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Zinswende kommt wohl frühestens im nächsten Sommer Von Julian Witschi, SDA Vorausbericht

Der Leitzins in der Schweiz bleibt nach einhelliger Meinung von Ökonomen auch zum Start ins 2011 auf dem Rekordtief nahe Null.

Frankenstärke und Euro-Schuldenkrise sprechen noch gegen eine Zinswende, auch wenn sich Anzeichen für ein Ende der Tiefzinsphase mehren. So haben beispielsweise die Kantonalbanken von Basel, Glarus und St. Gallen in den letzten Wochen die Zinsen für Kassenobligationen mit längeren Laufzeiten erhöht. Auch der Zins für 10-jährige Staatsanleihen der Eidgenossenschaft ist seit August von gut 1 Prozent auf rund 1,65 Prozent gestiegen. Von der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF befragte 21 Ökonomen erwarten bis in zwölf Monaten im Schnitt einen Anstieg dieses wichtigen Referenzzinses auf 2,1 Prozent. Zudem weiten die Banken ihre Hypothekarvergabe zu tiefen Zinsen weiterhin stark aus. In gewissen Regionen befürchteten Experten eine Blasenbildung. Laut KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm sieht es derzeit aber so aus, dass die Banken die Wohnbaukredite weiterhin vernünftig vergeben und die Immobilienpreise nicht überschiessen. Sturm und andere Ökonomen rechnen nicht damit, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag ihre Politik des billigen Geldes ändert und den Leitzins erhöht. Sie könnte aber gewissen Banken damit drohen, das Wachstum der Hypothekenvergabe zu limitieren oder höhere Reserven zu verlangen, sagte Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, auf Anfrage. Konjunkturelle Unsicherheit gross Entscheidend für die Geldpolitik der SNB ist die Preisstabilität. Und die Teuerung ist sehr tief, was nicht zuletzt am starken Franken liegt, der die Preise für Euro- und Dollar-Produkte drückt. Umgekehrt belastet die Frankenstärke die Exportwirtschaft, deren Margen bereits gesunken sind. Die Schuldenkrise einiger Euro-Staaten sorgt für weitere Unsicherheit. Tiefe Zinsen zur Stützung der Kreditnachfrage und damit des Wirtschaftswachstums sind daher willkommen. Julius-Bär-Ökonom Acket verweist darauf, dass die SNB im September ihre Teuerungsprognose hinausgezögert habe. Sie sah die Preisstabilität nicht mehr im zweiten Quartal 2012, sondern erst im zweiten Quartal 2013 gefährdet. «Ansonsten hätte sie bis Ende dieses Jahres die Zinszügel anziehen müssen, da sich ihre Interventionen erst nach 1,5 bis 2 Jahren auswirken», sagte Acket. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters konnte sich keiner der 37 beteiligten Bankexperten vorstellen, dass die SNB ihren derzeit auf 0,25 Prozent lautenden Leitzins, den Dreimonats- Libor, bereits am Donnerstag erhöht. Damit geht die Tiefstzinspolitik voraussichtlich ins achte Quartal, seit die SNB im Zuge der Finanzkrise den Dreimonats-Libor von 3 Prozent auf nahe Null gekappt hat. Seither peilt die SNB einen Satz von 0,25 Prozent an. Der von ihr nur indirekt steuerbare Zins notiert derzeit noch tiefer bei bloss 0,17 Prozent. Zinswende im nächsten Herbst Mit einer Erhöhung des Zinszieles auf 0,50 Prozent rechnet eine Mehrheit der Ökonomen aber im nächsten Sommer. Die Tiefstzinsphase würde damit rekordverdächtige drei Jahre gedauert haben. Auch die US- Notenbank Fed wird laut Experten den Leitzins bei ihrer Sitzung am Dienstag nicht erhöhen. KOF-Leiter Sturm sieht Gefahren in einer solch langen Tiefstzinspolitik, sei doch das billige Geld der Fed nach den Anschlägen vom 11. September 2001 einer der Gründe für die Finanzkrise gewesen.

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