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Vorläufige Ruhe für Clariant

Das Chemieunternehmen muss weitere Monate auf Signale des neuen Ankeraktionärs warten.

Geduld gefragt. Berührungspunkte zu Sabic sind laut Hariolf Kottmann, CEO von Clariant, schon heute vorhanden.
Geduld gefragt. Berührungspunkte zu Sabic sind laut Hariolf Kottmann, CEO von Clariant, schon heute vorhanden.
Keystone

Die bewegte Geschichte von Clariant wird um ein weiteres Kapitel reicher – um eines, das jedoch gewisse Längen entwickeln könnte. Das Spezialchemieunternehmen muss noch Monate warten, bis klar wird, was die künftige Ankeraktionärin Sabic mit der Muttenzer Firma vorhat, wie Unternehmenschef Hariolf Kottmann der BaZ sagte.

«Die Sabic ist in einem Prozess, um von den Wettbewerbsbehörden in zehn oder elf Ländern grünes Licht für die Beteiligung zu erhalten. Ursprünglich war geplant, dass das Anfang Juni abgeschlossen ist und wir im September dann nach dreimonatiger Diskussion auch etwas liefern können. Jetzt rechnen wir mit der Clearance für Anfang oder Mitte September», erläuterte Kottmann. Es handle sich noch um zwei oder drei Länder, darunter Brasilien und Mexiko, in denen die Zustimmung für die Beteiligung fehle. Ohne diese Zustimmung sei der saudi-arabische Chemiekonzern Sabic auch kein Aktionär der Clariant.

Zähes Ringen

Dem geplanten Einstieg von Sabic ist ein zähes Ringen um die Ausrichtung von Clariant vorausgegangen: Das Unternehmen war über Monate von einer aktivistischen Investorengruppe unter Druck gesetzt worden. An deren Widerstand scheiterte im Oktober der Zusammenschluss mit dem amerikanischen Huntsman-Konzern. Ende Januar verkaufte die Gruppe namens White Tale jedoch ihren Aktienanteil von knapp 25 Prozent an die saudi-arabische Sabic. Clariant werde auch in Zukunft eine Firma mit Sitz in der Schweiz, mit eigener Konzernleitung sowie Verwaltungsrat und mit einer Börsennotierung in Zürich sein, sagte Kottmann damals.

Seither ist viel Zeit vergangen, ohne dass es zu einer echten Annäherung kommen durfte, wie Clariant-Chef Kottmann betont. «Wir sprechen miteinander, etwa über ein Governance Agreement und über verschiedene Projekte und Themen, die auch auf eine Zusammenarbeit hinwirken, aber die Teams treffen sich in der Gegenwart von Juristen. Der Detaillierungsgrad ist nicht sehr hoch.»

Berührungspunkte zwischen den Unternehmen sind laut Kottmann heute schon vorhanden: Das Ölgeschäft im Mittleren Osten sei schon immer ein Thema gewesen. Allerdings sei das im Mittleren Osten geförderte Öl vergleichsweise relativ rein, wenn es aus dem Boden komme. Anders als etwa in Brasilien oder in der Nordsee würden die Chemikalien der Clariant dort weniger gebraucht.

Im Gegenzug bezieht Clariant von Sabic sogenannte Grundchemikalien, aus denen sie Spezialchemie für den Einsatz bei Industriekunden oder in Konsumgütern herstellt. Clariant beliefere den saudi-arabischen Konzern hingegen unter anderem mit Katalysatoren – Stoffen, die chemische Prozesse beispielsweise erst ermöglichen oder beschleunigen können. Kottmann verspricht sich in diesem Feld durch eine Zusammenarbeit sowohl in Herstellung als auch bei Energiefragen Vorteile für beide Seiten.

Clariant als kleine Investition

Keine Beunruhigung löste bei Kottmann die Nachricht aus, wonach die grösste Erdölfördergesellschaft Saudi Aramco den Erwerb einer strategischen Beteiligung an Sabic prüfe. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte vergangene Woche berichtet, dass möglicherweise gar die gesamte 70-prozentige Beteiligung des saudi-arabischen Staatsfonds übernommen werden könnte.

«Gemessen an anderen Themen sind wir eine kleine Investition für Sabic», sagte Kottmann. In der Branche ist ein Trend erkennbar, wonach sich die ölfördernden Konzerne zu ihren eigenen Chemiefirmen bekennen oder neue Chemieunternehmen integrieren wollen, nachdem diese rund 15 Jahre zuvor abgestossen worden seien, wie Kottmann sagte.

Die zwischenzeitliche Erholung des Ölpreises spiegelt sich unterdessen noch nicht in den Zahlen von Clariant: Nach einem Umsatzplus von sieben Prozent im ersten Halbjahr auf 3,4 Milliarden Franken und einem deutlich verbesserten Betriebsgewinn spricht das Unternehmen von einem stabilen Wachstum, wie Finanzchef Patrick Jany sagte. Doch nicht in allen vier Geschäftsbereichen läuft es rund. Im Bereich Natural Ressources, dort, wo das Unternehmen mit den Ölförderern Geschäfte macht, steigen die Umsätze nur langsam. Dort sei Geduld gefragt, sagt Jany.

Geduld ist auch bei den Investoren das bestimmende Thema: Der Aktienkurs reagierte gestern wegen der absehbaren Verzögerungen beim Einstieg von Sabic mit Abschlägen. Hariolf Kottmann rechnet damit, dass jedwede Aussage von Sabic eine gewisse Stabilität für Clariant bringen werde. «Sei es, dass Sabic sagt, wir bleiben bei 25 Prozent und regeln unsere Einflussnahme anders oder wir erhöhen auf 30 Prozent oder wir übernehmen die Clariant ganz.» Vor allem die letzte Möglichkeit könnte die Kursfantasien der Anleger noch einmal anheizen und das nächste Kapitel für die Clariant bedeuten.

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