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Tausende Mitarbeiter protestieren bei Google-Management

Angestellte unterzeichnen einen Brandbrief. Der Konzern soll aus einem umstrittenen Drohnenprojekt aussteigen.

An ihn wenden sich die Google-Mitarbeiter mit ihrem Protest: Google-CEO Sundar Pichai.
An ihn wenden sich die Google-Mitarbeiter mit ihrem Protest: Google-CEO Sundar Pichai.
Tsering Topgyal, Keystone

Es gibt innerhalb des Internetkonzerns Google eine Losung, auf die sich in der Vergangenheit viele Mitarbeiter einigen konnten: «Don’t be evil» lautet sie, «sei nicht böse». Ein Motto, das lange Jahre auch im offiziellen Verhaltenskodex der Firma stand.

Protestnote an den Chef

Genau diese Worte tauchen nun auch in einem Brief auf, der an Google-Chef Sundar Pichai adressiert ist. 3100 Angestellte des Konzerns haben ihn unterschrieben. In dem Brief protestieren sie dagegen, dass der Konzern das Pentagon bei der Weiterentwicklung von Drohnen unterstützt. «Lieber Sundar», beginnt das Schreiben, das die «New York Times» veröffentlicht hat, «wir glauben, dass Google nicht am Geschäft mit dem Krieg teilnehmen sollte.»

Die Google-Angestellten beziehen sich in dem Brief auf das Projekt «Maven», das bereits seit Frühjahr 2017 existiert, aber erst im vergangenen Monat öffentlich wurde. Das Pentagon will mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) die Daten von Drohnen analysieren und dafür mit dem Internetkonzern zusammenarbeiten.

«Die Technologie wird für das Militär entwickelt und kann für militärische Zwecke genutzt werden.»

Ausschnitt aus dem Brief an das Management

Die hochrangige Google-Managerin Diane Greene soll den Mitarbeitern zwar zugesichert haben, dass die Google-Technologie keine Drohnen «betreiben oder fliegen» wird und «nicht benutzt wird, um Waffen abzufeuern», heisst es in dem Brief. Dennoch sind die Unterzeichner skeptisch und fordern ihren Chef auf, das Programm zu stoppen. «Die Technologie wird für das Militär entwickelt», schreiben sie, «und sobald sie ausgeliefert ist», könne sie leicht für militärische Zwecke genutzt werden.

Wie viele Google-Mitarbeiter sich tatsächlich mit dem Inhalt des Schreibens identifizieren, ist nicht bekannt; die rund 3100 Unterzeichner sind nur eine kleine Minderheit unter den mehr als 70'000 Alphabet-Mitarbeitern.

«Berechtigte Sorgen»

Und doch zeigt der Fall, in welchem Konflikt die Konzerne des Silicon Valley stehen: Einerseits haben sich viele von ihnen einer grossen Aufgabe verschrieben, sie wollen die Welt zu einem besseren Ort machen. Anderseits wollen sie Geld ­verdienen und nehmen dabei wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer. Im Kampf um talentierte Mitarbeiter mit Weltverbesserungsambitionen dürfen es die Konzerne dabei aber nicht übertreiben.

Google-Chef Pichai ging zwar nicht wörtlich auf das Drohnen-Projekt ein, reagierte aber indirekt auf die Kritik der Mitarbeiter. «Jede militärische Nutzung von maschinellem Lernen weckt naturgemäss berechtigte Sorgen», schrieb er. Geht es nach dem Google-Management, sei die Sache aber weniger proble­matisch. Die Software sei ohnehin für viele Kunden zugänglich. Ausserdem könne sie Menschen mühsame Arbeit abnehmen und sogar Leben retten. Ob die Mitarbeiter sich davon überzeugen lassen werden?

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