«Ich konnte mit dieser Grossmetzgerei nie viel anfangen»

Der Literaturwissenschaftler Peter von Matt äussert sich zum Streit über die Deutung von Marignano und Morgarten. Er vergleicht den Ton der Rechten mit dem Auftreten der Linken in den 70ern.

«Spektakuläre geschichtliche Ereignisse haben ein hohes Begeisterungspotenzial»: Peter von Matt.

«Spektakuläre geschichtliche Ereignisse haben ein hohes Begeisterungspotenzial»: Peter von Matt.

(Bild: Keystone)

Literaturwissenschaftler Peter von Matt schaltet sich in den Streit um die Deutung der Schweizer Geschichte ein: Ob nationale Ereignisse wie die Schlachten von Marignano und Morgarten, aber auch Mythen wie Wilhelm Tell und der Rütlischwur ins Märchenbuch oder zur politischen Realität gehören, sei nicht die Frage. «Dass die Kinder diese Geschichten kennen, ist wichtiger als die Wahrheitsfrage», sagt er im Interview mit der «SonntagsZeitung».

Dass die Tell-Geschichte historisch nicht haltbar sei, «ist belanglos». Christoph Blochers Engagement in der Debatte überrascht ihn nicht: «Er will Macht, wie alle Politiker. Und er ist überzeugt, dass ihm bestimmte Überlieferungen und Legenden dabei helfen. Spektakuläre geschichtliche Ereignisse haben ein hohes Begeisterungspotenzial. Das will er nutzen. Aber das Begeisterungspotenzial ist auch immer von der Gegenwart abhängig. Helden können veralten. Deshalb wird das laufende Jahr so kurzweilig.»

Lautstark wie einst die Linke

Die «Fraktion der Kuhglocken und Edelweisshemden» würde heute so lautstarkt operieren wie die Linke in den Siebzigern mit ihrem «tollen Mythenvorrat vom bärtigen Marx bis zum coolen Che Guevara».

Über die Schlacht von Marignano sagt von Matt, er könne «mit dieser Grossmetzgerei nie viel anfangen. Sie spielte in der Geistigen Landesverteidigung eine wichtige Rolle, als die verlorenen Schlachten, wie etwa auch St. Jakob an der Birs, stärker gefeiert wurden als die gewonnenen, weil man wusste, was bei einem deutschen Angriff passieren würde.»

kpn

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