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VW will 8,5 Millionen Autos zurückrufen

Im Skandal um Abgasmanipulationen will Volkswagen in Europa insgesamt 8,5 Millionen Fahrzeuge zurückrufen. Deutschland zwingt VW zum Rückruf von 2,4 Millionen Autos.

Deutschland lehnt die von VW vorgeschlagene freiwillige Nachrüstung ab: Zahlreiche Fahrzeuge werden zurückgerufen. (18. September 2006)
Deutschland lehnt die von VW vorgeschlagene freiwillige Nachrüstung ab: Zahlreiche Fahrzeuge werden zurückgerufen. (18. September 2006)
Keystone

VW will in Europa insgesamt 8,5 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, wie der Konzern am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Bisher hatte Volkswagen von acht Millionen betroffenen Fahrzeugen in ganz Europa gesprochen. «Volkswagen wird aktiv auf seine Kunden zugehen und diese informieren», teilte das Unternehmen mit. Mit der Nachbesserung der Fahrzeuge soll - wie von VW geplant und vom KBA angeordnet - ab Januar 2016 begonnen werden.

Zuvor hatte das Kraftfahrt-Bundesamt für Deutschland einen Rückruf von 2,4 Millionen VW-Dieselfahrzeugen angeordnet. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) ordnet wegen des Abgasskandals bei Volkswagen einen verpflichtenden Rückruf aller Dieselfahrzeuge mit der manipulierten Software an. «Wir ordnen den Rückruf an», sagte ein Sprecher der Behörde.

Freiwillige Reparatur abgelehnt

Die von VW vorgeschlagene freiwillige Reparatur lehnte die Zulassungsbehörde ab. VW hatte dem KBA vergangene Woche einen Plan vorgelegt, wie die mit der Betrugssoftware ausgestatteten Fahrzeuge in Deutschland in Ordnung gebracht werden sollen. Diesen hatte die Behörde seither geprüft.

Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt hatte vergangene Woche bereits über Pläne von Volkswagen für einen umfassenden Rückruf berichtet. Davon seien Fahrzeuge mit Euro-5-Dieselmotoren der Grösse 2 Liter, 1,6 Liter und 1,2 Liter Hubraum betroffen.

Technisch spreche VW bei den 2-Liter-Motoren von einer Softwarelösung, die in diesem Jahr vorliegen solle und ab Beginn des nächsten Jahres neu aufgespielt werden könne. Bei den 1,6-Liter-Motoren werde zusätzlich zu einer neuen Software mit grosser Sicherheit eine motortechnische Anpassung nötig sein, die laut Volkswagen nicht vor September 2016 zu erwarten sei.

Zeitplan unbekannt

Unklar war zunächst, wie der Zeitplan für den Rückruf aussehen soll. Das Kraftfahrtbundesamt verwies für alle Details an das Verkehrsministerium. Dobrindt wollte am späten Vormittag vor die Medien treten. Im September hatte er von 2,8 Millionen betroffenen VW-Fahrzeugen gesprochen.

Die Differenz zu den 2,4 Millionen Autos, für nun ein Rückruf angeordnet wurde, war ebenfalls zunächst nicht zu klären. Am Nachmittag treffen sich in Brüssel die Regulierungsbehörden der einzelnen EU-Länder mit Vertretern der EU-Kommission, um über den Fortgang der Untersuchungen, den Informationsaustausch und einheitliche Testmethoden zu diskutieren.

Schweiz wartet ab

In der Schweiz wird noch abgewartet. Die VW-Importeurin Amag hofft, dass ihre Zusicherung auf einen freiwilligen Rückruf ausreicht. Die Amag sei auf einen Rückruf vorbereitet und diesbezüglich in enger Abstimmung mit dem Bundesamt für Strassen (Astra). «Wir haben dem Astra zugesichert, dass wir die Rückrufaktion übernehmen und diese daher nicht von Amtes wegen angeordnet werden muss», teilte die Amag am Donnerstag mit. Sobald die Amag die notwendigen Halteradressen vom Astra vorliegen habe, werde die Importeurin die betroffenen Kunden entsprechend informieren.

Der Verkehrs-Club der Schweiz dagegen fordert eine sofortige Rückrufaktion. «Die Schweiz muss nachziehen», heisst es in einer Mitteilung des VCS.

Das Astra ihrerseits wartet ab und beobachtet die Situation, wie ein Sprecher am Donnerstag auf Anfrage sagte. Das Astra werde später entscheiden, welche Massnahmen ergriffen werden sollen. In der Schweiz verkehren 128'802 Autos mit der manipulierten Abgassoftware aus dem Volkswagenkonzern. Weltweit sind 11 Millionen Fahrzeuge vom Skandal betroffen.

VW trägt Kosten

Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller hatte in einem Zeitungsinterview Anfang Oktober gesagt, der Rückruf könne im Januar beginnen und werde sich voraussichtlich bis Ende 2016 hinziehen. Ein Grund seien verschiedene Kombinationen des betroffenen Motors EA 189 mit Getrieben sowie nach Ländern spezifische Auslegungen. «Wir brauchen also nicht drei Lösungen, sondern Tausende.»

Für die meisten Motoren genüge ein Software-Update in der Werkstatt. Manche Fahrzeuge benötigten aber auch neue Einspritzsysteme und Katalysatoren. Notfalls müssten die Autos umgebaut werden. Die Kosten trage Volkswagen. Auch ein Austausch von Autos gegen Neuwagen werde diskutiert.

Volkswagen hatte im September zugegeben, in den USA Diesel-Emissionswerte mit einer Software manipuliert zu haben. Dort drohen dem Autobauer hohe Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen.

Nach dem US-Justizministerium und der Umweltbehörde EPA nehmen nun auch die amerikanischen Wettbewerbshüter Ermittlungen gegen Volkswagen auf. Die Bundesbehörde wird unter anderem wegen irreführender Werbung aktiv. VW wirbt in den USA mit dem Slogan Clean Diesel. Weltweit sind bis zu elf Millionen Fahrzeuge mit der Manipulationssoftware unterwegs.

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