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UBS hat Fusion ins Auge gefasst

Vor der Bitte um Staatshilfe hat die UBS auch eine Fusion in Erwägung gezogen.

Dieses Szenario sei aber verworfen worden, sagte Verwaltungsratspräsident Peter Kurer in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung». «Wir hatten drei Szenarien geprüft: Szenario 1 lautete: Nichts machen und die Sache aussitzen, dieses Risiko wollten wir vor allem unseren Kunden nicht zumuten», sagte Kurer. Szenario 2 sei das, was die UBS jetzt gemacht habe.

«Und Szenario 3 bedeutete, einen Zusammenschluss zu suchen. Dies wäre rein ordnungspolitisch betrachtet wohl richtig gewesen, aber in der heutigen Situation halten wir das Risiko, dass man so etwas gar nicht richtig durchziehen kann, für zu gross, als dass ein vernünftiger Verwaltungsrat es verantworten kann. Davor hatten wir grossen Respekt», sagte Kurer.

«Das Problem war nicht, dass es schlecht um die UBS stand. Das Problem war, dass wir in den Turbulenzen der letzten Wochen befürchten mussten, gewisse Entwicklungen könnten in Zukunft die Sicherheit der Bank bedrohen», sagte Kurer der «NZZ».

Kreditmärkte immer schlechter

In der Folge des Kollapses der US-Investmentbank Lehman seien zwei Sachen passiert, sagte der UBS-Präsident in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger»: Erstens habe sich die Situation auf den Finanz- und vor allem auf den Kreditmärkten verschlechtert.

Zweitens hätten viele ausländische Regierungen eingegriffen, teilweise mit weitreichenden Garantien für Kundengelder und sogar Interbankenschulden. «Das hat zu einer Verzerrung geführt, die wir zunehmend als eine potenzielle Bedrohung angesehen haben», sagte Kurer der «NZZ».

«In dieser Situation befürchteten wir, dass wir an den Rand gedrängt werden könnten. Deshalb führten wir mit den Behörden Gespräche mit dem Ziel, das Gesamtsystem stabilisieren zu können», sagte Kurer dem «Tages-Anzeiger».

Wenn man schon Gegenmassnahmen ergreife, müssten diese radikal sein, sagte Kurer der «NZZ»: «Für die Behörden und für uns war klar, dass man diese in einem Umfang durchführen musste, dass man nachher wirklich sagen kann, man habe einen Befreiungsschlag geführt, nun gebe es keine oder fast keine heiklen Risiken mehr in der Bilanz.»

Privatkapital schwierig

Für den Hilferuf nach Bern seien zwei Dinge wesentlich: «Erstens haben wir schon zweimal den Kapitalmarkt bemüht, um eine Kaptialerhöhung zu machen», sagte Kurer. Ein drittes Mal wäre dies schwierig geworden.

«Zweitens wollten wir jetzt die Sache rasch abschliessen. Ich glaube, dass wir durchaus auch Kapital auf dem Privatmarkt erhalten könnten, aber wir hätten mehr Zeit dafür gebraucht», sagte Kurer.

Zu mehrmaligen Versicherungen der UBS-Spitze in der Vergangenheit, dass die Grossbank eine der am besten kapitalisierten Banken der Welt sei, worauf dann doch Kapitalerhöhungen durchgeführt werden mussten, sagte Kurer:

«Ich glaube, diese Aussagen waren zum Zeitpunkt, als sie gemacht wurden, nach menschlichem Ermessen richtig.» Die Situation sei immer schlimmer geworden, nicht die UBS-spezifische, sondern das Umfeld.

In der Zwischenzeit befinde man sich in der grössten Finanzkrise seit der Grossen Depression in den 1930er-Jahren, sagte Kurer der «NZZ». «Die Finanzmärkte sind sehr nahe am Kollaps», sagte er dem «Tages-Anzeiger».

Sorge über Geldabfluss

«Der Neugeldabfluss bereitet uns Sorge und muss gestoppt werden.» Der Prozess habe sich beschleunigt, weil die Leute nicht nur das Vertrauen in die UBS, sondern ins ganze Bankensystem verloren hätten.

Die Zusicherung, dass die UBS im nächsten Jahr wieder Gewinne erziele und Dividenden zahle, gelte dennoch «mehr denn je, weil wir jetzt die Risiken eliminieren konnten», sagte Kurer.

SDA/bru

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