Ein Party-Störer auf Werbetour

Als Geschäftsmann wurde Trump nie ans Weltwirtschaftsforum (WEF) geladen. Heute reist er als US-Präsident an.

Staatsmann und «Tribun der Bedauernswerten» zugleich. Donald Trump besteigt in Nashville die Air Force One.

Staatsmann und «Tribun der Bedauernswerten» zugleich. Donald Trump besteigt in Nashville die Air Force One.

(Bild: Keystone)

Davos ist in gewisser Weise wie Manhattan: ein Ort des Begehrens für Donald Trump. Der aufstrebende Immobilienerbe wollte immer schon von der Society des New Yorker Stadtteils umarmt werden. Doch Manhattans Geldadel wies ihn zurück. Gleiches widerfuhr ihm von der jeweils in Davos versammelten Elite aus Wirtschaft und Politik. Als Geschäftsmann wurde Trump nie ans Weltwirtschaftsforum (WEF) geladen. Heute reist er als US-Präsident an. Trump wird den Triumph auskosten: Er hat das Unvorstellbare vollbracht und den höchsten Gipfel der Macht erklommen. In Davos wird es der Geschnödete den Globalisten zeigen. Vor seiner für Freitag programmierten Rede, dem Höhepunkt des diesjährigen WEF, wird der Auftritt mit Bangen erwartet. Welcher Trump wird in Davos erscheinen, fragt das Wall Street Journal. Der Staatsmann und arrivierte Milliardär oder der populistische Partystörer, der «Tribun der Bedauernswerten»?

Trump selbst stellt den Trip als Werbetour dar. «Ein Cheerleader für mein Land zu sein, ist ein Grund, weshalb ich nach Davos fahre», sagte er in einem Interview. «Ich will die Story darüber erzählen, was in den USA abgeht.»

Steuerreform als Gegenargument

Viele Zuhörer denken beim amerikanischen Präsidenten an Schlechtes. «Die Welt hasst uns», sagte Trump selbst unlängst in einer Rede. Unter dem barschen, ungezügelt twitternden Rohling im Weissen Haus ist das Ansehen der US-Führung laut einer Gallup-Umfrage weltweit auf 30 Prozent abgesunken. Das ist noch vier Prozentpunkte tiefer als unter George W. Bush in der schlimmsten Phase des Irakkriegs. Sogar Chinas Kommunisten schneiden mit 31 Prozent besser ab.

Der wirtschaftliche Aufschwung der USA, verstärkt durch die im Dezember verabschiedete Steuerreform, soll in Davos die Gegenargumente liefern. Trump wolle «die Welt daran erinnern, dass Amerika offen ist fürs Geschäft», sagte Gary Cohn, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats. «Präsident Trump wird bekräftigen, dass ein blühendes Amerika der Welt hilft. Wenn die USA wachsen, wächst auch die Welt.»

Auch nach dem Handschlag mit dem Schweizer Bundespräsidenten Alain Berset wird Trump die Arme ausbreiten. Beim Treffen der beiden am Freitag sollen «bilaterale Investitionen, Wirtschaftswachstum und Innovation» besprochen werden, kündigte Sicherheitsberater H. R. McMaster an.

Trump dürfte bei Berset offene Türen vorfinden. Der Handel zwischen den beiden Ländern wächst stürmisch. Die USA waren für die Schweiz 2015 mit einem Volumen von 31 Milliarden Franken der zweitgrösste Handelspartner nach Deutschland. Schweizer Direktinvestitionen in den USA haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und erreichten weit über 300 Milliarden Franken, womit die Schweiz auf der Rangliste Platz sechs einnimmt.

«Peinliches kleines Geheimnis»

Grundsätzlich herrsche bilateral «schönstes Wetter mit kleinsten Wölkchen», sagt Martin Naville von der Handelskammer Schweiz-USA zur BaZ. Klärungsbedarf gebe es beim neuen Doppelbesteuerungsabkommen und in den Fragen des Datenschutzes. Doch der von den USA gerügte hohe Überschuss der Schweiz im Güterhandel und die grossen Devisenkäufe der Nationalbank seien «sehr, sehr kleine Probleme».

Der Chef der Handelskammer rät Berset, er solle mit Trump nur übers Geschäft und nicht über die Welt reden. Das wird den versammelten Regierungschefs und CEOs in Davos indes nicht immer leichtfallen.

Trump ist im Vorfeld seines Besuchs gegen die Gilde der Freihandelsgläubigen voll auf Konfrontation gegangen, indem er Strafzölle für Waschmaschinen und Solarzellen ankündigte. «Amerika und seine Regierung unterstützen den Freihandel», sagte Gary Cohn zur Erklärung, «doch der muss fair und gegenseitig sein.»

Trump will neben Berset die Regierungschefs von Israel, Ruanda und dem Vereinigten Königreich treffen. Auf wie viele improvisierte Gespräche er sich einlässt, wird sich zeigen. Immerhin werde er sich vor grossem Publikum rhetorisch zurückhalten, glaubt Anne-Marie Slaughter von der Denkfabrik New America. «Er wird nicht die Davoser Bühne betreten und es beleidigen. Er ist oft ein Chamäleon.»

Damit wird es der Davoser Runde leichter fallen, sich auf den «hässlichen Amerikaner» einzulassen, den Trump nach Meinung des Historikers Niall Ferguson dieses Jahr darstellt. Der Brite vermutet bei den Angehörigen der globalen Elite ohnehin ein «peinliches kleines Geheimnis»: Zwar hassten sie Trumps Tweets und seine politische Inkorrektheit, «doch sie lieben seine Wirtschaftspolitik». Dank ihr seien die Aktienkurse aller am WEF versammelten Unternehmen auf Rekordhöhen geklettert. Laut dem Internationalen Währungsfonds erhöht allein Trumps Steuerreform das Weltwirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte.

Trumps doppelte Identität macht seine Reise nach Davos doppelt spannend. «Wird Davos ein wenig trumpig?», fragt das Journal. «Oder wird die Trump-Regierung einen davosischen Charakter annehmen?» Es könnte beides eintreten.

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