Zum Hauptinhalt springen

Wer die Krankenkasse wechselt, erhält Provision

Mit einem neuen Angebot wühlt die Interessengemeinschaft der Schweizer Versicherten (IGSV) die Branche auf. Die Initiatoren erhalten sogar Drohungen.

Ein neues Beratungsmodell sorgt für Wirbel: Diverse Krankenkassenbroschüren. (Archivbild)
Ein neues Beratungsmodell sorgt für Wirbel: Diverse Krankenkassenbroschüren. (Archivbild)
Gaëtan Bally, Keystone

Das Geschäft der Krankenkassenvermittler – ein 100-Millionen-Franken-Markt – floriert. Seit August hat sich ein neu gegründetes Unternehmen, die Interessengemeinschaft der Schweizer Versicherten (IGSV), auf die Fahne geschrieben, wechselwillige Krankenversicherte zu beraten.

Das neu lancierte Modell sieht vor, dass Kunden der IGSV ein Honorar – 85 Franken für eine halbstündige Beratung – zahlen, falls der Abschluss einer neuen Grund- und vor allem Zusatzversicherungslösung zustande kommt. Im Gegenzug erhält der Kunde die Abschlussprovision, die der Krankenversicherer der IGSV für die Akquise zahlt. Dieser Betrag beläuft sich gemäss dem Unternehmensberater und Gründungsmitglied Richard Lüdi auf einige 100 bis 2000 Franken.

In einem Bericht der «Aargauer Zeitung» erläutert Lüdi das Angebot. Ihr gewinnorientierter Betrieb werde nicht nur mit Honoraren finanziert, sondern behalte umsatzabhängige Superprovisionen und Zahlungen der Krankenversicherer wie Büroentschädigungen. Dies werde auch den Kunden kommuniziert.

«Sonst gehen wir unter»

Den arrivierten Vermittlern stösst das neue Konzept sauer auf: In einem E-Mail verlangen sie von den Krankenversicherern, den «brandgefährlichen Richard Lüdi» zu stoppen: «Sonst gehen wir alle miteinander unter.» Lüdi bestätigt der Zeitung, dass er subtile Gewaltandrohungen erhalte.

Die Vermittler befürchteten, dass er ihr «florierendes Geschäft» ruiniere, und die Krankenversicherer hätten Angst vor der Bekanntmachung der Höhe ihrer Provisionen. Deshalb würden sie mit der IGSV keine Verträge abschliessen, so Lüdi. Lediglich mit zwei Versicherern habe er sich bisher auf eine Zusammenarbeit einigen können.

Gemäss Lüdi schüttet die Branche jährlich Provisionen in der Höhe von rund 200 bis 300 Millionen Franken aus. Die bisherige Verteilung der Entschädigungen habe jedoch keine Zukunft mehr: «Die von den Krankenversicherern bezahlten Provisionen sind viel zu hoch. Diese Gelder gehören den Versicherten, nicht den Vermittlern.»

Modell soll geprüft werden

Lüdi betont, dass seine GmbH den Kunden eine für sie massgeschneiderte Versicherungslösung anbieten wolle. Die Beratung solle «fair und neutral» erfolgen. Die Swica-Sprecherin Silvia Schnidrig hält im Bericht der «Aargauer Zeitung» entgegen, dass diese objektive Beratung nicht garantiert sei. Auch Vertreter der Visana und der Groupe Mutuel äusserten sich skeptisch.

Positive Signale sendet die CSS aus: Sie wolle das neue Modell prüfen, heisst es. Und auch die Helsana sei gegenüber einer Zusammenarbeit nicht abgeneigt; vorausgesetzt, die von ihrem Branchenverband Curafutura verlangten Qualitätsstandards bei der Beratung würden eingehalten. Zudem sei der Helsana wichtig, dass nicht nur die Anrechnung der Provision an das Beraterhonorar transparent ausgewiesen werde, sondern dass die Kunden über sämtliche Entschädigungen, welche die IGSV erhalte, informiert würden, so Sprecher Stefan Heini.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch