Wie schwer die Skandale Facebook treffen

Das soziale Netzwerk zeigt erstmals, wie viel Zuckerberg für die Datenschutzverstösse zurückstellt. Einen happigen Betrag.

Macht Milliarden-Rückstellungen: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Macht Milliarden-Rückstellungen: Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

(Bild: Reuters)

Wen in dieser Sache zuletzt Zweifel befallen haben sollten, dem sei versichert: Treue hat noch einen Wert, einen sehr hohen sogar. Da teilte Facebook am Mittwoch mit, man rechne damit, wegen Datenschutzverstössen eine Rekordstrafe von bis zu fünf Milliarden Dollar zahlen zu müssen. Und die Börse? Ist begeistert. Die Facebook-Aktien steigen innerhalb von Minuten um fünf Prozent.

Fünf Milliarden Dollar sind schliesslich verkraftbar für einen Konzern, der im vergangenen Jahr 22 Milliarden verdient hat. Vor allem, wenn die Sache mit der Treue stimmt. Und der kann Facebook sich offenbar sicher sein – komme, was wolle.

Das vergangene Jahr war für das Unternehmen eine einzige Abfolge von Peinlichkeiten. Angefangen mit dem Skandal um Cambridge Analytica, der im März 2018 öffentlich wurde, reihte sich ein Datenschutzverstoss an den anderen. Kaum hatte Konzernchef Mark Zuckerberg sich für den einen Fehler entschuldigt, wurde schon der nächste publik.

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Beratungen bei Cambridge Analytica heimlich aufgenommen. (Channel 4)

Die Nutzer scheinen all die Skandale kaum abzuschrecken. Zwar gaben in einer Befragung kürzlich Zwei Drittel der teilnehmenden Amerikaner an, sie würden Facebook aufgrund der Datenschutzverstösse anders oder gar nicht mehr nutzen. Doch in den nun veröffentlichten Zahlen spiegelt sich das nicht wider.

Ihnen zufolge ist die Zahl der Nutzer, die Facebook mindestens einmal im Monat besuchen, im vergangenen Quartal um 2,5 Prozent auf nun 2,38 Milliarden gestiegen. Die Zahl der täglichen Nutzer gab Facebook mit 1,56 Milliarden an.

Solange diese atemberaubenden Zahlen weiter steigen, wird die Börse Facebook wohl auch den nächsten Skandal und möglicherweise auch die nächste Milliardenstrafe verzeihen. Zeigen diese Zahlen doch, wie eng das soziale Netzwerk mit dem Leben eines grossen Teils der Weltbevölkerung verwoben ist. Wer so viele Menschen erreicht und diese auch noch sehr gezielt mit Werbung ansprechen kann, der wird allen Skandalen zum Trotz sehr viel Geld verdienen.

Und das tut Facebook: Der Umsatz in den vergangenen drei Monaten betrug 15,08 Milliarden Dollar, was mehr ist als erwartet und ein Anstieg von 26 Prozent innerhalb eines Jahres.

Die erwartete Milliardenstrafe wird von der amerikanischen Handelsaufsicht FTC kommen. Sie untersucht Facebook seit einem Jahr, weil die politische Beratungsfirma Cambridge Analytica unerlaubten Zugriff auf die Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern hatte. Die Summe dürfte deshalb so hoch ausfallen, weil Facebook mit seinem fortgesetzten Fehlverhalten wahrscheinlich gegen eine Abmachung verstiess, die der Konzern im Jahr 2011 mit der FTC traf. Darin verpflichtete sich Facebook, immer die Einwilligung der Nutzer einzuholen, bevor ihre Daten an Dritte weitergereicht werden. Die höchste Strafe, die die FTC bisher verhängte, betrug gerade einmal 22 Millionen Dollar. Die musste Google im Jahr 2012 zahlen, ebenfalls wegen Datenschutzverstössen.

Facebooks finanzielle Erfolgsgeschichte wäre wohl noch glänzender ausgefallen, müsste der Konzern nicht rasant steigende Kosten für Mitarbeiter tragen. Heute arbeiten etwa 36 Prozent mehr Leute für Facebook als vor einem Jahr. Dies sind vor allem Mitarbeiter, die missbräuchliche Inhalte von der Plattform fernhalten sollen.

Zu viele Skandale

Chefredaktionsmitglied Michael Marti bilanzierte zum Jahreswechsel: «Die Dummen teilen ihre Daten auf Facebook, die Schlauen verkaufen sie.»

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