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Was Nationalfeiertage über die Länder verraten

In der Schweiz knallt und glüht es, in Grönland scheint die Sonne und in Grossbritannien geschieht gar nichts – eine Sittenschau.

Die Schweiz feiert mit Bratwurst und Feuer den Rütlischwur.
Die Schweiz feiert mit Bratwurst und Feuer den Rütlischwur.
Keystone
Die Portugiesen feiern gleich dreimal. Am 25. April die Nelkenrevolution von 1974.
Die Portugiesen feiern gleich dreimal. Am 25. April die Nelkenrevolution von 1974.
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Eigentlich ist den Aboriginies am Nationalfeiertag  nicht zum Feiern zu Mute: Sie nennen ihn «Tag der Invasion».
Eigentlich ist den Aboriginies am Nationalfeiertag nicht zum Feiern zu Mute: Sie nennen ihn «Tag der Invasion».
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Funken und Bratwurst: Schweiz, 1. August

Kein 1. August ohne Funken: Wenn sich die Schweizer auf der Allmend versammeln, im Schein des 1.-August-Funkens einer Rede lauschen, im Stehen eine Bratwurst verdrücken und es nachher richtig knallen lassen, erinnert das an ein kleines gallisches Dorf zur Römerzeit. So fühlt sich die Nation manchmal auch. Der 1.-August-Funke ist das perfekte Symbol berglerischen Widerstandsgeistes, verboten wird er nur bei hoher Waldbrandgefahr. Das Feuer gibt der Feier aber auch eine sinnliche Note, die jedem Kind im Gedächtnis bleibt. Der Gedenktag selber erinnert an die Versiegelung des Bundesbriefs von 1291, in dem sich die Bergler aus Uri, Schwyz und Unterwalden Beistand gegen die habsburgischen Landvögte schworen. Historisch ist das Datum eher fragwürdig. Doch 1891 schien Anlass und Datum dem damaligen Bundesrat gut genug, um den Schweizern ein Nationalgefühl geben zu können in einem Land, das noch geprägt war vom Kulturkampf zwischen katholischen und reformierten Kantonen, aber auch zwischen Westschweiz und Ostschweiz. Gar erst 1994 wurde der 1. August zum bezahlten Feiertag für alle – dies auf gut schweizerische Art mittels Volksinitiative. (mma)

Eine rationale Entscheidung: Deutschland, 3. Oktober

Ein prächtiges Feuerwerk über dem Brandenburger Tor, bewegende Reden von Staatschefs aus aller Welt und begeisterte Massen, die den Fall von 1000 Dominosteinen entlang der ehemaligen Ost-West-Grenze bejubeln: So ausgelassen feierte Berlin im vergangenen Jahr das 20-Jahr-Jubiläum des Mauerfalls von 1989 – bis heute ein Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands und der Welt. Weit weniger euphorisch begeht man den seit 1990 offiziellen «Tag der Einheit» am 3. Oktober: Ansprachen von Politikern, Gottesdienste und einige Marktstände in den Landeshauptstädten. Am Tag der staatsrechtlichen Vereinigung von DDR und Bundesrepublik will keine rechte Feierlaune aufkommen. Der Tag des Mauerfalls am 9. November kam nicht infrage als höchster Staatsfeiertag, weil an diesem Datum 1923 Hitler gewaltsam versuchte, die Macht zu ergreifen. Auch die Reichskristallnacht – bei der 1938 das nationalsozialistische Regime jüdische Einrichtungen systematisch zerstörte – fiel auf einen 9. November. (kle)

Grün, Grün und wieder Grün: Irland, 17. März

Grüne Haare, grünes Bier und sogar ein grün gefärbter Fluss in Chicago – das ist ganz normal am St. Patrick’s Day. Der Todestag des irischen Schutzpatrons wird ausgelassen und feucht-fröhlich gefeiert – von Iren im Ausland sogar noch heftiger als daheim in Dublin. Die grösste Parade findet jedes Jahr in New York statt, wo auch das Empire State Building im grünen Licht erstrahlt. Historisch belegte Daten zum Leben des heiligen Patrick gibt es wenige. Der Legende nach war er ein christlicher Missionar im 5. Jahrhundert, der die Iren vom Heidentum bekehrte und dazu Kirchen, Schulen und Klöster gründete. Vorher nur religiös bedacht, ist der 17. März seit 1903 auch gesetzlicher Feiertag. Die Farbe Grün rührt dabei vom Nationalsymbol des Kleeblatts her, welches St. Patrick als Zeichen der christlichen Dreifaltigkeit getragen haben soll. (kle)

Feiertag vs. «Invasions Day»: Australien, 26. Januar

Menschen mit blau angemalter Haut säumen am 26. Januar zu Tausenden die Strassen und sehen begeistert zu, wenn überall im Land die australische Flagge gehisst wird. Ein Kontinent feiert sich. Anlass zur Party am 26. Januar ist die Ankunft der ersten weissen Siedler im Jahr 1788 und damit die Besiedlung des Kontinents durch Europäer. Vor allem die australischen Ureinwohner sehen darin keinen Grund zur Freude: Sie nennen diesen Tag auch «Invasion Day», da er den Untergang der Aborigines-Kultur besiegelte. (kle)

Mittsommernacht: Grönland, 21. Juni

«Ullortuneq» – «Der längste Tag». So nennen die Inuit den 21. Juni. Es ist der Tag, der auch unter dem Namen Mittsommer bekannt ist und an dem es am Polarkreis die ganze Nacht hell bleibt. Grund genug für die Bewohner Grönlands, diesen Tag zum Nationalfeiertag zu erklären. Es wird gesungen, getanzt und gemeinsam unter freiem Himmel gegessen. Die Inuit feiern ihre Kultur und eine Nation, die trotz autonomer Verwaltung offiziell immer noch dem Königreich Dänemark angehört. (kle)

Das Empire kommt ohne aus: Grossbritannien

Es gibt kaum einen Staat, der keinen Nationalfeiertag begeht. Grossbritannien jedoch ist so einer. Zwar hat jedes Land des Vereinigten Königreichs einen eigenen Tag, der dem jeweiligen Schutzheiligen gewidmet ist, aber einen gemeinsamen Nationalfeiertag gibt es nicht. Der ehemalige Premier Gordon Brown wollte vor drei Jahren zwecks Stärkung der nationalen Identität einen solchen einführen, doch das Projekt wurde wieder still begraben. Das Königreich hat einen solchen Tag wahrscheinlich einfach nicht nötig. Es gibt ja den Union Jack, die Flagge, und natürlich die Royals, das Königshaus: Der Geburtstag von Königin Elisabeth wird denn auch mit Paraden und Gottesdiensten gefeiert; dies zwar nicht an ihrem eigentlichen Geburtstag, dem 21. April, sondern jeweils am zweiten Samstag im Juni – dann ist das Wetter in der Regel besser. (mma)

Der Staat bittet zum Tanz: Frankreich, 14. Juli

Frankreich ist am Quatorze Juillet das, was es immer zu sein glaubt: La Grande Nation. Mit der Militärparade aller Waffengattungen, inklusive der berüchtigten Fremdenlegionäre, werden auf den Champs-Elysées Macht und Landesstolz demonstriert, die Kampfflieger der Patrouille de France donnern über die Dächer von Paris. Jedes Dorf, jedes Städtchen gibt einen Anlass mit Essen, Musik und Tanz. Weit verbreitet sind die «Bals des pompiers», die Feuerwehrbälle. Reden werden keine gehalten, das bleibt Paris vorbehalten. Der Tag erinnert an den Sturm auf die Bastille 1789, als bewaffnete Bürger ein königliches Gefängnis erstürmten – der Beginn der Französischen Revolution. Gefeiert wird jedoch erst seit 1880, als Frankreich sich nach weiteren Revolutionen und Gegenrevolutionen endgültig vom Kaiserreich Napoleons verabschiedete und in der Dritten Republik verfestigte. Was fehlten, waren Symbole: Der Nationalfeiertag, die Marseillaise, die Trikolore, der Wahlspruch Liberté, Egalité, Fraternité – alle wurden in dieser Zeit etabliert. (mma)

Von Nelken und Dichtern: Portugal, 25. April, 10. Juni und 5. Oktober

Wichtiger als die Nationalfeiertage sind in Portugal die religiösen Festtage, in Lissabon etwa der 13. Juni, der Tag des heiligen Antonius. Die Nationalfeiertage dagegen sind gouvernemental gefärbt. Sie spiegeln die bewegte Geschichte Portugals. Der 25. April erinnert an die Nelkenrevolution von 1974, die zum Sturz der Diktatur führte, die seit der Machtübernahme von Antonio de Olivieira Salazar geherrscht hatte. Der 10. Juni ist der Tag Portugals und des Nationaldichters Luis de Camoes (ca. 1524–1580), der die portugiesischen Entdecker besungen hatte. Dessen nationalistische Symbolik wurde von Salazar ausgeschlachtet, trotzdem konnte sich der Feiertag in die Republik hinüberretten. Der 5. Oktober erinnert an die Gründung der ersten Republik 1910. Er wird im Jubiläumsjahr 2010 mit viel Pomp gefeiert – mit gouvernementalem Pomp natürlich. (mma)

Barbecue und Sternenbanner: USA, 4. Juli

Picknick im Park, ein Hot-Dog-Wettessen und das Sternenbanner am Auto – am Unabhängigkeitstag leben die US-Amerikaner ihren Way of Life ohne Hemmungen aus. Am 4. Juli manifestiert sich aber auch das Selbstverständnis der Amerikaner als Volk von Einwanderern. Es ist der einzige Tag, den alle Amerikaner verschiedenster Herkunft gemeinsam feiern, sogar die meisten Geschäfte und Ämter bleiben geschlossen. Der Tag erinnert an die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1776, als sich die Anführer der 13 ursprünglichen Staaten von der britischen Krone lossagten. Doch erst im Jahr 1870 erklärte der amerikanische Kongress den Tag zum nationalen Feiertag – in einer schwierigen Zeit, als die Wunden des Sezessionskrieges noch bluteten und der Zentralstaat bemüht war, die Nation wieder zu vereinen. (mma)

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