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Telecomriesen greifen nach dem Geschäft der Kreditkarten

Das Bezahlen per Handy könnte den Kreditkarten schon bald Konkurrenz machen.

Verizon und AT&T haben in den USA den Kreditkartenmarkt entdeckt.
Verizon und AT&T haben in den USA den Kreditkartenmarkt entdeckt.
Keystone

Die Mobilfunkriesen AT&T und Verizon greifen in den USA den Kreditkartenmarkt an. Sie gehen mit der amerikanischen Niederlassung von T-Mobile, der Kreditkartenfirma Discover Financial Services und der Bank Barclays eine ­Kooperation ein, die das Bezahlen per Handy ermöglichen soll. Das verlautete am Montag aus informierten Kreisen. Der Kunde schwenkt dabei einfach sein Handy über der Kasse – das Geld wird automatisch vom Konto abgebucht. Vorerst soll das neue Bezahlsystem in vier US-Städten getestet werden.

Diese Pläne «stellen definitiv einen Wendepunkt dar», sagt Richard Crone von der Beratungsfirma Crone Consulting LLC, die Kartennetzwerke, Kartenherausgeber und Telecomfirmen berät. Die ­Mobilfunkanbieter «sind Experten darin, Zahlungen abzuwickeln».

Erhoffte Konkurrenz

Den Detailhändlern dürften diese Pläne mehr als willkommen sein. Sie streiten sich seit Jahren konstant mit Visa und Mastercard über die Höhe der Gebühren, die diese einfordern dürfen. Insgesamt machen diese Gebühren etwa ein bis zwei Prozent der Transaktionssumme aus – das entspricht insgesamt mehr als 40 Milliarden Dollar jährlich.

«Wir haben schon lange argumentiert, dass es auf dem heutigen Markt für Bezahlsysteme keine richtige Konkurrenz mehr gibt», sagt Brian Dodge, ein Sprecher des US-Detailhandelsverbandes Retail Industry Leaders Association, zu dessen Mitgliedern Wal-Mart, Home Depot und Target zählen. «Es wäre eine sehr schöne Nachricht, wenn ein neues, sicheres, konkurrierendes Bezahlnetzwerk entstehen würde, das den Kunden mit seiner Mobilität entgegenkommt und für die Händler mit niedrigeren Kosten verbunden wäre.»

Bei den Kunden käme eine solche Innovation ebenfalls sehr gut an, glaubt das Marktforschungsunternehmen Mercatus. Die Analysten gehen davon aus, dass in fünf Jahren mehr als die Hälfte ­aller US-Bürger und fast 80 Prozent der 18- bis 34- Jährigen mobile Finanzdienstleistungen nutzen werden.

Gegenoffensive schon in Gang

Für die grossen Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard stellen diese Pläne eine direkte Herauforderung dar. Sie haben alleine in den USA über eine Milliarde Plastikkarten ausgegeben und kontrollieren 82 Prozent der Kartenzahlungen in den USA. Das entspricht Transaktionen im Volumen von etwa 2450 Milliarden Dollar. Sie werden dem Trend bestimmt nicht tatenlos zusehen.

Visa zum Beispiel hat sich mit Device Fidelity zusammengetan und eine Technologie entwickelt, mit der Handys zum Bezahlen benutzt werden und mehrere Kartenkonten speichern können. Möglich ist das bereits mit dem iPhone, wie Bill Gajda erklärt, der Mobile-Chef von Visa. Zudem hat Citigroup unlängst einen Mastercard-Paypass-Sticker auf den Markt gebracht. Dieser wird auf Handys aufgeklebt und ermöglicht das kontaktlose Bezahlen an 230'000 Verkaufsstellen in den USA.

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