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Wieso chinesische Schurken von der Leinwand verschwinden

China ist erstmals der grösste Kinomarkt weltweit. Was das für Hollywood zu bedeuten hat.

Der Bösewicht aus «Iron Man 3»: In den Comics war er ursprünglich Chinese.
Der Bösewicht aus «Iron Man 3»: In den Comics war er ursprünglich Chinese.
Walt Disney Studios

Damals war er Chinese, heute nicht mehr: der Bösewicht Mandarin. Er kämpft im Hollywood-Blockbuster «Iron Man 3» gegen den superreichen Ingenieur Tony Stark alias Iron Man. Mandarin hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert: Er hat seine ursprüngliche chinesische Nationalität aus dem Comic von 1964 abgelegt und wurde im Film von 2013 zu einem Schurken, der die Welt in Manier eines internationalen islamistischen Terroristen bedroht. Nur sein Name Mandarin, eine Anspielung an die offizielle Sprache der Volksrepublik, erinnert noch an seine Herkunft. Die Verwandlung dürfte kein Zufall sein. Denn die Comic-Verfilmung war bis dahin der teuerste Hollywoodfilm, der von einer chinesischen Firma co-produziert wurde.

China ist für Hollywood ein immer lukrativerer Markt. Im Februar haben die chinesischen Kino-Einnahmen jene der Vereinigten Staaten erstmals überholt. China war somit der weltweit grösste Kinomarkt. Umgerechnet rund 1,05 Milliarden Franken haben die Kinos in der Volksrepublik gemäss der Behörde für Presse, Medien, Radio, Film und Fernsehen eingespielt. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg von rund 70 Prozent. Die US-amerikanischen Kinos nahmen zum Vergleich umgerechnet nur knapp 790 Millionen Franken ein. Der chinesische Markt wächst laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» schnell. Ende 2015 gab es in China 31'000 Kinoleinwände und täglich kommen 22 neue dazu.

Die Gauner der Zukunft sind international

Von diesem Boom will Hollywood profitieren. Damit das gelingt, müssen die Filmstudios aber eine Hürde überwinden: die chinesische Zensurbehörde. Peking hat klare Vorstellungen, was in den heimischen Kinos gespielt werden soll und was eben nicht. Filme, welche die US-amerikanische Kultur glorifizieren oder religiöse Inhalte transportieren, haben keine Chance. Und: «Filme mit politischen Botschaften, die der chinesischen Regierung missfallen, können natürlich nicht gezeigt werden», sagte Stanley Rosen, Professor für chinesische Politik und Film an der University of Southern California in Los Angeles, gegenüber dem «Echo der Zeit».

Die Hollywoodstudios kennen die Spielregeln und passen sich an. «Iron Man 3» ist nur ein Beispiel dafür. Im Film «Red Dawn» wurden im Nachhinein Chinesen zu Nordkoreaner. Pekings Regime hat somit auch einen Einfluss darauf, was in den Schweizer Kinos konsumiert wird, da die Drehbücher der Hollywood-Blockbuster auf die chinesischen Beschränkungen angepasst werden.

Hollywood will aber nicht nur den Zugang zum chinesischen Markt, sondern braucht auch Investoren für seine teuren Produktionen. Diese kommen vermehrt aus China, wie beispielsweise bei «Iron Man 3» oder dem neusten Teil von «Mission: Impossible». Was diese doppelte Abhängigkeit bedeutet, sagt Robert Cain, Filmproduzent und Berater von Pacific Bridge Pictures, der Nachrichtenagentur Bloomberg: «Chinas Einfluss in Hollywood nimmt stetig zu und in Zukunft wird man wahrscheinlich nie mehr einen chinesischen Bösewicht in einem Hollywoodfilm sehen.»

Professor Rosen geht noch weiter: Je wichtiger das Auslandgeschäft wird, desto weniger Auswahl habe Hollywood bei der Auswahl der Bösewichte. «Es gibt keine Länder mehr, die die Bösen stellen können.» Der Kalte Krieg ist vorbei und die Russen, die beispielsweise bei den James-Bond-Filmen beliebte Schurken waren, eignen sich weniger als früher. Anhand der James-Bond-Filme lässt sich exemplarisch zeigen, wer in Zukunft beliebte Bösewichte sein werden. In den Filmen, in denen Schauspieler Daniel Craig 007 verkörperte, kämpfte der britische Geheimagent gegen ein internationales Netzwerk von kriminellen namens Spectre. Genau solche staatenlosen Terrornetzwerke oder multinationalen Firmen sieht Rosen als die Gauner der Zukunft in Hollywood.

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