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Wenn Banker hinter Gitter kommen

Zwei Händler der Credit Suisse verkauften dubiose Papiere als sichere Werte. Es geht um mehr als eine Milliarde Franken - doch dafür genügte offenbar ein einfaches Strickmuster.

Besser verkauft als erlaubt? Der ehemalige Credit-Suisse-Händler Eric Butler, nachdem er gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt wurde.
Besser verkauft als erlaubt? Der ehemalige Credit-Suisse-Händler Eric Butler, nachdem er gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt wurde.
Keystone
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Die Finanzkrise kann jeden und jede treffen, oder anders gesagt: Da kann einer noch so vorsichtig sein - wenn er Pech hat, investiert er sein Geld ahnungslos in dubiose Anleihen und bleibt schliesslich auf dem Ramsch sitzen. So lautet ein Fazit aus einem Fall, der seit vorgestern die Wall Street erschüttert.

Öffentlich wurde er mit einer Verhaftung am Mittwoch früh: Da führten FBI-Beamte in Manhattan den ehemaligen Wallstreet-Händler Eric Butler, 36, in Handschellen ab. Ein zweiter Zugriff ging ins Leere, denn Butlers Kollege Julian Tzolov, 35, war untergetaucht. Erst gestern konnte ihn das FBI auf dem Kennedy-Flughafen in New York festnehmen.

Kein Wunder, erschien ein schneller Abgang für Tzolov als verlockende Alternative: Ihm und Butler drohen bis 25 Jahre Gefängnis und 5 Millionen Dollar Busse. Der Vorwurf des zuständigen Bundesstaatsanwalts in Brooklyn und der amerikanischen Börsenaufsicht SEC lautet auf Betrug und Verschwörung. Die Deliktsumme: über eine Milliarde Dollar. Beide Verdächtigten arbeiteten für die Credit Suisse in New York.

So sauber und solide wie Bargeld

Greifbar wird ein Fall von gewaltigem Kaliber, bei dem vor allem Unternehmen und institutionelle Kunden über den Tisch gezogen wurden. Allerdings: Aus der Anklageschrift von SEC-Ermittler Andrew Calamari lässt sich ein eher simples Strickmuster herauslesen. Die jungen Händler verkauften Wertpapiere, sogenannte Auction-Rate Securities (ARS), und informierten beziehungsweise beruhigten ihre Kunden mit dem Hinweis, diese Papiere seien gesichert durch Studentenanleihen. Damit weckten sie den Eindruck, das Investment sei so sauber und solide wie Bargeld. Denn schliesslich, so die angedeutete Idee, profitierten die Schuldner mit Namen wie «Calamos Student Loan» oder «Glacier Education Loan» vom grossen Vorteil amerikanischer Studentendarlehens-Kassen: Das Erziehungsministerium in Washington steht dafür gerade.

Damit wirkten die Papiere so mündelsicher wie eine Staatsanleihe. Bloss: Einen «Calamos Student Loan» gab es gar nicht. Butler und Tzolov - so jetzt der Vorwurf der Fahnder - hatten die ARS lediglich mit den mittlerweile berühmt-berüchtigten Subprime-Hypotheken, den ebenso berüchtigten «CDOs» und sogar mit Verträgen auf Wohnmobile gesichert. Kurz: Mit Schuldpapieren, die heute kaum noch ihre Tinte wert sind. Die Broker wiesen ihre Sekretärinnen dabei auch an, riskante Wörtchen wie «subprime» und «CDO» jeweils säuberlich aus dem Mailverkehr zu entfernen.

Trailerparks statt Harvard

Wie kess die Sprachspiele durchexerziert wurden, bekam ein Kunde aus der Schweiz zu spüren: Laut Anklage drehte ihm Tzolov Wertpapiere für 23,5 Millionen Franken an. Die Papiere einer Firma namens South Coast Funding V. Ltd. waren vor allem durch wacklige Zweitklass-Hypotheken abgesichert; der Schweizer Kunde aber bekam zu hören, sein Geld sei indirekt durch den South Coast Funding St Loan unterlegt - wobei der geneigte Leser das St wohl rasch einmal als «students» verstand. Er investierte also vermeintlich in hoffnungsfrohe Studenten und nicht etwa in Vorstadthäuser, deren Besitzer ihre Hypotheken kaum bezahlen konnten.

In den Jahren 2005 bis 2007 konnten die Händler mit solchen Tricks hohe Kommissionen einstreichen: Denn je riskanter ein Papier, desto besser der Prozentsatz für den Broker. Als die Credit Suisse im September 2007 davon erfuhr, entliess sie die beiden Papierveredler «promptly», so ihre Mitteilung von gestern. Und umgehend habe man auch die Regulierungsbehörde informiert.

Klar ist, dass Eric Butler und Julian Tzolov als unschuldig zu gelten haben. Butler plädierte vor dem Gericht auf unschuldig; gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar kam er am Donnerstag auf freien Fuss. Ironie der Geschichte: Er musste dafür seine Wohnung in Manhattan als Sicherheit hinterlegen.

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