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Versicherer motzen «Sparbüechli» für Kinder mit Unfallschutz auf Konsumentenschützer warnen Familien vor möglicher Prämienfalle Von Marc Forster, sda Hintergrund

Das «Sparbüechli» für Kinder war einmal: Versicherer lancieren neuerdings Produkte, bei denen ein Vorsorgeplan auch Invaliditätsrisiken für Menschen unter 18 Jahren abdeckt.

Während Versicherer die Produkte als Notfall-Stütze für Familien anpreisen, warnt der Konsumentenschutz vor hohen Prämienkosten. Im hart umkämpften Markt um Versicherungskunden drängen die Schweizer Versicherer auch in kleine Nischen: So haben die Anbieter Vorsorgeprogramme im Angebot, die einem Jugendlichen, der gesund das 18. Lebensjahr erreicht, die Auszahlung eines bestimmten Betrages erlauben: Kapital für ein Auto, eine Wohnungseinrichtung, eine langersehnte Reise oder für die Ausbildung. Zudem decken die Produkte, wie sie Allianz Suisse, Baloise, Zurich Schweiz und Swiss Life im Angebot führen, die Risiken Invalidität und Erwerbslosigkeit ab. «Bis zum 18. Altersjahr sind Kinder und Jugendliche nicht ausreichend über die staatliche Vorsorge abgesichert», argumentiert man bei der Allianz Suisse, die erst vor ein paar Wochen ein solches Produkt eingeführt hat. «Zur staatlichen Rente von 1546 Franken kann zusätzlich eine individuelle Rente von 2000 Franken pro Monat geleistet werden», verspricht der Versicherer für den Fall, den sicherlich niemand seinen Kindern wünscht. Die Kosten beziffert der Anbieter auf 60 bis 100 Franken im Monat. Bei der Swiss Life, die das Produkt seit vergangenem November im Programm hat, kostet es mindestens 60 bis 70 Franken, wenn die Sparprämie eine Erwerbsunfallrente mit einschliesst. Alle Anbieter betonen, dass sie in der Nische auf ein Konsumentenbedürfnis gestossen sind. Eltern unter Druck Sara Stalder vom Konsumentenschutz hält allerdings wenig von den emotional gefärbten Werbetexten der Versicherer: «Wir warnen davor, Sparen und Vorsorge in einem Produkt abzuschliessen. Eltern oder Verwandte lassen sich auf einen langfristigen Vertrag ein und müssen für viele Jahre immer diesen Betrag entrichten.» Wenn sich die finanzielle Situation einer Familie ändere und der Vertrag gekündigt werden müsse, entstehe oft ein Verlust von tausenden von Franken: «Wir empfehlen, ein Sparkonto einzurichten, auf das unregelmässig eingezahlt werden kann, und daneben die Kinder in sinnvollem Umfang gegen Unfälle zu versichern.» Eltern stünden unter dem permanenten Druck, für ihr Kind das beste und sicherste zu planen: «Die Schweizer sind generell überversichert. Solche Produkte sind zum Teil einfach unnötig. Die Versicherer suchen nach immer neuen Absatzmärkten», sagt die Konsumentenschützerin. Bessere IV-Leistungen gefordert Aus Sicht der Versicherer dienen die Vorsorgeprodukte dazu, einer Familie für den Notfall eine zusätzliche finanzielle Stütze zu bieten, wenn Kosten auszuufern drohen. Urs Dettling von der Stiftung Pro Infirmis nimmt diesen Punkt aber auch zum Anlass, die Verbesserung von sozialen Leistungen zu fordern. «Grundsätzlich ist es legitim, dass die Versicherer mit solchen Angeboten Geld verdienen wollen. Unsere Forderung sind aber bessere Leistungen bei den Sozialversicherungen», sagte er. Die Angebote der Versicherer seien eher für jene Haushalte geeignet, die es sich wirklich leisten könnten. «Leistungsaufbesserungen bei der IV würden allen dienen, nicht nur jenen, die sich eine zusätzliche Versicherung bei einem Privatversicherer leisten können», merkt Dettling an. Der Trend in den letzten Jahren mit der Kürzung von Leistungen für Menschen unter 18 Jahren sei gegenläufig zu den Forderungen von Pro Infirmis. Die IV solle ein Ersatzeinkommen sichern, das die Existenzsicherung so weit wie möglich sicherstelle.

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