Zum Hauptinhalt springen

«Wahnsinn»: 1,35 Milliarden für ZKB-Informatik

Die Zürcher und Waadtländer Kantonalbanken träumten von einer gemeinsamen Bank. Das Projekt ist gescheitert. Der ZKB laufen die Kosten aus dem Ruder.

Der Übungsabbruch koste die ZKB «weniger als 10 Millionen Franken», sagte ZKB-Chef Martin Scholl letzte Woche (TA vom Samstag). Das sind gemäss ZKB-Sprecher Roman Oberholzer Kosten, die für Vorarbeiten für das geplante Gemeinschaftsunternehmen bereits erbracht worden sind. Die Zürcher und die Waadtländer wollten die rückwärtigen Dienstleistungen - die technische Abwicklung von Handel, Zahlungs- und Wertschriftenverkehr - in einem neuen Dienstleistungszentrum bündeln. Seit April 2007 waren deshalb beide Banken damit beschäftigt, alle Bereiche einer vertieften Analyse zu unterziehen.

Schon diese «weniger als 10 Millionen» erzählen nur die halbe Wahrheit. Ein ZKB-Mitarbeiter berichtet nämlich, dass diese Analysen zu einem grossen Teil neben der eigentlichen Arbeit durchgeführt werden mussten. Will heissen: Die ZKB-Leute haben Überstunden gebolzt, die in den Projektkosten gar nicht erst auftauchen.

Fachleute reiben sich die Augen

Das eigentliche Problem sind aber nicht die Projektarbeiten, die mit dem Abbruch der Übung vergeblich geleistet wurden. Der Knackpunkt sind die explodierenden Informatikkosten. Seit 1999 ist die ZKB damit beschäftigt, eine neue Informatikplattform zu entwickeln. Diese sollte die Basis für das Gemeinschaftsunternehmen mit den Waadtländern werden. 80 Prozent der Plattform sind heute erstellt. 1,1 Milliarden Franken hat das die Bank bis jetzt gekostet. Die Fertigstellung, die trotz Ausstieg der Waadtländer nicht infrage gestellt ist, kostet laut Oberholzer weitere 250 Millionen.

1,35 Milliarden Franken für die IT-Plattform einer Kantonalbank - die Fachwelt reagiert irritiert. «Das ist Wahnsinn», ist der spontane Kommentar des Chefs eines Anbieters für Bankensoftware. Der Topmann eines andern Softwareentwicklers sagt: «Da ist extrem viel Geld geflossen.» Für die ZKB sei der Projektabbruch «ein furchtbarer Rückschlag».

Incore führt die ZKB vor

Auch Jack Hertach, Chef der Incore-Bank, kann es kaum fassen, «dass man so viel Geld für Informationstechnologie ausgeben kann». Mit der Incore-Bank hat er realisiert, was die ZKB mit den Waadtländern auch wollte: eine Transaktionsbank, die die Bankgeschäfte technisch abwickelt. Sie ist ein Kind der Zürcher Privatbank Maerki Baumann, die unter dem Namen Legando eine eigene Software entwickelt hat. Die Investitionskosten für Legando beziffert Hertach mit 17 Millionen Franken. Die Weiterentwicklung für Incore kostete zusätzliche 11 Millionen.

Vier Banken wickeln heute ihre Geschäfte über die Incore-Bank ab. Zwei weitere werden voraussichtlich demnächst dazustossen. Einer der Kunden ist die Zuger Kantonalbank. Deren Chef Toni Luginbühl äussert sich nur positiv: «Wir sind absolut zufrieden. Das System hat sich unheimlich gut bewährt.»

Mehrkosten fressen Einsparungen

Investitionen von 25 Millionen Franken stehen solchen von 1,35 Milliarden der ZKB gegenüber. Als Universalbank müsse man nicht nur den Handel und die Wertschriftenabwicklung, sondern auch den Zahlungsverkehr bewältigen, argumentiert Oberholzer. Dazu komme - gerade im Zahlungsverkehr - das grosse Volumen. Dass die Incore-Bank eine geringere Masse bewältigen muss, räumt Hertach ein. Alle sonst von der ZKB genannten Leistungen erbringe auch die Legando-Plattform.

Die Fachleute sind sich einig, dass der ZKB die IT-Kosten davonlaufen. Die Bank selbst redet lediglich von höheren Kosten als budgetiert. Oberholzer weist zudem darauf hin, dass die neue Plattform auch Einsparungen bringe - pro Jahr ein tiefer zweistelliger Millionenbetrag. Dem stehen allerdings die entgangenen Einsparungen gegenüber, die das Gemeinschaftsunternehmen hätte bringen sollen - eine hohe zweistellige Millionensumme.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch