projekt ist ehrgeizig.

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Chantal Hebeisen

Zwei Schweizer Forscher erhalten von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) für ihr Projekt zur Parasitenbekämpfung eine Million US-Dollar. Der Basler Parasitologe Reto Brun vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut forscht gemeinsam mit der Berner Molekularbiologin Isabel Roditi an einer neuen Methode, um den sogenannten Trypanosomen-Parasiten zu eliminieren.

Dieser Parasit, der in den ländlichen Gegenden Afrikas vorkommt, wird von der Tsetsefliege auf den Menschen übertragen und löst bei ihm die Afrikanische Schlafkrankheit aus (siehe Box). Bis anhin wurde diese tödlich verlaufende Krankheit mit Medikamenten behandelt, die den Parasiten vergiften. Da diese Medikamente aber starke Nebenwirkungen haben, die mitunter auch zum Tod des Patienten führen können, oder die Behandlung nicht immer wirkt, suchen die beiden Schweizer Wissenschaftler nun nach einer neuen Behandlungsmethode.

Parasit soll den Schutzpanzer ablegen, damit er abstirbt

Der Parasit soll dabei in eine Art Sackgasse geleitet werden. Die Trypanosomen- Parasiten durchlaufen während ihres Lebenszyklus verschiedene Entwicklungsformen. Sobald der Einzeller ins menschliche Blut gelangt, legt er sich einen Schutzmantel aus Glykoprotein, einem Zuckereiweiss, zu. Damit schützt er sich vor dem menschlichen Immunsystem, das den Parasiten so nicht bekämpfen kann. Wird dieser parasitenbefallene Mensch dann erneut von einer Tsetsefliege gestochen, nimmt die Fliege die Trypanosomen erneut in ihren Organismus auf. Im Darm der Tsetsefliege legt der Parasit die Schutzhülle dann ab, weil er dort nicht von einem Immunsystem bekämpft wird. Vom Darm der Fliege gelangt der Einzeller in den Speichel, wo er wieder auf einen warmblütigen Wirt, zum Beispiel einen Menschen, übertragen wird. Der Einzeller ist so in einem ewigen Kreislauf und stirbt nie ab.

Die beiden Schweizer Wissenschaftler wollen nun eine Methode finden, wie sie den Parasiten dazu bringen können, den Schutzmantel im menschlichen Organismus abzulegen. Der Parasit würde dann sterben und der Mensch wieder gesund. Für die Forschungen haben Brun und Roditi die Parasiten genetisch verändert und mit einem Marker versehen. Diesen präparierten Parasiten wollen sie dann 100'000 synthetischen und natürlichen Substanzen aussetzen, die den Schutzmantel knacken sollen. Sobald der Trypanosomen-Parasit den Schutzmantel ablegt, wird dies im Parasiten zuvor angebrachten Marker angezeigt.

Tests an Mäusen sollen den endgültigen Beweis erbringen

«Bisher haben wir noch keine Ahnung, auf welche der 100'000 Substanzen der Parasit reagieren wird,» sagt Reto Brun gegenüber baz.ch/Newsnet. Dies sei nun in den Tests herauszufinden. «Wir vermuten, dass aus den Tests, die rund eine Viertelmillion Franken kosten werden, genügend verwertbare Ergebnisse resultieren», gibt sich der Basler zuversichtlich. Brun vermutet, dass am Ende mit 200 bis 300 Substanzen der Schutzmantel des Parasiten geknackt werden kann.

In weiteren Tests müssen er und Roditi dann beweisen, dass die Parasiten mit diesen ausgewählten Substanzen tatsächlich getötet werden können. Bei einem weiteren Schritt werden die Substanzen dann an zuvor mit Trypanosomen-Parasiten infizierten Mäusen erprobt. Ziel sei es, ein neues und besseres Medikament als das bereits bestehende zu entwickeln. In diesem Medikament wird dann schlussendlich die Substanz zu finden sein, die den Eiweissmantel am zuverlässigsten zum Verschwinden bringt.

Kreative Lösungen für weltweite Gesundheitsprobleme gesucht

Die Tests am Trypanosomen-Parasiten gelten als Modellversuch. Mit den Erkenntnissen aus dieser Anlage hoffen die Forscher, auch andere Tropenkrankheiten wie die Chagas-Krankheit, die Leishmaniose (siehe Box) oder gewisse Wurmkrankheiten bekämpfen zu können.

Die Bill & Melinda Gates Foundation sucht seit 2008 im Grand-Challenges-Explorations-Programm nach unorthodoxen und kreativen Ideen zur Lösung von grossen globalen Gesundheitsproblemen. Tausende von Ideen seien eingereicht worden, und weltweit bisher rund 600 Projekte mit je 100'000 Dollar unterstützt worden, schreibt das Schweizer Tropen- und Public-Health-Institut in seiner Pressemitteilung. Die Forschungen von Brun und Roditi sind als eines von 32 Vorhaben ausgewählt worden. Die beiden erhalten nun eine weiterführende Unterstützung von einer Million Dollar.

baz.ch/Newsnet

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