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Wer hat den Mut und kauft BP?

Der britische Erdökonzern ist an der Börse inzwischen weniger wert, als alle seine Vermögenswerte zusammengerechnet. Ein Schnäppchen? Ein möglicher Käufer muss mit dem Schlimmsten rechnen.

Wie viel Milliarden Dollar wert ist BP? Laut der Börse weniger, als noch an Vermögenswerten im Konzern steckt.
Wie viel Milliarden Dollar wert ist BP? Laut der Börse weniger, als noch an Vermögenswerten im Konzern steckt.
Reuters

Lange galt der Energiekonzern BP als das Kronjuwel unter Grossbritanniens Konzernen. Doch dem edlen Stück droht die Verramschung. Die Ölpest im Golf von Mexiko lässt das Undenkbare langsam plausibel erscheinen: eine Übernahme des geschwächten BP-Konzerns durch einen Mitbewerber. BP steht vor Problemen, die auch den machtvollsten Konzern in die Knie zwingen könnten. Die Folgekosten der Ölpest dürften die Firma einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten, der Aktienkurs ist dramatisch abgestürzt und die US-Regierung setzt das Unternehmen unter politischen Druck.

Investoren diskutieren offen über einen möglichen Verkauf von BP. Durch das Öldebakel büsste der Konzern Dutzende Milliarden Dollar an Marktwert ein, er könnte zur leichten Beute werden. Die britische Bank Standard Chartered etwa brachte eine Übernahme durch den chinesischen Staatskonzern PetroChina ins Spiel. Ökonomisch könnte eine solche Übernahme Sinn machen, erklären Analysten der Bank - die für einen solchen Fall aber mit politischem Widerstand in Grossbritannien rechnen: «Wir erwarten eine grosse Dosis Skepsis.»

103 Milliarden Dollar

Andere Experten gehen davon aus, dass BP-Mitbewerber wie Shell oder Exxon bereits die mögliche Beute fest in den Blick genommen haben. «Die Gerüchte sind vor ein paar Wochen aufgekommen», sagt der Energieanalyst Phil Flynn von PFG Best. «Wenn man bedenkt, das der Aktienkurs stark gefallen ist und das Unternehmen nun sogar unter Buchwert gehandelt wird, dann werden manche Leute eben aufmerksam.»

Der Buchwert von BP, also die Summe seiner reinen Vermögenswerte, wurde Ende März auf 103 Milliarden Dollar veranschlagt. Der Wert aller BP-Aktien zusammengerechnet liegt derzeit unter diesem Wert. Für potenzielle Käufer heisst das: BP könnte ein gewaltiges Schnäppchen sein. Gegen eine rasche Übernahme von BP dürfte allerdings sprechen, dass jeder Käufer damit die Verpflichtungen des Konzerns aus der Ölpest gleich mit übernehmen würde. «Wer würde jetzt schon kaufen wollen, bevor wir überhaupt Klarheit haben über die Risiken und die künftige Regulierung?», fragt Flynn.

42'000 Jobs gefährdet

In den kommenden Wochen wird BP so oder so zeigen müssen, dass es den gewaltigen finanziellen Anforderungen gewachsen ist. Die US-Regierung verlangt die Übernahme der Kosten für die Gross-Reinigungsaktion im Golf und sie will BP auch für die ökonomischen Folgekosten in der Region heranziehen - etwa für den vorübergehenden Stopp von Ölbohrungen vor der US-Küste. Nach Berechnungen des American Petroleum Institute - das von der Ölindustrie finanziert wird - wird allein das Bohrmoratorium 42'000 Arbeitsplätze kosten mit Lohnausfällen von bis zu 330 Millionen Dollar.

Wegen der hohen Kosten für den Kampf gegen die Umweltkatastrophe erwägt BP nun eine Kürzung oder sogar Streichung der Dividende, wie BP-Chef Tony Hayward dem «Wall Street Journal» vom Freitag sagte. Er reagierte damit auf eine entsprechende Forderung der US-Regierung, die ihren Druck auf BP stetig steigen lässt. US-Präsident Barack Obama bestellte den Vorsitzenden des BP-Aufsichtsrates, Carl-Henric Svanberg, für kommende Woche ins Weisse Haus ein. Hayward soll zudem vor einem Ausschuss des US-Kongresses Rede und Antwort stehen.

Gigantischer politischer Druck

Vor allem der politische Druck bereitet Investoren zunehmend Sorgen. Trotz des günstigen Aktienkurses rät die Analystin Christine Tiscareno von Standard & Poor's nun nicht mehr zum Erwerb von BP-Aktien. «BP wird sich die Reinigungsaktion leisten können, es wird sich die Schadenersatzzahlungen leisten können», sagt sie voraus. «Was der Konzern möglicherweise nicht überlebt, ist die Regierung.»

AFP/cpm

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