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Vorzeigefirma in der Krise: «Wir wissen nicht, wie unsere Lage in sechs Monaten aussieht»

Bisher eilte die Firma Brainstore von Erfolg zu Erfolg. Sie entwickelte das SBB-Abonnement Gleis 7 und die neue Coop-Jugendlinie Plan B. Doch nun hat die Krise auch die Bieler Ideenfabrik erfasst.

Der Sommer ist in Biel vorbei: Auch für die Firma Brainstore.
Der Sommer ist in Biel vorbei: Auch für die Firma Brainstore.
Keystone

Konjunkturforscher erwarten in der Schweiz für 2009 eine Rezession. Kriselt es auch bei Brainstore? Wir wissen im Moment nicht, in welcher Form die Krise uns trifft. Es gibt fast gleich viele positive Signale, wie negative. Wir erleben zurzeit eine sehr unsichere Zeit, denn viele Unternehmen befinden sich noch in einer Art Schockzustand. Und unter Schock macht man am liebsten gar nichts, sondern blickt zuerst nach links und rechts – und nicht nach vorne. Doch wartende Kunden sind nicht gut für uns.

Warum? Wenn die Wirtschaft boomt oder in der Krise steckt, dann wissen die Firmen, was sie wollen. In der Übergangszeiten warten sie lieber ab. Langsam löst sich die Zurückhaltung jedoch und die Lethargie der letzten sechs Monate verschwindet. Ich bin optimistisch: Zu viele Hiobsbotschaften können nicht mehr kommen, nach jedem Gewitter hört es einmal auf zu regnen.

Sind die Ideen von Brainstore in der Krise überhaupt gefragt? Ja. Viele Firmen wollen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zum Beispiel ihre Herstellungskosten senken. Wir können für sie dann ein entsprechendes Konzept entwickeln. Andere Firmen wollen neue Marktanteile gewinnen. Oder sie wenden sich an uns mit der Frage, wie man in Krisenzeiten ein gutes Produkt lanciert. Viele unserer Kunden – so zum Beispiel SBB, Coop oder Migros – sind gut aufgestellt. Sie brauchen auch jetzt Innovationsleistungen, also neue Ideen.

Wie steht es mit der Auftragslage? Wir schauen auf diesem schnelllebigen Markt nicht jahrelang voraus. Zurzeit sind unsere Auftragsbücher noch voll, doch wie es in sechs Monaten aussieht, wissen wir noch nicht. Auch die Ergebnisse des 4. Quartals stehen noch aus. Fest steht einzig, dass das 3. Quartal das beste Quartal in unserer Geschichte war.

Dann wurde Brainstore von der Krise kalt erwischt. Es kam für uns überraschend, dass die Krise so heftig zuschlug. Glücklicherweise expandierten wir 2007 nach Deutschland und haben in den USA ein Büro. Wenn man breiter aufgestellt ist, läuft man nicht Gefahr, in einem lethargischen Einzelmarkt blockiert zu werden.

Sie beschäftigen in Biel, Frankfurt und Long Beach 80 Mitarbeiter. Werden sie Personal entlassen müssen? Nein, wir planen zurzeit keine Entlassungen. Auch Kurzarbeit ist im Moment kein Thema. Sicher werden wir aber keine neuen Leute einstellen.

Wie lange hat Brainstore noch Geld? Zurzeit noch genug. Wir planen aber, mehr Aktien auszugeben, um unser Eigenkapital zu erhöhen. So wollen wir wichtige Entwicklungsschritte finanzieren: Zum Beispiel den Ausbau unseres Freelancer-Netzes.

Hinterlässt die Krise keine Spuren bei Brainstore? Die letzten sechs Monate waren hart und anstrengend. Wir haben gemerkt, dass wir uns verstärkt international ausrichten müssen. Zudem zeichnete sich eine Neupositionierung ab: Wir beliefern Firmen nicht mehr nur mit Ideen, sondern bilden unternehmensinterne Task-Forces aus, die für ihre Firmen selber Ideen kreieren. Wir sind also erwachsener geworden.

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