Verurteilter Pharma-Boss soll Firma aus seiner Zelle leiten

Martin Shkreli sitzt wegen Betrugs hinter Gittern. Laut einem Medienbericht hindert das den US-Häftling nicht, Geschäfte zu betreiben.

Umstrittener Pharmaunternehmer: Martin Shkreli (M.) auf dem Weg zum Bundesgericht in New York. (4. August 2017)

Umstrittener Pharmaunternehmer: Martin Shkreli (M.) auf dem Weg zum Bundesgericht in New York. (4. August 2017)

(Bild: Keystone Seht Wenig (AP))

Der Mann kann es nicht lassen: Martin Shkreli sitzt zwar für sieben Jahre im Gefängnis, was ihn offenbar nicht stört, in der Strafanstalt in Fort Dix im US-Bundesstaat New Jersey Geschäfte in der Businesswelt zu machen. Das Medium «Wall Street Journal» hat aufgedeckt, dass der Straftäter aus seiner Zelle die Geschicke der Firma Phoenixus AG, früher bekannt als Turing Pharmaceuticals AG mit Sitz in Baar ZG, leitet – mit einem geschmuggelten Mobiltelefon, was gemäss den Vorschriften des Hauses unzulässig ist.

Shkreli scheint seine Firma mit Erfolg aus der Ferne zu führen: Das US-Wirtschaftsmedium schätzt, dass das Unternehmen, von dem der Verurteilte 40 Prozent besitzt, einen Wert von 3,7 Milliarden Dollar haben könnte, wenn er 2023 wieder auf freiem Fuss ist. Hinter Gittern schreckt der 35-jährige Mann, der von 2009 bis 2014 Anlagegelder in der Höhe von 11 Millionen US-Dollar veruntreute, auch von harten personellen Massnahmen nicht zurück. Das Medium ist überzeugt, dass Shkreli verantwortlich dafür zeichnet, dass Phoenixus-Geschäftsführer Kevin Mulleady gefeuert wurde.

Weder der Verteidiger des Häftlings, der Anwalt der Firma noch das FBI haben bisher die Angaben der Zeitung kommentiert. Die Leitung des Bundesgefängnisses erklärt bloss, dass es für Häftlinge verboten sei, ein Handy zu besitzen. Vergehen würden mit einer zusätzlichen Haftstrafe von einem Jahr und einer Busse geahndet. Mit anderen Worten: Wenn Shkreli in seiner Zelle die Tastatur seines Natels benützt, spielt er mit dem Feuer – was nicht zum ersten Mal in seinem Leben wäre.

«Der meistgehasste Mann Amerikas»

Denn Shkreli ist nicht irgendein Häftling in den USA, der ziemlich genau vor einem Jahr in New York von Richterin Kiyo Matsumoto zu sieben Jahre Gefängnis und einer Busse von 7,4 Millionen Dollar verurteilt wurde, weil er Investoren an der Nase herumgeführt und ihre flüssigen Mittel zweckentfremdet hatte. Die umtriebige, aber auch dubiose Geschäftsperson war im ganzen Land als «meistgehasster Mann Amerikas» bekannt. Diesen keineswegs ehrenhaften Titel verpassten ihm die Medien, als er 2015 als Boss der Firma Turing Pharmaceuticals den Preis für das Medikament Daraprim, das unter anderem Aidspatienten helfen soll, schlagartig von 13,5 auf 750 Dollar pro Pille angehoben hatte. Diese dreiste Preiserhöhung kam bei der amerikanischen Bevölkerung, die sonst viel Verständnis für geschäftstüchtige Manager zeigt, gar nicht gut an. Für die empörten US-Bürger mutierte der Pharmaunternehmer sogar zum «Staatsfeind Nummer 1».

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete in ihrem Plädoyer vor einem Jahr im New Yorker Gerichtssaal Shkreli als «Mann, der Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss» und als jemand, der «keinerlei Respekt vor dem Gesetz» habe. Es sei ein Fehler, den jungen Unternehmer als missverstandenes Genie zu sehen.

Im Gerichtssaal reuig

Der später verurteilte Dieb zeigte sich reuig und erklärte, dass Geld nie der Beweggrund gewesen sei. «Dies wäre eine gute Zeit, um mich bei allen Investoren zu entschuldigen. Es tut mir schrecklich leid, Ihr Vertrauen verloren zu haben. Sie haben Besseres verdient. Bitte geben Sie mir eine Chance, zu zeigen, wozu ich fähig bin.» Nach dem Urteil der Richterin brach er in Tränen aus.

Shkrelis Anwalt Ben Brafman gestand schon ein, seinen Mandanten selbst manchmal kaum ertragen zu können. «Es gibt Zeiten, in denen ich ihn umarmen und festhalten und beruhigen will, und es gibt Zeiten, in denen ich ihn ins Gesicht boxen will», sagte der Jurist dem Finanznachrichtendienst «Bloomberg». Dennoch sei Shkreli aber ein «guter Mensch», der seine «seltsamen, unangemessenen Verhaltensweisen nicht immer kontrollieren kann».

fal

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