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Wasser predigen, Wein trinken

Das Wirtschaftsforum Binningen widmet sich dem Phänomen der Doppelmoral.

«Wir müssen wieder vermehrt kurze Wege ­zurücklegen und uns bei der ­Mobilität neue Vorstellungen vergegenwärtigen», ist der Binninger Gemeindepräsident Mike Keller überzeugt. Foto: Nicole Pont
«Wir müssen wieder vermehrt kurze Wege ­zurücklegen und uns bei der ­Mobilität neue Vorstellungen vergegenwärtigen», ist der Binninger Gemeindepräsident Mike Keller überzeugt. Foto: Nicole Pont

Wir kennen das: Wir vertreten bestimmte Ansichten und Überzeugungen. Bei genauerem Hinsehen stellen wir aber fest, dass diese nicht mit unserem Verhalten übereinstimmen. Nicht immer, aber öfter, als uns lieb ist.

Gemeindepräsident Mike Keller nannte am Wirtschaftsforum Binningen, das sich in Kooperation mit Metrobasel dem Phänomen der Doppelmoral widmete, zahlreiche Beispiele: «Viele fordern gute Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt, gehen dann in die Stadt, um dort das günstigste T-Shirt für fünf Franken zu kaufen – natürlich aus der Dritten Welt.» Die Präsenz der Doppelmoral sei unerschöpflich und reiche vom privaten Bereich über Mobilität, Politik, Wirtschaft bis hin zur Kirche. Ohne Zweifel: Das Zurechtlegen unterschied­licher Massstäbe gehört in den Bereich Menschliches-Allzumenschliches.

Edy Portmann vom Human-ist Institute in Freiburg gleiste in seinem Einführungsreferat das Phänomen über die alten Griechen auf: Aristoteles sei so frech gewesen, zu sagen, dass es nur «wahr» und «falsch» gebe, nichts dazwischen. Seine Denkweise habe sich mit der Zeit mit unseren westlichen Religionen verbunden: «Es gibt nur den einen wahren Gott und nichts anderes.» Unsere ganze westliche Welt baue auf «Ja» und «Nein». Dies führe zu einer «Mathematisierung unserer Welt», ein«reduktionistisches, limitiertes Denken». Auf der Strecke bleiben Widersprüchliches, Grau­zonen, die Dialektik, Thesen und Antithesen mit dem Ziel, Synthesen zu finden.

Anreize besser als Verbote

Das philosophische Seminar wurde in der anschliessenden Diskussion wieder auf den alltäglichen Bedarf heruntergebrochen, wobei die Frage nach der Doppelmoral zusehends von dem aktuell meistdiskutierten Thema Klimaschutz in den Hintergrund gedrückt wurde, von dort aber immer wieder aufschimmerte. Verständlich. Klimaschutz und Doppelmoral haben viel miteinander zu tun.

«Das Thema ‹Grün› betrifft ­jeden, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Wir müssen», so der Hotelier Johann Rudolf Meier, «an die Zukunft denken.» Und für Keller war klar, «dass wir ­wieder vermehrt kurze Wege ­zurücklegen und uns bei der ­Mobilität neue Vorstellungen vergegenwärtigen müssen». Beim Boom der Elektromobilität sei «nicht ganz nachvollziehbar, was hier abläuft». Die Herausforderung der Zukunft sei nicht eine Frage des Antriebs. Wichtiger ist, «wie wir uns bewegen und wo unser Bewegungsfeld ist».

Kleine, notwendige Schritte

Der Mensch sei zwar egoistisch und ein Herdentier, meinte Regula Ruetz, Direktorin von Metro­basel. Trotzdem seien Anreize besser als Verbote. Um die Ziele zu erreichen, müssten diese so angelegt sein, dass sich der Mensch ändert. Man könne darüber diskutieren, wie die Klimaziele zu erreichen sind, so Kevin Vidal, Mitglied des Organisationskollektivs Klimastreik Basel. Fix sei aber das Ziel, 2030 in einer CO2-neutralen Schweiz zu leben.

Es war an diesem Abend häufig von kleinen, notwendigen Schritten die Rede. «Wir müssen auch mal das Wort ‹Verzicht› in den Mund nehmen», so Europort-Direktor Matthias Suhr. Der Appell an die eigene Verantwortung – ein wichtiger Aspekt. Oder wie es der Soziologe Ueli Mäder ausdrückte: «Wir sind alle dazu aufgerufen, die Selbstreflexion zu Ende zu führen.»

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