Psychiater: Mehr Ferien sind kein Rezept gegen Burn-out

Video

Immer mehr Burn-out-Patienten werden in psychiatrischen Kliniken behandelt. Ein Burn-out-Spezialist gibt Einblick in die Behandlung.

«Unsere Burn-out-Patienten sind schwer erkrankt»: Burn-out-Fachmann Prof. Dr. Dr. Martin E. Keck.
Jan Derrer@JanDerrer

Mit dem Spruch «Timeout statt Burnout» wirbt die Volksinitiative «6 Wochen Ferien für alle». Prof. Dr. Dr. Martin E. Keck zeigt sich im Videointerview mit baz.ch/Newsnet skeptisch. «Prinzipiell könnte das eine gute Idee sein», meint er. «Aber ich befürchte, dass die Betroffenen oder Gefährdeten davon gar nicht profitieren würden. Es kommt eher darauf an, allgemeine Grundhaltungen und die tägliche Arbeitsweise zu überprüfen.»

Keck ist ärztlicher Direktor an der psychiatrischen Privatklinik Clienia Schlössli in Oetwil am See. Er behandelt Burn-out-Patienten mit einer Therapie, die auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten wird (siehe Video). Dabei arbeitet er mit deutschen und schweizerischen Universitäten zusammen. Zudem ist er Forschungsgruppenleiter am Zentrum für Neurowissenschaften Zürich der Universität und ETH.

Immer mehr Burn-out-Patienten

Seit 2006 nimmt die Zahl der Burn-out-Patienten an Kecks Klinik jährlich um sechs bis zehn Prozent zu. «2011 hatten wir um die 150 Burn-out-Patienten, privat- und allgemeinversicherte. Viele leiden bereits an Depressionen oder helfen sich mit Kokain oder Alkohol.» Betroffen sind alle Berufsgruppen und auch Hausfrauen. «Soziale Berufe haben ein höheres Risiko. Männer und Frauen sind nahezu gleich betroffen. Das Endstadium Depression sehen wir jedoch häufiger bei Frauen.»

Für Keck ist die Zunahme der Stressfolgeerkrankungen bedenklich. Er verweist auf die Stress-Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) : «12% der Arbeitnehmer geben an, den Stress am Arbeitsplatz nicht mehr bewältigen zu können. 87% geben an, dass der Stress sehr gross sei. Dies ist als Risikofaktor natürlich enorm. Insgesamt gehören die Stressfolgeerkrankungen wie Burn-out, Depressionen und Angsterkrankungen zu den teuersten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. 7% aller Erwerbstätigen sind betroffen.»

baz.ch/Newsnet

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