Zum Hauptinhalt springen

... zünd lieber andere Wälder an

Die Einstellung der Behörden, dass jederzeit Löschflugzeuge vorhanden seien, man müsse nur wissen, wo anrufen, treibt die Flugzeughersteller auf die Palme.

as russische Unternehmen Beriev bietet seit fast 20 Jahren mit der Be-200 ein Flugzeug mit europäischer Zertifizierung an.
as russische Unternehmen Beriev bietet seit fast 20 Jahren mit der Be-200 ein Flugzeug mit europäischer Zertifizierung an.
Keystone

Die Wälder brennen, wie jeden Sommer. Und alles schreit nach Löschflugzeugen. Griechenland wollte schon lange welche kaufen. Doch dann kam die Schuldenkrise dazwischen und ohnehin würde ein Grundbuch und eine vernünftige Zonenplanung, bei der verbrannter (oder angezündeter) Wald nicht einfach Bauland wird, mehr zum Brandschutz beitragen.

Schweden machte gerade die erstaunliche Entdeckung, dass das Land zwar zu 70 Prozent aus Wäldern besteht, dass es aber kein einziges Löschflugzeug besitzt. Reaktion der Regierung: «Es genügt, wenn man weiss, wo man die Flugzeuge mieten kann.» Nur wollen dann immer alle gleichzeitig mieten. Schliesslich ist überall gleichzeitig Sommer und Hitzewelle, wie man spätestens seit diesem Jahr weiss. Und die paar Flugzeuge sind dann jeweils schnell ausgebucht. Zudem sollten sie, wie die erfolgreiche Praxis in Südfrankreich und Spanien mittlerweile zeigt, nicht erst dann fliegen, wenn es richtig brennt. Sie müssen schon viel früher in der Luft sein, wenn es erst raucht und die Lage mit einer kräftigen Dusche noch in den Griff zu bekommen wäre. Deshalb fliegen die alten Canadair CL-415 nun auch meist zu zweit Patrouille, um gleich kräftig schütten zu können.

Produktion mangels Käufern eingestellt

Die Einstellung der Behörden, dass jederzeit Löschflugzeuge vorhanden seien, man müsse nur wissen, wo anrufen, treibt die Flugzeughersteller auf die Palme. Entwicklung und Produktion erfordern zwei- und dreistellige Millionenbeträge an Vorinvestitionen und jahrelange Vorlaufzeiten. Das kanadische Löschflugzeug CL-415 wird mangels Käufern seit 2015 nicht mehr gebaut. Bombardier hat die Lizenzen an das Unternehmen Viking verkauft, das nun Kunden sucht, um die Produktion wieder zu starten, bisher ohne Erfolg. Das russische Unternehmen Beriev bietet seit fast 20 Jahren mit der Be-200 ein Flugzeug mit europäischer Zertifizierung an, das noch viel leistungsfähiger ist als die CL-415. Auch dafür gibts kein Interesse. Lediglich China und Aserbeidschan haben insgesamt drei Maschinen bestellt, zusätzlich zu jenen des russischen Katastrophenschutzministeriums. Insgesamt gibt es nun 13 Be-200. Doch kaum brennts, sind die Russen hochwillkommene Nothelfer.

Denn zwei Löschflugzeuge löschen so gut wie zwei Dutzend Helikopter. Mit ihren Infrarot-Zielgeräten treffen sie die Glutnester und nicht nur den Rauch. Sie können tief über Seen und Flüsse fliegend in wenigen Sekunden sechs (CL-415) oder zwölf (Be-200) Tonnen Wasser aufnehmen und sind dann gleich wieder beim Brand. Die Be-200 fliegt zudem doppelt so schnell wie die CL-415, hat ein mit dem Autopiloten gekoppeltes Ziel- und Abwurfsystem, das ähnlich wie bei modernen Bombern sehr genaue Abwürfe ermöglicht, aber auch Wasservorhänge oder Mischungen mit chemischen Löschstoffen. Bei den feuerlöschenden Allzweck-Helis dagegen ist «treffen» oft eher Glück und Zufall. Zudem blasen sie, anders als die Flieger, mit ihren Rotoren kräftig Luft ins Feuer und fachen es mit jedem Wasserabwurf oft gleich wieder an.

Vermeidbare Schäden

Löschflugzeuge sind die rettenden Engel, wenn schon alles verloren scheint. Aber mit den Flammen verlöscht immer auch das Interesse der Kunden. Daran ändert auch nichts, dass die vermeidbaren Schäden, ob nun in Schweden oder Griechenland und sicher auch bald wieder in der Schweiz, die Kosten für ein neues Flugzeug um ein Vielfaches übersteigen. Nächstes Jahr brennt es bei jemand anderem. Die Hersteller bleiben auf ihren Investitionen und ihrem Idealismus sitzen, obwohl ihre potenziellen Kunden theoretisch jedes Jahr etwa ein Dutzend neue Flugzeuge bräuchten. Doch das Prozedere ist immer derselbe. Während des Brandes flehen die Kunden mit Inbrunst um Flugzeuge. Danach feilschen sie halbherzig um einen Kauf und gleichzeitig beten sie: «Lieber heiliger St. Florian, zünd’ lieber andere Wälder an.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch