Uber macht Google bei selbstfahrendem Auto Konkurrenz

Das kalifornische Taxi-Start-up Uber gründet für die Forschung am Zukunftsauto eigens ein «Zentrum für fortgeschrittene Technologien». Gleichzeitig könnte Google ins Fahrdienstgeschäft einsteigen.

Übersicht: Das Herzstück des selbstfahrenden Autos ist ein Lichtsensor, der Bewegungen rund ums Auto registriert.

Übersicht: Das Herzstück des selbstfahrenden Autos ist ein Lichtsensor, der Bewegungen rund ums Auto registriert.

(Bild: Reuters Stephen Lam)

Der umstrittene Fahrdienstvermittler Uber macht bei der Entwicklung selbstfahrender Autos mit. Das Start-up, dessen Wert auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt wird, kooperiert dafür mit der US-Universität Carnegie Mellon.

Dabei soll es um Kartendienste sowie Technologien für mehr Sicherheit und autonomes Fahren gehen, kündigte Uber in einem Blogeintrag am späten Montag an. Fast zeitgleich sorgte ein Bericht über eine mögliche Rivalität mit Google für Aufsehen.

Der Internetkonzern, der auch ein bedeutender Investor bei Uber ist, entwickle seinen eigenen Service zur Vermittlung von Fahrten, berichtete der Finanzdienst Bloomberg. Er werde möglicherweise in Verbindung mit dem Google-Projekt für selbstfahrende Autos stehen.

Google reagiert mit Humor

Google-Manager David Drummond habe den Uber-Verwaltungsrat über diese Aussicht informiert, hiess es unter Berufung auf unterrichtete Personen. Uber-Manager hätten auch Screenshots einer aktuellen Mitfahr-App von Google gesehen, die von Mitarbeitern des Konzerns genutzt werde, schrieb Bloomberg weiter.

Google reagierte auf den Bericht mit einem ausweichenden Tweet, in dem es hiess, Uber und der Rivale Lyft funktionierten auch ganz gut. «Wir nutzen sie die ganze Zeit.»

260 Millionen für Uber

Der Risikokapital-Arm des Internetriesen Google hatte 260 Millionen Dollar in Uber investiert. Googles Chefjustiziar Drummond zog daraufhin in den Verwaltungsrat von Uber ein, das Gremium, das das Management beaufsichtigt und die Strategie bestimmt. Nun werde beraten, ob Drummond zum Rückzug aufgefordert werde, hiess es bei dem gewöhnlich sehr gut informierten Finanzdienst weiter.

Ein Bericht im «Wall Street Journal» schien der Bloomberg-Story kurz darauf etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. So hiess es dort, die interne Google-App sei von einem Entwickler getestet worden und sei nicht mit dem Programm der selbstfahrenden Autos verbunden.

Viele Branchenbeobachter fühlten sich von der Situation an die Kontroverse zwischen Apple und Google erinnert, bei der es um das iPhone und das Betriebssystem Android ging. Der damalige Google-Chef Eric Schmidt war Mitglied des Apple-Verwaltungsrates und bekam auch als einer der Ersten das iPhone zum Start 2007 präsentiert.

Als Google dann wenig später das Android-System in eine ähnliche Richtung entwickelte, fühlte sich Apple-Gründer Steve Jobs verraten. Schmidt verliess den Verwaltungsrat von Apple.

IT-Filz

Dass Uber mit der Carnegie-Mellon-Universität zusammenarbeiten will, dürfte kein Zufall sein. Von dort kommt der aktuelle Chef des Google-Projekts für selbstfahrende Autos, Christopher Urmson. Der Fahrdienstvermittler will auch mit dem dortigen Robotikzentrum zusammenarbeiten und Forschung finanzieren.

Im Rahmen der Kooperation will Uber zudem ein «Zentrum für fortgeschrittene Technologien» gründen. Chef und Mitgründer Travis Kalanick hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, Uber dürfte in Zukunft auf selbstfahrende Autos setzen. Damals wurde jedoch allgemein Grossinvestor Google als potenzieller Partner dafür gesehen.

Google arbeitet bereits seit mehreren Jahren an Technologien für selbstfahrende Fahrzeuge und präsentierte im vergangenen Jahr auch das erste Auto aus eigener Entwicklung. Uber liegt weltweit im Clinch mit der Taxibranche und Behörden. Sie werfen dem Start-up aus San Francisco unfairen Wettbewerb vor.

pst/sda

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