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Wer 2030 die Weltwirtschaft dominiert

Im Jahr 2030 könnte die britische Wirtschaftsleistung grösser sein als die deutsche, prophezeit ein Londoner Forschungsinstitut – es sei denn, in Europa würde sich einiges ändern.

In der Studie «World Economic League Table» geht es um eine einzige Frage. Wer hat die grösste Volkswirtschaft? Die Ökonomen des britischen Forschungsinstituts Center of Economics and Business Research (Cebr) beantworten sie folgendermassen: In den nächsten 15 Jahren werde China an die Sitze des Rankings klettern und die USA auf den zweiten Platz verweisen. Mit einigem Abstand komme Indien an dritter Stelle.

Überraschend ist das Ergebnis im gestern veröffentlichten Bericht des Cebr, wonach die britische Wirtschaft Deutschland etwa im Jahr 2030 überholt haben werde. Letztes Jahr betrug die Wirtschaftsleistung in Grossbritannien drei Viertel des deutschen Wertes. Dies liegt daran, dass die 82 Millionen Bewohner der Bundesrepublik schlicht mehr Waren und Dienstleistungen produzieren als die 64 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich. Die Forscher des Cebr gelten als seriös, aber industrienah. Der Vorhersagezeitraum beträgt 15 Jahre. Die Prognosen der Megatrends wurden auf Basis des realen Bruttoinlandprodukts (BIP), der Wachstums- und Inflationsprognose und einer Wechselvorhersage erstellt.

Deutschland überaltert

Die Bevölkerungszahlen sind es, die England bei der Aufholjagd massgeblich unterstützen. Grossbritannien sei laut Bericht ein beliebtes Ziel für junge Zuwanderer. Anders sehe es in Deutschland aus: Hier schrumpft die Bevölkerung und wird immer älter. Zudem werde die Abwanderung nicht durch genügend Einwanderer ausgeglichen. Cebr-Chef Douglas McWilliams sagt gegenüber «Spiegel online», dass die Bevölkerungszahl beider Länder bis 2030 etwa identisch sein werde.

Weiter zu schaffen machten der deutschen Volkswirtschaft das insgesamt schwache europäische Wirtschaftswachstum, die Verpflichtung, dem Rest der Eurozone helfen zu müssen und die Währungsabwertung des Euro, von der die Forscher ausgehen. Einzige Chance der Deutschen, ihre Stellung zu halten, wäre demnach, die D-Mark wieder als Währung einzuführen. Gemäss den Wirtschaftsforschern könnte Grossbritannien in diesem Fall Deutschland kaum mehr überholen, weil Deutschland dann wieder eine starke Währung hätte.

Schweiz verliert drei Plätze

Diese Hypothese ist mit grosser Unsicherheit behaftet, weil eine Wiedereinführung der D-Mark auch gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch der Eurozone wäre. Damit wird eine Schwäche der in Dollar berechneten Cebr-Weltrangliste offenbar: Währungsschwankungen haben einen grossen Einfluss auf die nominale Wirtschaftsleistung der einzelnen Länder. Auf dem Papier steigt etwa die britische Wirtschaftsleistung, wenn das Pfund um zehn Prozent gegenüber dem Dollar aufwertet – in Tat und Wahrheit wird aber immer gleich viel produziert. Am tatsächlichen Wohlstand der Länder ändern die Währungsschwankungen kurzfristig nichts.

Die Schweiz werde gemäss den Schätzungen von Platz 20 auf den 23. Platz zurückfallen. Gegen das schnelle Wachstum der Schwellenländer, welche auf die vorderen Plätze vordrängten, vermöge auch die wachstumsfreundliche Schweizer Wirtschaftskultur wenig auszurichten. So wird im Jahr 2028 China die USA an der Spitze abgelöst haben. Gefolgt von Indien, Japan und der Aufsteigernation Brasilien.

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