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Warum die Foxconn-Arbeiter mit Massenselbstmord drohten

150 Angestellte des Apple-Zulieferers Foxconn drohten Anfang Januar, vom Dach einer Fabrik in China zu springen. Der Konzern hatte Gelder nicht ausbezahlt. Nun äussern sich die Arbeiter zu den Gründen der Aktion.

Verlangen besseren Schutz: Foxconn-Arbeiter verlangen besseren Schutz, nachdem Angestellte bei einer Explosion in einer Fabrik starben. (Mai 2011)
Verlangen besseren Schutz: Foxconn-Arbeiter verlangen besseren Schutz, nachdem Angestellte bei einer Explosion in einer Fabrik starben. (Mai 2011)
Keystone
Nach dem Selbstmord von vierzehn Arbeitern: Menschen demonstrieren in Hong Kong vor dem Apple-Store gegen die Bedingungen bei Foxconn. (Juni 2010)
Nach dem Selbstmord von vierzehn Arbeitern: Menschen demonstrieren in Hong Kong vor dem Apple-Store gegen die Bedingungen bei Foxconn. (Juni 2010)
Reuters
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Schon 2010 war der Elektronikkonzern Foxconn in die Schlagzeilen geraten. Damals sorgten 14 Suizide von Angestellten einer Niederlassung in China für eine kurzzeitige Debatte über die Arbeitsbedingungen in der Firma. Nun gerät Foxconn erneut in den Fokus der internationalen Presse: Anfang Januar protestierten 150 Arbeiter einer Foxconn-Fabrik gegen die Geschäftsleitung, indem sie mit Massenselbstmord drohten.

Die Angestellten waren auf das Dach der Produktionsstätte in Wuhan geklettert und drohten, herunterzuspringen. Der Disput, so die englische Zeitung «The Independent», drehte sich um die Schliessung eines Produktionszweigs und die damit verbundene Verkleinerung der Belegschaft. Foxconn hatte freiwilligen Abgängern eine Kompensation versprochen, diese schliesslich aber nicht ausbezahlt.

«Militärischer Führungsstil»

Dank des Verhandlungsgeschicks des Bürgermeisters konnte der Disput nach einiger Zeit beigelegt werden, ohne dass Personen zu Schaden kamen. Nichtsdestotrotz zeigt der Fall laut «Daily Telegraph» einmal mehr, dass die Arbeitsbedingungen in Chinas Elektronikfabriken eine ernst zu nehmende Problematik darstellten. Am Protest beteiligte Arbeiter berichteten der Zeitung von einem «militärischen Führungsstil», von widrigen Arbeitsbedingungen und unregelmässiger Bezahlung. «Die Fliessbänder laufen extrem schnell», äusserte sich eine Angestellte anonym. «Innerhalb eines Morgens kriegt man Blasen an den Fingern, und die Hände werden pechschwarz.» Obendrein sei die Staubbelastung in der Fabrikhalle so hoch, dass man es kaum eine ganze Schicht im Raum aushalte.

Dabei handelt es sich bei weitem nicht um den einzigen Report, der von unhaltbaren Zuständen in den Produktionsstätten von Foxconn und der Elektronikindustrie im Allgemeinen berichtet. In der Fabrik von Longhua, dem Foxconn-Flaggschiff in China, verlassen gemäss «Daily Telegraph» monatlich fünf Prozent der Angestellten den Betrieb; das sind rund 24'000 Arbeiter. Der stets steigende Druck auf die Produktionskosten in der Branche werde auf die Arbeiter abgewälzt; für sie werde der Alltag in den Fabriken immer härter.

Nach der Suizidwelle von 2010, bei der sich in einem Jahr vierzehn Foxconn-Mitarbeiter umbrachten, reagierte der Konzern mit Lohnerhöhungen und Hilfsangeboten für gestresste Angestellte. Doch die Gesamtsituation scheint sich für die Fabrikarbeiter nicht gross verändert zu haben. «Wir streiken, weil wir es da drin nicht mehr aushalten», sagte eine der Aktivistinnen, welche in Wuhan auf das Dach stiegen. «Es geht nicht um das Geld. Es geht darum, dass uns sonst niemand zuhört.»

Weltweiter Zulieferer

Die taiwanische Firma Foxconn beschäftigt in China allein fast eine Million Arbeiter. Der Produzent von Elektrogeräten ist einer der grössten Zulieferer für Apple, Dell, HP und Microsoft. Letztere äusserte sich gegenüber dem Nachrichtensender CNN zum Vorfall in Wuhan, wo die Xbox hergestellt wird. Man werde der Sache nachgehen, hiess es vonseiten des Konzerns. «Microsoft nimmt die Arbeitsbedingungen in den Zulieferfabriken sehr ernst.» Mit angeblich unhaltbaren Zuständen in der Fabrik habe der angedrohte Massenselbstmord nichts zu tun gehabt.

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