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Tod der Multimilliardärin heizt Spekulationen um Nestlé an

Liliane Bettencourt war Erbin von L’Oréal und Grossaktionärin von Nestlé. Ihr Tod könnte beide Konzerne verändern.

Françoise Bettencourt hatte sich monatelang einen erbitterten Familienstreit mit ihrer Mutter geliefert, weil sie die alte Dame als von Mitarbeitern und Beratern ausgebeutet ansah. 2011 erwirkte die Familie der Milliardärin schliesslich, dass diese unter Vormundschaft gestellt wurde.
Françoise Bettencourt hatte sich monatelang einen erbitterten Familienstreit mit ihrer Mutter geliefert, weil sie die alte Dame als von Mitarbeitern und Beratern ausgebeutet ansah. 2011 erwirkte die Familie der Milliardärin schliesslich, dass diese unter Vormundschaft gestellt wurde.
AFP
Die Vorwürfe der Tochter richten sich unter anderem gegen den Schriftsteller und Fotografen François-Marie Banier. Françoise Bettencourt beschuldigte ihn, ihre Mutter um fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Checks erleichtert zu haben.
Die Vorwürfe der Tochter richten sich unter anderem gegen den Schriftsteller und Fotografen François-Marie Banier. Françoise Bettencourt beschuldigte ihn, ihre Mutter um fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Checks erleichtert zu haben.
AFP
Abgeriegelt: Die Polize vor dem Büro von Patrice de Maistre, dem Vermögensverwalter von Bettencourt.
Abgeriegelt: Die Polize vor dem Büro von Patrice de Maistre, dem Vermögensverwalter von Bettencourt.
Keystone
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In diesem Spiel geht es um gigantische Summen. Und nach seinem Ende könnten zwei der mächtigsten Unternehmen Europas anders dastehen als bisher. Auf dem Feld stehen: die Hinterbliebenen der reichsten Frau der Welt, der grösste Kosmetikkonzern der Welt und der grösste Nahrungsmittelkonzern der Welt.

Anlass des Spiels ist der Tod von Liliane Bettencourt. Die Multimilliardärin verstarb am Mittwochabend im Alter von 94 Jahren. Dieses Ereignis gilt für viele Marktbeobachter als Katalysator für eine Auflösung der engen Verflechtung zwischen L’Oréal und Nestlé. Sie reicht ins Jahr 1974 zurück. Damals fürchtete Bettencourt, das Unternehmen ihrer Familie könnte unter einer allfälligen sozialistischen Regierung verstaatlicht werden. Deshalb verkaufte sie einen Anteil von 29 Prozent von L’Oréal an die Schweizer und bekam ihrerseits 3 Prozent von Nestlé.

Beschleunigung möglich

Ein Vertrag hielt zudem damals fest, dass der Nahrungsmittelmulti seinen Anteil frühestens sechs Monate nach dem Tod von Bettencourt aufstocken darf. Lange Zeit war das auch der Plan in Vevey. Die Schaffung eines integrierten Lebensmittel- und Schönheitskonzerns lautete bis in die Nullerjahre die Vision der Nestlé-Oberen. Das aktuelle Management ist davon aber längst abgerückt.

Der Anteil an L’Oréal wurde bereits auf 23 Prozent reduziert. Mit dem Tode von Bettencourt, der Garantin für die Verbindung der beiden Konzerne, könnte der Abbau der Beteiligung nun beschleunigt werden. Eine Aufstockung sei denn auch «sehr unwahrscheinlich», schreibt die ZKB. Viel eher werde die Beteiligung weiter abgebaut.

Börse hat L’Oréal im Visier

Dabei geht es allerdings um viel Geld. An der Börse wird L’Oréal aktuell mit 115 Milliarden Euro bewertet. Der Nestlé-Anteil bringt also 26 Milliarden auf die Waage. Es ist Geld, das Nestlé zur Stärkung des Kerngeschäfts oder für weitere Aktienrückkäufe einsetzen könnte. Das hat auch der Hedgefonds und Grossaktionär Third Point gefordert, der Nestlé seit einigen Monaten kritisch begleitet.

Die grösseren Veränderungen könnte der Hinschied von Bettencourt für L’Oréal bedeuten. Tochter Françoise Bettencourt-Meyers erklärte in einer Mitteilung zwar «im Namen der ganzen Familie», man bekräftige die «Verbundenheit und die Treue» gegenüber dem Konzern und das Vertrauen in das Management. Doch an der Börse wettet man bereits auf Kräfteverschiebungen. Die L’Oréal-Aktie schoss zeitweise um mehr als sechs Prozent in die Höhe, aktuell liegt sie immer noch rund 4 Prozent im Plus.

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