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«Wir haben uns damals gewundert, wer all diese Kunden übernahm»

Oswald Grübel äusserte sich erstmals seit seinem Abgang bei der UBS ausführlich in einem Interview. Der ehemalige Konzernchef geht mit den Schweizer Banken hart ins Gericht.

Die Schweizer Banken sollten «mit einer Stimme auftreten»: Oswald Grübel.
Die Schweizer Banken sollten «mit einer Stimme auftreten»: Oswald Grübel.
Keystone

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel äussert sich in einem Interview zu seinem Abgang, aber auch zur gegenwärtigen Situation des Bankenplatzes Schweiz. Die Politik und die betroffenen Banken müssten viel enger zusammenarbeiten, sagt der ehemalige UBS-Konzernchef gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung (NZZ)».

Grübel spielt auf den aktuellen Bankenstreit mit den USA an, der am 27. Januar im Verkauf der Bank Wegelin an die Raiffeisen-Gruppe gipfelte. Die Schweizer Privatbank wurde inzwischen vom US-Justizministerium wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. Grübel geht mit dem hiesigen Finanzplatz hart ins Gericht: Der Fall Wegelin zeige letztlich, dass sich die Schweizer Banken beim Thema Steuerhinterziehung an die Gesetze auch im Ausland halten müssen, so der ehemalige UBS-Chef.

Kundenübernahme der UBS war ein Fehler

Die Politik habe mit ihrer Rede von der Weissgeldstrategie den Banken keinen Gefallen getan. So sei im Ausland automatisch impliziert worden, dass die Schweizer Finanzinstitute eine «Schwarzgeldstrategie» fahren würden.

Ein Fehler sei zudem gewesen, dass die kleineren Banken in den Jahren 2008 und 2009 die abgewanderten amerikanischen Kunden einfach so übernommen hätten: «Das war eine grosse Fehlentscheidung», sagt Grübel gegenüber der «NZZ». «Wir haben uns damals gewundert, wer all diese Kunden übernahm.» Die gegenwärtige Situation sei zwar schwierig, doch sei die Krise mit den USA für die Schweizer Banken eine Chance, «endlich mit einer Stimme» aufzutreten, so Grübel.

Auch betreffend Euro ist der ehemalige UBS-Präsident nicht hoffnungslos. Jedenfalls wenn man den Vergleich zur Konkurrenzwährung Dollar zieht: «Ich würde den Euro vorziehen, weil die Probleme von der Materie her viel weniger gravierend als beim Dollar sind.»

«Abgang von Kengerter hätte der UBS nicht geholfen»

Zu seinem damaligen Abgang am 24. September 2011 äussert sich Grübel folgendermassen: «Es wäre tatsächlich einfach gewesen, die Sache anders zu lösen.» Damit spielt der ehemalige Konzernleiter darauf an, dass auch der Chef der Investmentbank, Carsten Kengerter – der direkte Vorgesetzte des Milliardenbetrügers Kweku Adoboli –, seinen Posten hätte räumen können. Doch sein Abgang hätte der UBS letztlich «auch nicht geholfen». Auch er könne einen solchen Vorfall nicht zu 100 Prozent verhindern. «Ich wollte sowieso fünf, sechs Monate später zurücktreten», sagt Grübel.

Auf seine private Situation angesprochen sagt Grübel, dass er gegenwärtig keine Beratermandate annehmen würde. «Nein», er arbeite für niemanden mehr, ausser für sich selbst. Er treffe sich mit Leuten und Kunden, die ihn sehen wollen – «um sich auszutauschen». «Hauptsächlich verwalte ich mein eigenes Vermögen», sagt Grübel.

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