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Vom Elektriker zum Staatspräsiden

30 Jahre ist es her, seit Lech Walesa mit der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc den Weg in die Freiheit für Osteuropa ebnete.

Ein schnauzbärtiger Elektriker: Lech Walesa war der polnische Kommandoführer der Gewerkschaft Solidarnosc und später Präsident von Polen.
Ein schnauzbärtiger Elektriker: Lech Walesa war der polnische Kommandoführer der Gewerkschaft Solidarnosc und später Präsident von Polen.
Keystone
Symbolischer Akt: Von einem unbekannten Solidarnosc-Mitglied erhält Lech Walesa einen überdimensionalen Kugelschreiber. Damit wird er vier Tage später ein Abkommen mit der kommunistischen Staatsmacht unterzeichnen.
Symbolischer Akt: Von einem unbekannten Solidarnosc-Mitglied erhält Lech Walesa einen überdimensionalen Kugelschreiber. Damit wird er vier Tage später ein Abkommen mit der kommunistischen Staatsmacht unterzeichnen.
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Eine neue Ära: Lech Walesa bei seiner Vereidigung zum Staatspräsidenten von Polen. Fünf Jahre wird er ab diesem Tag dieses Amt bekleiden.
Eine neue Ära: Lech Walesa bei seiner Vereidigung zum Staatspräsidenten von Polen. Fünf Jahre wird er ab diesem Tag dieses Amt bekleiden.
Keystone
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Die Gestalt des schnauzbärtigen Elektrikers Lech Walesa hat vor 30 Jahren die Ereignisse in Polen rund um die Gewerkschaft «Solidarnosc» geprägt. Und die seines Gegenpols, General Wojciech Jaruzelski. Später folgte Walesa auf Jaruzelski als Präsident Polens.

Walesa unterzeichnete am 31. August 1980 mit einem überdimensionalen Kugelschreiber nach mehr als zwei Wochen Streik ein Abkommen mit der kommunistischen Staatsmacht. «Wir haben alles erreicht, was sich in dieser Situation erreichen liess», sagte der damals 37-Jährige selbstbewusst nach der Einigung auf der Lenin-Werft in Danzig. Das entscheidende Zugeständnis, das er und seine Kampfgefährten der Partei- und Staatsführung abgerungen hatten, war das Recht auf eine eigene, unabhängige Arbeitervertretung.

In die Gewerkschaft «Solidarnosc» (Solidarität), die kurz darauf gegründet wurde, traten innerhalb von wenigen Monaten zehn Millionen Menschen ein - ein Drittel der erwachsenen Bürger Polens. Erstmals wurde damit der Alleinvertretungsanspruch der herrschenden Kommunisten infrage gestellt, ihr Machtmonopol gebrochen. Der Zerfall des Sowjetimperiums hatte begonnen. Neun Jahre später fiel die Berliner Mauer, Mittel- und Osteuropa wurden frei.

Von Danzig aufs ganze Land

Der Streik war in seinen Anfängen am 14. August zögerlich, bis Walesa auftrat und das Kommando übernahm. Ab dann war von Nachgeben keine Rede mehr.

Die anfänglichen Forderungen klangen bescheiden: Wiedereinstellung der entlassenen Kranführerin Anna Walentynowicz, eine Lohnerhöhung sowie die Errichtung eines Denkmals für die im Jahr 1970 erschossenen Arbeiter.

18 Tage lang erlebten die Streikenden ein Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffen und Bangen - sie lebten in Angst vor einem Eingreifen der Sicherheitskräfte. Vor zehn Jahren waren doch die Arbeiterproteste in Danzig und Gdynia blutig niedergeschlagen worden.

DDR schliesst Grenzen zu Polen

Der Funke des Protestes sprang bald nach Beginn des Streiks von der Danziger Werft auf die anderen Städte an der Ostseeküste über, verbreitete sich schliesslich im ganzen Land. Ende August streikten bereits eine Million Menschen in mehreren hundert Betrieben für Brot und Freiheit. Die Werft in Danzig wurde zur Machtzentrale landesweiter Proteste.

Mit ihrem Fachwissen und politischer Erfahrung unterstützten katholische und linke Intellektuelle, unter anderem Tadeusz Mazowiecki und Bronislaw Geremek, die Streikenden. Als ihre moralische Stütze galt der polnische Papst in Rom, Johannes Paul II., der zwei Jahre zuvor das höchste Kirchenamt im Vatikan übernommen hatte.

Die sozialistischen «Bruderstaaten» reagierten auf die Ereignisse im Nachbarland mit Entsetzen. Das SED-Organ «Neues Deutschland» und die sowjetische «Prawda» richteten scharfe Angriffe gegen die «antisozialistischen Elemente» und warnten vor der Konterrevolution. Die DDR-Führung machte die Grenze zu Polen aus Angst vor dem polnischen Rebellionsbazillus dicht.

Kriegszustand in Polen

Die Hoffnung auf den «Sozialismus mit menschlichem Antlitz», die nach dem gewonnenen Streik viele Polen teilten, endete abrupt im Dezember 1981 mit der Verhängung des Kriegsrechts. Polens Partei- und Staatschef General Wojciech Jaruzelski schickte gegen die Arbeiter Soldaten und Panzer, um «Solidarnosc» zu zerschlagen.

Tausende Gewerkschafter, darunter Walesa, wurden interniert, Dutzende starben bei Zusammenstössen mit der Polizei. Erst Ende der 80er Jahre kam es zum Dialog, auch unter dem Druck der desolaten Wirtschaftslage.

Im Einklang mit dem Wandel in ganz Osteuropa kam es auch in Polen zum Umbruch. Walesa, der 1983 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, gewann im Dezember 1990 die Präsidentenwahl.

SDA/cra

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