Zum Hauptinhalt springen

Wie Trump in Basel für Hektik sorgt

Wenn der US-Präsident Big Pharma an die Kandare nimmt, trifft das auch Novartis und Roche. Was die USA für die beiden Schweizer Mega-Konzerne bedeuten.

Mit dem neuen US-Präsidenten am gleichen Tisch: Novartis-Chef Joe Jimenez (hinten links) mit Branchenkollegen im Weissen Haus. (31. Januar 2017)
Mit dem neuen US-Präsidenten am gleichen Tisch: Novartis-Chef Joe Jimenez (hinten links) mit Branchenkollegen im Weissen Haus. (31. Januar 2017)
RON SACHS, Keystone

Nachdem Donald Trump seine Unterschrift unter das umstrittene Einwanderungs-Dekret gesetzt hatte, kam umgehend Widerstand aus der Wirtschaft. «Ich bin hier, weil ich ein Flüchtling bin», sagte etwa Google-Mitgründer Sergey Brin. «Ohne Einwanderung würde es Apple nicht geben», schrieb Apple-Chef Tim Cook. Facebook, Netflix oder Twitter kritisierten die Massnahme des neuen Präsidenten ebenso heftig.

Nicht nur Technologiefirmen zeigten sich bestürzt, auch Banken, Dienstleister und klassische Industriefirmen äusserten sich negativ. «Respekt für alle Menschen ist ein Kernwert bei uns. Darum unterstützen wir diese Politik nicht», sagte etwa Ford-Chef Mark Fields. Eine Branche blieb dagegen auffallend still. Aus der Pharmaindustrie gab es kaum Worte gegen Trump. Und dies obwohl ein Drittel der Mitarbeitenden in der Forschung in den USA gemäss Zahlen der George Mason University aus dem Ausland stammen.

Der mit Abstand grösste Markt

Die Zurückhaltung ist nicht verwunderlich. Für Dienstag hatte Trump die Chefs der Pharmakonzerne ins Weisse Haus geladen. Im Wahlkampf und nach Amtsantritt hatte er die Arzneimittelhersteller wegen ihrer hohen Preise und zunehmenden Verlagerung von Stellen ins Ausland kritisiert. Vor dem Treffen wollte es wohl kein Unternehmen mit dem Präsidenten verscherzen. Auch Novartis-Chef Joe Jimenez machte Trump seine Aufwartung.

Die USA sind für Pharmakonzerne fundamental. Mit einem jährlichen Umsatzvolumen von 423 Milliarden Dollar sind sie mit Abstand der wichtigste Markt der Welt. China als Nummer zwei und Japan als Nummer drei sind nicht mal ein Fünftel so gross. Auch die Schweizer Branchengrössen sind deshalb zwischen Los Angeles und New York dick im Geschäft.

Roche und Novartis dick im Geschäft

Roche beschäftigt in Nordamerika 25'494 Personen, die meisten davon in den Vereinigten Staaten. Das ist ein Viertel der gesamten Belegschaft. San Francisco ist neben Mannheim und Penzberg in Deutschland, Shanghai in China und Tokio in Japan einer der fünf grössten Standorte des Konzerns. Fast jeden zweiten Umsatzfranken oder insgesamt 22 Milliarden Franken erarbeiten die Basler in den Vereinigten Staaten. Beim lokalen Konkurrenten Novartis sieht es genauso aus. Er macht mehr als ein Drittel seines Umsatzes oder 17,1 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten.

Fotos – Big Pharma (mit Joe Jimenez) im Weissen Haus:

Die Aktien von Novartis haben wegen der Aussagen Trumps nach dem Treffen vorübergehend deutlich ins Minus gedreht: Joe Jimenez (hinten links) beim Treffen mit dem US-Präsidenten. (31. Januar 2017)
Die Aktien von Novartis haben wegen der Aussagen Trumps nach dem Treffen vorübergehend deutlich ins Minus gedreht: Joe Jimenez (hinten links) beim Treffen mit dem US-Präsidenten. (31. Januar 2017)
Ron Sachs/EPA, Keystone
Trump hat am Treffen mit den Konzernchefs verlauten lassen, dass die Pharmapreise sinken müssten.
Trump hat am Treffen mit den Konzernchefs verlauten lassen, dass die Pharmapreise sinken müssten.
Ron Sachs/Getty
Nach dem Treffen gaben die Vertreter der Pharmaindustrie eine Pressekonferenz vor dem Weissen Haus: Joe Jimenez (l.) mit den Pharma-Vertretern.
Nach dem Treffen gaben die Vertreter der Pharmaindustrie eine Pressekonferenz vor dem Weissen Haus: Joe Jimenez (l.) mit den Pharma-Vertretern.
Susan Walsh/AP, Keystone
1 / 4

Der Markt ist nicht nur gross, sondern auch in hohem Mass selbstversorgend. Die meisten Medikamente werden in den USA selbst produziert. 810'000 Menschen arbeiten in der Branche. Rechnet man die Zulieferer hinzu, kommt man auf eine Zahl von 3,4 Millionen abhängiger Jobs. Das zeigen Zahlen des Handelsministeriums der USA.

Wenig Importe

Es ist keineswegs so, dass Pharmafirmen vor allem im Ausland produzieren lassen. Nur zwischen 25 und 40 Prozent der verbrauchten Arzneien (je nach Quelle und Zählweise) werden in den USA aus dem Ausland importiert. Die wichtigsten Lieferländer sind hauptsächlich Industriestaaten: Irland, Deutschland, die Schweiz und Israel. Die vier Staaten steuern rund die Hälfte aller US-Einfuhren bei. Indien kommt als erstes Entwicklungsland mit einem Anteil von knapp 7 Prozent auf Rang fünf.

Doch bei der Forschung verloren die USA in den vergangenen Jahren Marktanteile. Zwar ist der Pool an Talenten dank hervorragender Universitäten riesig. Doch die Kosten sind höher als etwa in China oder Singapur, wo beispielsweise auch Roche und Novartis zunehmend forschen lassen. Auch die Produktion ist teurer als anderswo. Die hohen Verkaufspreise für Medikamente in den USA machten diesen Nachteil bisher zu einem guten Teil wett.

«Treibt die Kosten direkt nach oben»

Wenn Trump dagegen vorgehen will und die Medikamentenpreise als «astronomisch» bezeichnet, gefährdet er also gerade den Standort, den er schützen will. Auch die vom Republikaner angekündigten Steuern auf Pharmaimporten wirken sich negativ aus. «Das wird das Gesundheitssystem der USA durcheinanderwirbeln. Es treibt die Kosten direkt nach oben», so Pharmaexperte Jeff Wiesel zur Wirtschaftszeitung «Wall Street Journal».

Trump musste der Branche also zwingend etwas zum Ausgleich anbieten. Tiefere Steuern, weniger Regulierung und schnellere Zulassungen sind die drei Dinge, die er anbot. Damit zeigten sich die Chefs auch vorerst zufrieden. Die Chance ist aber durchaus da, dass es am Ende bestenfalls ein Nullsummenspiel wird.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch