Wenn die Kaffeemaschine online geht

Weltweit steigt der Kaffeekonsum. Die Aargauer Franke-Gruppe will vom Boom profitieren – und setzt auf vollvernetzte Geräte.

Intelligent und vernetzt: Kaffeemaschine der Franke-Gruppe. Foto: Photopress, Keystone

Intelligent und vernetzt: Kaffeemaschine der Franke-Gruppe. Foto: Photopress, Keystone

Ernst Meier@tagesanzeiger

Der Küchenbauer und Gastroausrüster Franke setzt verstärkt auf das Wachstumsgeschäft Kaffee und den Trend hin zur Digitalisierung. Das Unternehmen beliefert unter anderem Gastronomiebetriebe, Kaffeehausketten, Kantinen und Take-away-Shops mit vollautomatischen Kaffeemaschinen. Der Geschäftsbereich von Franke beschäftigt weltweit rund 600 Angestellte. Die Hälfte davon ist im aargauischen Aarburg tätig, wo alle Maschinen hergestellt werden und rund 30 Personen in Forschung und Entwicklung tätig sind.

Im Januar 2018 startete Franke mit einer Digitalisierungsoffensive für Kaffeeautomaten. Dafür wurde in Aarburg ein eigenes Team mit Produktmanagern, Softwareingenieuren, Data-Analysten und Marketingleuten gebildet. Innerhalb eines Jahres entwickelte Franke die Technik zur digitalen Vernetzung von Kaffeeautomaten. «Wir haben unsere Kunden eng in die Entwicklung eingebunden», sagt Patrick Koller, Leiter Marketing und digitale Entwicklung bei Franke-Kaffeemaschinen. Eine erste Lösung sei ab September in verschiedenen Betrieben und mehreren Ländern getestet worden. «Im März dieses Jahres haben wir nun unsere ersten digitalen Services kommerziell eingeführt», so Koller.

Internet der Dinge

Das Sammeln und Auswerten von Daten zur Optimierung sowie Weiterentwicklung des Kaffeegeschäfts seien wichtige Bedürfnisse der Kunden, heisst es bei Franke. In der Industrie gewinnt die digitale Vernetzung von Maschinen – Internet of Things (Internet der Dinge), kurz IOT – zunehmend an Bedeutung. «IOT-Anwendungen bieten nicht nur Vorteile für die Kunden, sie helfen auch unseren Vertriebspartnern und uns, die Servicequalität zu verbessern», sagt Koller. Das führe zu einem Mehrwert für alle Beteiligten.

Wie viele Cappuccinos und Espressos haben die verschiedenen Standorte in den letzten 24 Stunden produziert? Wie hat sich der Absatz zur Vorwoche verändert? Wie viele Kilo Bohnen wurden benötigt? Wann ist die nächste Reinigung fällig, wann braucht es eine Wartung? Die Vernetzung der Geräte ermöglicht die Antworten. Koller: «Die Kunden können via Computer, Smartphone oder Tablet die Aktivitäten ihrer Kaffeemaschinen sowie alle erfolgsrelevanten Informationen jederzeit vom Schreibtisch aus überwachen und auswerten.»

Erste vollvernetzte Kaffeeautomaten sind bei den Agrola-Tankstellen im Einsatz. Sie ermöglichen es dem Unternehmen, die ganze Maschinenflotte aus den angebundenen Filialen in der Region Sursee zu überwachen und zu kontrollieren.

Umsatztreiber Kaffee

Das Kaffeegeschäft boomt weltweit. Analysten schätzen, dass der globale Konsum jährlich um 6 Prozent wächst. Schweizerinnen und Schweizer trinken 1110 Tassen Kaffee pro Jahr – das sind gut 3 Portionen täglich. Nur die Deutschen (1246) und die Norweger (1315) trinken noch mehr von dem schwarzen Wachmacher, wie eine Erhebung des Verbandes Cafetier Suisse zeigt. In Zeiten rückläufiger Verkäufe bei Tabak und Zeitschriften setzen auch Tankstellen und Kioske auf frisch gemahlenen Kaffee. Wo einst Filterkaffee aus der Kanne genügte, stellen die Konsumenten heute höhere Ansprüche. Kaffee ist ein Genuss- und Lifestyle-Getränk geworden.

Der Trend beflügelt die Geschäfte von Franke. Das Unternehmen gehört mit WMF aus Deutschland und Thermoplan aus Weggis LU zu den weltweit führenden Herstellern von professionellen Kaffeemaschinen. Zu den bekanntesten Franke-Kunden zählen McDonald’s, Burger King, Valora und der US-Einzelhändler 7-Eleven. In der Schweiz beziehen unter anderem Migros, Coop und Fenaco (Landi, Volg, Top-Shop) Kaffeeautomaten von Franke.

Bei der Franke-Gruppe rechnet man weiter mit gutem Wachstum, wie Firmeninhaber Michael Pieper an der gestrigen Jahresmedienkonferenz in Zürich sagte. Dazu beitragen wird auch die Firma Luckin Coffee, die ebenfalls Kaffeeautomaten aus Aarburg bezieht. Der chinesische Starbucks-Rivale wurde erst vor zwei Jahren gegründet, zählt im Heimatland aber bereits 2400 Filialen. Letzte Woche ging Luckin Coffee an die Börse und beschaffte sich neues Kapital für die weltweite Expansion. Noch in diesem Jahr wollen die Chinesen in den USA durchstarten.

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