«Wir sind auf gutem Weg»

Interview

Die Basler Kantonalbank verzeichnet Kundengeldabflüsse in Milliardenhöhe und will sich bis Ende Jahr von allen US-Kunden getrennt haben. Dennoch verdient sie gut wie CEO Hans Rudolf Matter erklärt.

Zufrieden: Das Ergebnis der Basler Kantonalbank im ersten Halbjahr sei sehr erfreulich, sagt Hans Rudolf Matter. (Bild von Februar 2012)

Zufrieden: Das Ergebnis der Basler Kantonalbank im ersten Halbjahr sei sehr erfreulich, sagt Hans Rudolf Matter. (Bild von Februar 2012)

(Bild: Keystone)

Herr Matter, die verwalteten Vermögen haben sich im ersten Halbjahr deutlich reduziert, der Nettoneugeld­abfluss beträgt 2,7 Milliarden Franken. Ein Zeichen dafür, dass die Kunden der BKB nicht mehr vertrauen? Nein, im Gegenteil. Die Spargelder von Privatkunden haben zugenommen, im Stammhaus um 1,9 Prozent. Das Vertrauen ist ungebrochen. Im Wesentlichen handelt es sich beim Abfluss um institutionelle und öffentlich-rechtliche Kundengelder, die für kurze Zeit parkiert wurden.

Sind in diesem Vermögensabfluss auch Gelder von US-Kunden dabei? Ja. Wir trennen uns ja wie bereits kommuniziert bewusst von Kunden mit Domizil USA. Im ersten Semester 2012 kam es so zu einem Abfluss von mehr als 200 Millionen Franken.

Per Ende 2011 verwaltete die BKB noch knapp 350 Millionen Franken von ­US-Kunden. BKB-Präsident Andreas Albrecht möchte die Kundenbestände bis Ende 2012 auf null herunterfahren. Ist das noch realistisch? Das ist richtig, der Vorgang ist noch nicht ganz abgeschlossen. Im Moment verwaltet die BKB noch knapp 100 Millionen Franken von in den USA wohnhaften Kunden. Diese mussten alle angeschrieben werden, das ist je nachdem ein langwieriger und auch aufwendiger Prozess, bis das Konto saldiert werden kann. Bei den Transfers kann es Wochen dauern, bis diese vorgenommen werden. Aber ich nehme an, dass wir bis Ende 2012 alle Bestände aufgelöst haben. Wir sind auf gutem Weg.

Sie sagten, dass das Vertrauen Ihrer Kunden trotz vielen Negativschlagzeilen ungebrochen ist. Spüren Sie eine gewisse Verunsicherung? Nein. Unsere Kunden haben verstanden: Praktisch jede Schweizer Bank hat oder hatte amerikanische Kunden. Warum sich nun die bekannten elf Banken auf der Liste befinden, ­andere aber nicht, ist unklar.

Also hatte die BKB einfach nur Pech? Wir haben nie Kunden in den USA ­akquiriert und sie ermutigt, Steuern zu hinterziehen. Der Fall des externen Vermögensverwalters Renzo ­Gadola war für die US-Behörden ­richtungsweisend. Dadurch ist die BKB in die Schlagzeilen geraten, obwohl sie mit Gadola nie aktiv zu­sammengearbeitet hat.

Wie ist die Lage nun im US-Steuerstreit? Wann rechnen Sie mit einer Lösung? Das kann ich Ihnen nicht sagen. Wir stehen sowohl in Kontakt mit den Schweizer als auch mit den US-­Behörden und kooperieren.

Trotz Kooperation: Es liegt im Bereich des Möglichen, dass die BKB Bussgeld zahlen muss. Sie haben vor ein paar Monaten gesagt, Sie bereiten sich auf alle möglichen Szenarien vor. Rückstellungen haben Sie aber keine gebildet. Warum? Die Situation ist schwierig. Wir wissen nicht, ob, wann und in welcher Höhe eine allfällige Vergleichs­zahlung anfällt. Solange wir keine konkreten Hinweise haben, bilden wir auch keine Rückstellungen.

Dafür haben Sie die Reserven für all­gemeine Bankrisiken im ersten Halbjahr um fast 66 Millionen Franken aufgestockt. Diese werden jedes Jahr erhöht, im Schnitt um über 100 Millionen Franken pro Jahr.

Auch im Fall ASE Investments könnten finanzielle Verpflichtungen auf die Bank zukommen. Eine Anwaltskanzlei prüft im Auftrag der Bank den Fall. Wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen? Ich denke gegen Ende Oktober 2012.

Die BKB betreibt nach wie vor eine Filiale in Zürich. Man hört, dass es viele Personalwechsel gegeben hat. Halten Sie an der Filiale fest? Sicher, das ist ein wichtiger Standort für uns. Wir werden uns hier aber vermehrt auf die Verwaltung des Geldes von Schweizer Kunden konzentrieren und die Zusammenarbeit mit externen Vermögensverwaltungen neu ausrichten. Aber auch dort gab es im ersten Halbjahr einen Nettoneugeldabfluss. Die meisten US-Kunden wurden von dieser Filiale aus betreut.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat den Ausblick der BKB nebst anderen Banken auf negativ gesetzt. Grund: Die Risiken im Immobiliengeschäft nehmen zu. Wie sehen Sie das? Dazu möchte ich sagen: Unser ausgezeichnetes Rating AA+ wurde be­stätigt. Der Ausblick aller von ­Standard & Poor’s gerateten Schweizer Banken wurde von positiv auf ­negativ geändert. Dies, weil der Schweizer Immobilienmarkt einzelne Überhitzungszeichen aufweist, ja.

Die BKB bietet derzeit sehr gute Kon­ditionen an. Wie strikt sind Sie bei der Vergabe von Krediten? So strikt wie schon lange nicht mehr, wir treten vermehrt auf die Bremse. Gerade bei diesem sehr tiefen Zins­niveau ist dies unerlässlich. Wir gehen bei jedem Kunden Szenarien durch, etwa ob er die Kosten auch noch bei einem Zins von 4,5 Prozent tragen könnte. Diese Tragbarkeitsrechnung ist sehr wichtig, denn irgendwann werden die Zinsen wieder steigen.

Herr Matter, die BKB kommt seit ­Monaten nicht mehr aus den Negativschlagzeilen raus. Wie geht es Ihnen eigentlich dabei? Sind Sie frustriert? Mir geht es gut, aber zweifelsohne ist es eine anspruchsvolle Zeit. Damit muss ich leben. Ich bin überzeugt, dass bald wieder bessere Zeiten ­kommen.

Basler Zeitung

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