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Wurde auch der Schweizer-Franken-Libor manipuliert?

«Liborgate» betrifft auch die Schweiz. Auf UBS und Credit Suisse könnten kostspielige Klagen zukommen. Hat der Manipulationsskandal auch Auswirkungen auf Nationalbank und Eigenheimbesitzer?

Hat die Liboraffäre ins Rollen gebracht: Barclays, Hauptsitz in London. Bild: Keystone.
Hat die Liboraffäre ins Rollen gebracht: Barclays, Hauptsitz in London. Bild: Keystone.

Inwiefern betrifft der Liborskandal die Schweizerische Nationalbank? Immerhin ist der Libor für die SNB von grosser Bedeutung, wird doch das geldpolitische Ziel als Bandbreite des 3-Monats-Libor für Schweizer Franken definiert. Wie die «Aargauer Zeitung» in der heutigen Ausgabe schreibt (Artikel online nicht verfügbar), gebe die SNB Entwarnung. «Gemäss einer raschen Durchsicht des Entscheids der FSA war der Schweizer-Franken-Libor nicht von den Manipulationsbemühungen berührt», sagt SNB-Sprecher Walter Meier auf Anfrage der Zeitung. Es seien primär der US-Dollar, der Euro und in geringerem Masse auch das Pfund und der Yen im Visier von Barclays gewesen.

Good News für Eigenheimbesitzer

Diese Nachricht dürfte viele Eigenheimbesitzer beruhigen. Libor-Hypotheken, deren Wert periodisch aufgrund der Veränderung des Franken-Libors festgelegt wird, waren wegen der Tiefzinspolitik in den letzten Jahren in der Schweiz stark nachgefragt, schreibt die «Aargauer Zeitung» weiter. Gemäss «Finanz und Wirtschaft» belaufen sich die ausstehenden Libor-Hypotheken auf 800 Milliarden Franken.

Trotz Liborturbulenzen hat die Schweizerische Nationalbank laut Eigendeklaration alles im Griff. «Seit 2008, als der Verdacht auftauchte, dass der Libor manipuliert werde, haben wir die Angelegenheit genau beobachtet, und die SNB ist in ständigem Kontakt mit der British Bankers’ Association», erklärt Meier gegenüber der «AZ». Manipulationen seien bisher keine aufgetaucht. «Die SNB hat keinerlei geldpolitisch relevante Verzerrungen des 3-Monate-Franken-Libors feststellen können», sagt Meier. Entschärfend wirke auch, dass der 3-Monate-Franken-Libor in der Geldpolitik der Nationalbank derzeit praktisch keine Rolle spiele. «Das primäre geldpolitische Instrument ist die Durchsetzung des Mindestkurses gegenüber dem Euro», sagt Meier gegenüber der «AZ».

UBS und CS im Fokus

Derweil beschäftigt der Liborskandal die Schweizer Finanzbranche, besonders die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse. Für beide könnte die Affäre ein teures Nachspiel haben, weil sie im Verdacht stehen, durch Absprachen mit anderen Banken den Libor in den letzten vier Jahren künstlich niedrig gehalten zu haben. Die Aufsichtsbehörden aller wichtigen Finanzplätze starteten Untersuchungen, die bis heute andauern. In der Schweiz hat die Wettbewerbskommission (Weko) ein Dutzend Banken ins Visier genommen.

Während die Experten davon ausgehen, dass die CS weltweit eine nachrangige Rolle in Absprachen spielte, sieht die Situation bei der UBS schwieriger aus. Durch das Bekanntwerden einer Zins-Manipulation Ende letzten Jahres, zeigte sich die UBS anfangs Jahr bei den Behörden in den USA, in Kanada und auch bei der Weko selbst an. Auch wenn die Grossbank dadurch mit einer bedingten Straffreiheit rechnen kann, ist sie längst nicht aus dem Schneider. Klagen durch andere Regierungsstellen und Zivilklagen, einschliesslich Sammelklagen in den USA, sind möglich und könnten der UBS teuer zu stehen kommen.

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