Neues Enthüllungsbuch zum Kennedy-Mord

Ein Kuba-Experte und Ex-CIA-Mitarbeiter behauptet: Fidel Castro soll vom geplanten Kennedy-Attentat gewusst haben.

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Nina Merli@nmerli

Als Brian Latell 1964, damals ein junger Mann und ambitionierter CIA-Beamter, von seinem Chef an den Kuba-Desk gesetzt wurde, hatte er während Jahren vor allem eine Person auf seinem Radar: den Máximo Líder Fidel Castro (siehe Video). Heute beschäftigt er sich immer noch mit Kuba, allerdings als Dozent am Institute for Cuban and Cuban-American Studies (ICCAS) der University of Miami.

Latell, der bereits vor einigen Jahren ein Buch über das rund 50-jährige Regime des kommunistischen Führers Fidel Castro und vor allem über die Beziehung zu seinem Bruder Raúl Castro verfasst hat («After Fidel»), soll kommenden Monat erneut Insiderinformationen über den umstrittenen Máximo Líder veröffentlichen.

Castro vorab über Attentat informiert

In seinem Buch «Castro's Secrets: The CIA and Cubas Intelligence Machine» schreibt der Kuba-Experte, dass Fidel Castro vom Anschlag auf den damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy gewusst haben soll. Dabei soll kein anderer als der Täter höchstpersönlich, Lee Harvey Oswald, den kubanischen Nachrichtendienst über seine Mordpläne informiert haben. So soll Oswald, ein bekennender Marxist, im Oktober 1963 in der kubanischen Botschaft in Mexico City (die von der CIA konstant bewacht wurde), als man ihm ein Reisevisum verweigerte, ausgerufen haben, dass er Kennedy töten werde, um seine «kommunistische Ergebenheit zu beweisen».

Laut Brian Latell soll Fidel Castro umgehend darüber informiert worden sein. Seine These belegt der Autor mit Interviews, die er mit verschiedenen kubanischen Spionen geführt hat, und einer Menge Material (geheime Dokumente und Tonbänder), das er im Laufe seiner langjährigen Castro-Recherchen angesammelt hat.

Brisantes Material

In einem Interview mit der US-Tageszeitung «Miami Herald» betont der Autor allerdings, dass er die These nicht vertritt, wonach Oswald im Auftrag des kubanischen Geheimdienstes gehandelt habe. Sein Buch basiere nicht auf Spekulationen, «alles, was ich schreibe, lässt sich mit Dokumenten und Aufnahmen belegen». Er behaupte lediglich, Fidel Castro sei über Oswalds Absicht, den US-Präsidenten ermorden zu wollen, informiert gewesen, und «er hat nichts getan, um den Angriff zu verhindern».

Vom kubanischen Überläufer Florentino Aspillaga hat Brian Latell während eines Interviews folgende Information erhalten: Am Tag des Attentats, am 22. November 1963, habe ihm sein Chef (auf Geheiss Castros) den Befehl gegeben, für einen Tag die CIA vom Radar zu nehmen (also keine CIA-Funkverbindungen abzuhören) und sich stattdessen auf «jedes erdenkliche Detail aus Texas zu konzentrieren». Der überraschte Aspillaga tat wie ihm geheissen, und keine drei Stunden später konnte der damals für den kubanischen Nachrichtendienst tätige junge Mann ein «Detail» rapportieren, das die ganze Welt in Trauer versetzen sollte: Der US-Präsident John F. Kennedy war in Dallas erschossen worden.

baz.ch/Newsnet

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