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Wie die «Geheimoperation UBS» ablief

Seit dem Wochenende war klar: Der Bund muss die UBS retten. Den Plan dazu verfasste die Nationalbank, wenig zu sagen hatte die Finanzverwaltung.

Ab Samstag gab es für Peter Siegenthaler kein Zurück mehr. In den Augen des Direktors der Eidgenössischen Finanzverwaltung war die Entwicklung der Finanzmärkte in den vorangegangen Tagen derart dramatisch – «da war es war klar, dass sich die UBS ihre Eigenmittelbasis nicht über private Investoren wird stärken können». Am Montag zuvor waren UBS, Nationalbank und Finanzverwaltung übereingekommen: Sollte die Bank innert Wochenfrist auf dem Markt nicht genügend Geld auftreiben, würde der Bund einspringen

Zu Beginn dieser Woche ist das offizielle Gesuch um Staatshilfe beim Bundesrat denn auch eingetroffen. «Ab diesem Zeitpunkt durfte unser Unterstützungsprogramm nicht mehr hinausgezögert werden», erzählt Siegenthaler. So sprach der Bundesrat am Mittwochvormittag seinen Beitrag von 6 Milliarden an die UBS; am Nachmittag gab die kurzfristig einberufene Finanzdelegation des Parlaments grünes Licht. Immerhin waren zum Schluss gut 100 Mitarbeiter der Bundesverwaltung wenigstens über Aspekte der geplanten Aktion informiert. «Und es war oberstes Gebot, dass keine Gerüchte in die Welt gesetzt werden. Die Börsen spielen auch ohne unseren Beitrag verrückt genug.» Deutlicher wird ein Mitarbeiter im Wirtschaftsdepartement: «Wäre nur ein konkreter Hinweis nach aussen gedrungen, hätte die UBS vollends abstürzen können.»

Tatsächlich verlief die Mission in Bezug auf die Geheimhaltung erfolgreich: Die Communiqués lagen gestern um sieben Uhr vormittags im Medienzentrum des Bundes auf – erst jetzt erfuhr die Öffentlichkeit vom Hilfspaket für die UBS.

Bankiervereinigung war Ko-Autorin

Etwas im Halbdunkel gelassen wurden Herr und Frau Schweizer über die Rolle der einzelnen Protagonisten bei der Erarbeitung der gestern vorgestellten Lösung. Hauptakteurin auf Seiten des Bundes war die Nationalbank. Sie zeichnet im Grundsatz sowohl für das eigene Engagement wie für das 6-Milliarden-Programm des Bundes verantwortlich. Gut informierte Kreise in der Verwaltung nennen allerdings noch einen wichtigen Ko-Autor des Rettungsplanes: die Bankiervereinigung.

Für den Einfluss des Finanzplatzes bei der Ausgestaltung des UBS-Pakets spricht der Umstand, dass Finanzdepartement und Nationalbank spätestens Ende September, nach Bekanntwerden des ursprünglichen 700-Milliarden-Dollar-Plans der US-Regierung intern die Devise herausgaben: Sollten die hiesigen Grossbanken in Turbulenzen geraten, wird die Eidgenossenschaft lediglich Überbrückungslösung anbieten, ohne sich in deren Geschäft einzumischen.

Dabei liebäugelten Teile der Finanzverwaltung zu diesem Zeitpunkt mit der Idee, ob sich der Bund Aktien mit oder ohne Stimmrecht erwerben solle. Von solchen Erwägungen sei man aber rasch abgerückt, sagt Peter Siegenthaler: «Die Erwartungen des Bundesrats gingen unmissverständlich in die Richtung, dass der Staat nicht direkt Miteigentümer einer einzelnen Bank werden soll.»

Überhaupt hatte die Finanzverwaltung in der ganzen Geschichte nicht sehr viel zu bestellen. UBS, Nationalbank und Eidgenössische Bankenkommission hatten sich schon längere Zeit über ein Unterstützungspaket unterhalten, als Anfang Oktober auch die Finanzverwaltung in die Verhandlungen miteinbezogen wurde. Dem Vernehmen nach hatten sich die Akteure zu diesem Zeitpunkt auf die grossen Linien der staatlichen Massnahmen bereits geeinigt.

Kurer in die Zange genommen

Gleichwohl verwahrt sich Peter Siegenthaler gegen den Eindruck, der Bund habe einfach ein Wunschpaket für die UBS geschnürt. Beispielsweise habe die Grossbank mit den Konditionen bei den Pflichtwandelanleihen eine Kröte schlucken müssen – die Bank hätte gerne kürzere Laufzeiten gehabt. Ebenfalls wenig erfreut habe sich die UBS über die Forderung des Bundes gezeigt, dass sie die Boni und Abgangsentschädigungen nicht mehr nach eigenem Gutdünken entrichten kann, sondern nach europäischen Standards.

Den wahrscheinlich unangenehmsten Termin in Bundesbern hatte UBS-VR-Präsident Peter Kurer indes am Mittwoch zu bestehen. Die sechsköpfige Finanzdelegation des Parlaments nahm ihn kräftig in die Zange. Ein Nationalrat räumt ein, man habe Kurer wohl nicht zuletzt darum hart angefasst, weil man der vom Bundesrat beschlossenen «Verordnung über die Rekapitalisierung der UBS» ohnehin nur noch zustimmen konnte. «Ein Nein hätten wir uns nicht leisten können. Die Schweiz wäre ansonsten ins Hintertreffen gelangt.»

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